Die Teilnahme bei solch einem Format bringt vor allem auch Kontakte, Publicity und Angebote, die sich andernfalls kaum ergeben hätten. So kam es auch dazu, dass Clarees (neben einigen anderen Musikern) als Sängerin für das Kulturprogramm auf einem Kreuzfahrtschiff gebucht war. Von Sydney quer durch die Südsee bis nach Peru sollte es gehen, eine traumhafte Strecke. Und für die in der märkischen Provinz aufgewachsene, immer noch bodenständige junge Frau eine Premiere, mit solch einem Riesenkahn (auch wenn es noch eine der etwas kleineren Varianten war, wie sie erzählt) über die Weltmeere zu schippern. Doch schon nach wenigen Tagen war das Ganze vorfristig beendet – die Corona-Krise durchkreuzte die Pläne. Doch bis die Buckowerin und alle anderen in einer der deutschen Rückholaktionen für die in aller Welt gestrandeten Staatsangehörigen wieder heimflog, entwickelte sich die Geschichte durch die Umstände gleich zu einem doppelten Abenteuer.
"Ich liebe es ja, zu reisen", sagt Clarees, die früher ein Auslandsschuljahr in Mexiko verbracht hat. Und auch das, was sie beispielsweise noch am Anfang von Australiens größter Metropole Sydney gesehen hat, wo sie auf den Treppenstufen vor dem Wahrzeichen Opera House saß, sind bleibende Eindrücke. Gleich ein kleines Stück weiter, schräg unterhalb der mächtigen Harbour Bridge, legen die Kreuzfahrtschiffe in diesem Hafen an. Dort ging auch die junge Sängerin an Bord. "Die Krise war zu diesem Zeitpunkt im März ja schon im Gange", blickt sie zurück. Doch während daheim in Deutschland das öffentliche Leben herunterfahren und Toilettenpapier zur Mangelware wurde, war in Australien, das Maßnahmen recht spät verhängte, noch nichts zu merken. "Und ich hatte schließlich einen Vertrag zu erfüllen", erklärt sie mit Verweis auf einzelne Kritiken, die sie da auch über die Kanäle sozialer Medien erreichte.
Immerhin zu fünf Seetagen als Ausschnitt aus dem eigentlich längeren Gesamterlebnis hat es noch gereicht. Tage, um so richtig in den Mikrokosmos Kreuzfahrtschiff einzutauchen. 1200 Passagiere sind in diesem Fall an Bord, die Musiker stehen gewissermaßen zwischen Gästen und Crew – was Austausch mit beiden Seiten ermöglicht, wie sie erzählt. Viele, die sich auf Kreuzfahrt begeben, gehören zu den älteren Semestern, hat sie da live feststellen können. "Am Frühstückstisch kam ich mal mit einer Frau ins Gespräch. Die sagte, sie sei 83 – und damit in manchen Bereichen fast noch eine der Jüngeren." Gerade auch deshalb hätten sie und andere reichlich aus ihrem Leben und auch von früheren Reisen viel Interessantes zu erzählen gehabt. Die junge Sängerin wiederum absolvierte täglich ihre Auftritte an der Bar oder in der Show-Lounge.
"Ich hätte die 30 Seetage gut über die Runden gebracht", ist Clarissa Schöppe überzeugt. Doch die Krise holte das Schiff ein, auch das Virus war längst mit an Bord. Nur dem Umstand, dass einer der Passagiere ein Herzproblem hatte, führte zur Sondergenehmigung, dass der Riesenkahn auf der anderen Seite Australiens, in Fremantle, schließlich in den Hafen einlaufen durfte. Und dort war das Abenteuer auch wenig später beendet. Mit geradezu spektakulären Begleitumständen: "Es waren Angehörige des australischen Militärs mit schwarzem Outfit und Gasmaske, die uns abgeholt haben", berichtet sie, alles musste plötzlich ganz schnell gehen. Lediglich eine kleine Tasche von sieben Kilo durfte jeder eilig packen und mitnehmen: "Mein großer Koffer, den ich zurücklassen musste, ist immer noch hierher unterwegs."
Mit von Polizeifahrzeugen davor und dahinter eskortierten Bussen ging es zum Flughafen der benachbarten Metropole Perth, wo die Chartermaschinen schon bereitstanden. Vier Flugzeuge kleinerer Bauart, schon generell ohne den gewissen Komfort der Langstrecken-Jets und noch dazu unter verschärften Bedingungen: Kein richtiger Versorgungsservice, lediglich Wasser und mal ein Sandwich, das allen an ihren Platz gehängt wurde. Zwischenstopp zum Auftanken auf der thailändischen Ferieninsel Phuket, ohne dass jemand zeitweise von Bord durfte, und am 30. März Landung in Frankfurt am Main. Wo es für alle 14 Tage in Quarantäne ging.
Nicht nachvollziehen kann Clarisse Schöppe, dass sich einige der reicheren Schiffspassagiere sogar im Flugzeug noch beschwert hätten, dort mit allen anderen zusammengedrängt auf den Economy-Plätzen sitzen zu müssen. Eine 1. Klasse, in der diese Herrschaften sonst fliegen, hatte die kleinere Maschine ohnehin nicht, "die Business Class musste wegen des Schutzabstands zur Crew frei bleiben", wie Clarees die strengen Regeln erklärt, denen sie unterlagen. Respekt hat sie allerdings für Kapitän Morton Hansen, der mit seiner eigenen Art, Erfahrung und Autorität auch auf dem Höhepunkt der Krise auf dem Schiff für Ruhe zu sorgen schaffte. Der 1959 im norwegischen Tromsö geborene und seit 1994 in Österreich lebende Seemann ist selbst ein TV-Star. Viele kennen ihn aus der Reihe "Verrückt nach Meer".

Pläne für Studium ab Herbst

Die junge Buckowerin ihrerseits hat vor, ab dem Herbst sozusagen noch mal die Schulbank zu drücken. Ein Studium im Bereich Popdesign, entweder in Berlin, Mannheim oder Hannover. Wobei ihr größter Wunsch ist, dass es bei der renommierten Pop-Akademie in Mannheim klappt. Der Vertrag der Sänger mit dem Musiklabel läuft nach einem Jahr im August aus. Sie hat sich entschieden, ihn nicht zu verlängern, will sich anderweitig weiterentwickeln. Dankbar ist sie, dass sie bei Produzent Bülent Aris vieles gelernt hat, überhaupt schon mal, im Studio richtig zu singen. Denn bei lediglich einem Mikro und einer kahlen Wand kommt es da auf bestimmte Details an. Auch das generelle Hineinschnuppern ins Musikgeschäft ist eine Erfahrung, die sie nicht missen möchte.
Übrigens hat auch Mutter Ila Schöppe eine gewisse Beziehung zur MS Artania, auf der ihre Tochter nun kurzzeitig war und das spezielle Abenteuer erlebte. Denn von dem Kreuzfahrtschiff stammte 2011 die neue Bestuhlung im Buckower Theater untendrunter, dessen Intendantin sie ist.