Cemex
: Zementwerk in Rüdersdorf reduziert Entnahme von Seewasser

Im Rüdersdorfer Umweltausschuss sprach ein Cemex-Vertreter über den Umgang mit dem kostbaren Nass. Nicht nur die Entnahmestellen wurden drastisch reduziert, sondern auch die -mengen.
Von
Thomas Berger
Rüdersdorf
Jetzt in der App anhören

Großanlage: Das Zementwerk benötigt Wasser für Kühlkreisläufe.

Patrick Pleul/dpa

Wasser ist ein wertvolles, auch begrenztes Gut: Gerade die aktuellen Debatten um die massiven zusätzlichen Bedarfe des künftigen Tesla-Werkes im nahen Grünheide, die seit Monaten die regionale Öffentlichkeit bewegen, hat das Thema mehr denn je ins Bewusstsein gebracht. Das Zementwerk wiederum, berichtete Exner, entnehme bereits seit den 1960er-Jahren Wasser, um insbesondere die Kühlkreisläufe auf dem Werksgelände zu sichern.

Sechs Millionen Kubikmeter

Früher waren Entnahmepunkte auch noch der Bereich Krienhafen und das Mühlenfließ, inzwischen beschränke man sich einzig auf den Großen Stienitzsee, erfuhren die Anwesenden. Ein Spitzenwert von fast einer Million Kubikmetern sei 1985 erreicht worden, heutzutage liegen die Entnahmen weit darunter, wie Exner mitteilen konnte. Bei unter 200 000 Kubikmetern hat sich der Wert eingepegelt, bis knapp zur Hälfte gebe es an Rücklauf.

Dass das direkte Anzapfen des Seewassers massiv gedrosselt werden konnte, obwohl die Bedarfskurve auch seit der Wende immer weiter gestiegen ist (derzeit an die sechs Millionen Kubikmeter im Jahr), liegt unter anderem am Bau eines großen Rückhaltebeckens in den 1990er-Jahren. „Wir versuchen, konsequent auch das Regenwasser zu nutzen, das auf dem Gelände fällt“, betonte der Cemex-Vertreter. Die Menge könne man nur grob schätzen, sie liege wohl bei 80 000 bis 100 000 Kubikmetern.

Dass gerade bei den Rückläufen kein verschmutztes Wasser in den See gelangt, dafür sei anlagetechnisch maximal Vorsorge getroffen, listete Exner, zum besseren Verständnis teilweise mit Bildern und Grafiken illustriert, auf. Schutz gegen verschiedene Arten von Schwebstoffen biete bereits ein Kiesfilter, bei der jährlichen Reinigung der Becken würden jeweils eine beachtliche Masse an solcherart aufgefangenem Material vom Boden geborgen und ordnungsgemäß entsorgt. Auf etwaige Ölanteile im Rückfluss-Wasser werden ständig gemessen, das hintere Becken verfüge auch noch über einen Leichtflüssigkeitsabscheider, der dieses aufhalten würde, führte Exner aus. Auch das wieder eingeleitete Wasser werde regelmäßig auf seine Qualität untersucht, ein 20-Liter-Edelstahleimer diene der monatlichen Probenentnahme.

Bei den Polychlorierten Biphenylen (PCB) liege man deutlich unter den Grenzwerten, zeigte der Berichterstatter auf. PCB sind giftige und krebsauslösende Chlorverbindungen, die bis in die 1980er-Jahre in Transformatoren, Kondensatoren und Hydraulikanlagen, aber auch als Weichmacher in Lacken und Dichtungsmassen zum Einsatz kamen. "Wir setzen schon seit Jahrzehnten kein PCB-haltiges Öl mehr ein“, versicherte Exner. Der CSB-Wert überstieg laut der gezeigten Kurven in den Jahren 2010, 2013 und 2015 temporär den Grenzwert. Der Chemische Sauerstoffbedarf ist ein Maß für die Summe aller im Wasser vorhandenen, unter bestimmten Bedingungen oxidierbaren Stoffe.

Tagebau-Wasser für Tesla?

Ob wiederum das aus dem Tagebau abgepumpte Wasser, das in den Kriensee eingeleitet wird, nicht zum Beispiel für Tesla und andere Bedarfe umleitbar wäre, wollte Johann Meintrup (sachkundiger Einwohner) wissen. „Haben Sie sich da vielleicht schon mal in Verbindung gesetzt?“ Theoretisch sei das vorstellbar, antwortete Cemex-Umweltmanager Ron Tauber. Das Problem seien aber die langen Zuleitungswege, der Härtegrad des Wassers, die Aufbereitung und auch, dass sich am Kriensee ein entsprechendes Ökosystem he­rausgebildet habe. Ein eventuelles Abzweigen bei der Wassereinleitung, um Mangel andernorts zu verringern, erfordere deshalb eine komplexe Betrachtung.