Bürgerversammlung
: Von Schulentwicklung bis Verkehr und Ärztemangel

Neuenhagener Verwaltung berichtet über aktuelle Projekte und Planungen der Gemeinde und beantwortet Einwohnerfragen.
Von
Uwe Spranger
Neuenhagen
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  • Rück- und Ausblick: Bürgermeister Ansgar Scharnke (l.) berichtete bei der Bürgerversammlung im Bürgerhaus vor rund 150 Zuhörern über aktuelle Projekte der Gemeinde.

    Rück- und Ausblick: Bürgermeister Ansgar Scharnke (l.) berichtete bei der Bürgerversammlung im Bürgerhaus vor rund 150 Zuhörern über aktuelle Projekte der Gemeinde.

    Gerd Markert
  • Zum Anschauen: Die Verwaltung hatte für die Gäste das Modell vom Schulcampus am Gruscheweg mitgebracht.

    Zum Anschauen: Die Verwaltung hatte für die Gäste das Modell vom Schulcampus am Gruscheweg mitgebracht.

    Uwe Spranger
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Neuenhagens Einwohnerzahl wächst derzeit jedes Jahr um 2,5 Prozent. Und dies werde auch anhalten, prognostizierte Bürgermeister Ansgar Scharnke (Die Parteilosen) am Montagabend bei der traditionellen Bürgerversammlung, zu der er und die Vorsitzende der Gemeindevertretung, Ilka Goetz (Linke), jedes Jahr im Herbst einladen. Im August hatte der Ort die 19 000er-Marke erreicht, und allein am Gruscheweg würden statt derzeit 300 bald 1200 bis 1500 Bürger wohnen. Die Neu-Neuenhagener gehörten nun dazu und hätten die Probleme nicht gemacht, die derzeit auftreten, sagte Scharnke. Denn die Infrastruktur hält nicht in jeder Beziehung Schritt.

Die Straßen seien zwar bereits weitgehend befestigt, es fehlten nur noch wenige Kilometer, aber gerade bei Schulen gebe es Handlungsbedarf. Dieses Thema genieße deshalb auch oberste Priorität. Denn Kapazitäten gebe es eigentlich bislang für sechs bis sieben Klassen pro Jahrgang, eingeschult wurden aber zuletzt jeweils acht plus eine Sprachklasse. Entspannen werde sich die Lage übergangsweise durch die im Bau befindliche Erweiterung der Goetheschule, die im August 2020 fertig sein soll. Und mehr Spielraum bringt dann der Neubau im Campus Gruscheweg für 500 Schüler, der nach den Zeitplänen 2023 in Betrieb gehen soll. Modell und Pläne für den Campus hatte die Verwaltung zum Anschauen mitgebracht. Sie sind auch mit anderen Entwürfen eines Wettbewerbs bis Ende der Woche noch im Rathaus zu sehen.

Weiter erwartet der Bürgermeister, dass sich die Verkehrsprobleme gerade am Bahnübergang Hauptstraße verschärfen dürften, wenn Ende 2020 das neue Wohn- und Geschäftshaus in Betrieb geht und eine neue Ausfahrt an der Schranke hinzukommt. Durch das Gebäude sei eine Brückenlösung an der Stelle unmöglich geworden, ein Tunnel sei durch das nahe Fließ sehr schwierig. Eventuell könnte vielleicht eine „Entlastungsstraße“ parallel zur Autobahn bis zur Fredersdorfer Straße bringen. Sie stehe „ganz oben auf der Liste“ für einen Verkehrsbeirat, der in Kürze gegründet werden soll. Auch über den Gruscheweg müsse sich das Gremium noch viele Gedanken machen, sagte er voraus. Eine große Lösung werde es nicht geben, man könne nur durch viele kleine Einzelschritte Verbesserungen erreichen.

Für neue Bushaltestellen

Scharnke machte zugleich deutlich, dass er aufgrund der Mehrheitsverhältnisse in der Gemeindevertretung nicht all seine Pläne, die er im Bürgermeisterwahlkampf verkündet hatte, durch-bringen könne. „So ist Demokratie.“ Als Beispiele nannte er Zuzugsbeschränkungen beispielsweise im Gruscheweg, weniger Versiegelung oder das Thema Oberschule im Ort.

Fortschritte konstatierte er bei den Problemen mit Jugendlichen am Bahnhof dank Sozialarbeitern und Pavillonangebot. Allerdings müsse der Bauhof nahezu jeden Morgen dort aufräumen. Weitere Zusagen wollte er von erzieherischer Wirkung abhängig machen.

Der Bürgermeister erinnerte zudem an Positives wie die Jubiläen 25 Jahre Seniorenbeirat und Frauenchor, 30 Jahre Kinder- und Jugendtanzensemble oder 40 Jahre Kita Schäferplatz, die Eröffnung der Sternwarte im Gymnasium oder die Grabstätte für Sternenkinder.

Bei der anschließenden Fragerunde warben Bürger für einen Regionalbahnhalt, wofür es viel Beifall gab, für ein Verschieben des Bustakts auf Anschluss zu den Einsetzer-S-Bahnen in Hoppegarten und zusätzliche Bushaltestellen Richtung neuer Rewe-Markt an der B 1. Die Gemeinde will dies bei den Verantwortlichen im Landkreis thematisieren. Auch der Ärztemangel im Ort wurde angesprochen. Scharnke sah nach einem Gespräch mit Kassenärztlicher Vereinigung und Landkreis wenig Chancen auf Besserung, und auch auf das immer noch nicht fertige Ärztehaus Hauptstraße habe man keinen Einfluss, das sei rein privat. Einsetzen wolle man sich indes dafür, dass der Zugang zum Fahrstuhl zur HNO-Praxis auf dem einstigen LIW-Gelände eine Rampe für Rollstuhlfahrer erhält.

Geplanter Straßenbau in den Jahren 2020–2023

2020:  Frieden- und Teichstraße sowie Gehweg Reuterstr. – ca 1,4 Millionen Euro2021: Annenstr. (Fahrbahnverbreiterung  Haupt- bis  Thälmannstr.), Körnerstr. (Hauptmannstr. bis Feld), Gartenstr. (in Zusammenhang mit Regenentwässerung), Dorfstr. (Verkehrsberuhigung); Kreisverkehr Altlandsberger Ch./Gruscheweg – ca. 2,5 Mio Euro2022: Höhenweg – ca. 520 TEuro2023: Entrich-, Ernst-Thälmann-Str., Grillen-, Gruscheweg, Im Grund, Lindenstr. (Dahlwitzer bis Breitscheidallee) –  3,3 Mio Euro⇥Quelle: Gemeinde