Disco in Strausberg: Warum die Party „Rampenlicht“ so besonders ist

Erfahrenes DJ-Duo: Felix Haagen (links) und Karsten Hahn in dem Raum in Strausberg, der zur Disco umfunktioniert werden soll. Die Plakate zur Party sind in der hauseigenen Druckerei gefertigt worden.
Claudia Braun- In Strausberg startet die inklusive Disco-Reihe „Rampenlicht“ am 17. Oktober nach 10 Jahren Pause.
- Menschen mit und ohne Behinderung feiern gemeinsam von 17 bis 21 Uhr bei 1 Euro Eintritt.
- DJ-Duo Felix Haagen und Karsten Hahn legen regelmäßig auf, bekannt aus Feuerwehr- und Fest-Events.
- Snacks, alkoholfreie Getränke und barrierefreie Teilnahme stehen im Fokus der Lebenshilfe-Veranstalter.
- „Rampenlicht“ soll monatlich bis März stattfinden, Fahrdienste sind bewusst nicht organisiert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Aufgeregt sind Felix Haagen und Karsten Hahn vor ihrem großen Auftritt nicht. Schließlich sind die Freunde mittlerweile alte Hasen hinter ihren Turntables, für die sie lange gespart haben. Bei Feiern der Freiwilligen Feuerwehr – dort sind sie Kameraden – haben sie gelernt, mit welchen Hits und Schlagern leere Tanzflächen voll werden. Inzwischen hat sich das DJ-Duo bei Festen aller Art bewährt. Ob Fasching, Weihnachten oder das diesjährige 35-jährige Bestehen der Lebenshilfe Märkisch-Oderland mit rund 400 Gästen: Haagen und Hahn sorgen für die gewünschte Musik.
Nun werden die Hobby-DJs so etwas wie Residents, wie es im Clubjargon heißt. Will heißen, sie werden regelmäßig bei einer Discoreihe auflegen, die nach zehn Jahren Pause am Freitag (17. Oktober) wieder aufleben wird. „Rampenlicht“ ist die inklusive Tanzveranstaltung überschrieben, bei der im Idealfall Menschen mit und ohne Behinderung ausgelassen zusammenkommen, feiern und vor allem tanzen könnten. Veranstaltet wird das Event von 17 bis 21 Uhr in der Lebenshilfe Hauptwerkstatt, Am Biotop 24, in Strausberg. Der Eintritt kostet einen Euro und ist damit für jeden erschwinglich. Das ist den Veranstaltern sehr wichtig.
Warum gibt es keine inklusive Abendveranstaltung mehr?
Die Idee dazu hatte Ariane Thielsch, Leiterin des Bereichs Ambulante Dienste bei der Lebenshilfe in Müncheberg. Sie fragte sich, warum es eigentlich keine inklusive Abendveranstaltung mehr gibt – und organisierte mit einem Kernteam von etwa zehn weiteren Mitarbeitenden der Lebenshilfe die Disco kurzerhand selbst. Mittlerweile sind die verschiedensten Bereiche der Märkisch-Oderland-Werkstätten beteiligt. Die Druckerei sorgte für die bunten Plakate, Deko wurde teilweise im Haus hergestellt und die Küche stellt Snacks wie Bratwurst im Brötchen und Knabberzeug.
Zwar geht es hauptsächlich darum, einen vergnüglichen Abend miteinander zu verbringen. Aber „Rampenlicht“ kann noch mehr, wie Ariane Thielsch und Ulrike Schiga, für die Öffentlichkeitsarbeit der Werkstätten zuständig, erklären. „Für viele Beschäftigte ist es etwas ganz Besonderes abends, im Dunklen, eine Veranstaltung zu besuchen“, so Schiga. Fahrdienste werden ganz bewusst nicht gestellt oder organisiert. Die Gäste sind aufgerufen, sich selbst zu kümmern, indem sie sich S-Bahn-Fahrverbindungen heraussuchen, mit Freunden zusammenschließen oder Eltern bitten, sie zu fahren. Denn auch das gehöre zu einem selbstbestimmten Leben dazu.
Angehörige können an den Abenden ihre Freizeit genießen
Wie viele Gäste sich von dem Slogan „Inklusiv. Laut. Lebensfreude pur“ angesprochen fühlen und in die großzügigen Räumlichkeiten der Hauptwerkstatt kommen, können die Veranstalter vor dem ersten Event noch nicht abschätzen. Weitere soziale Träger, wie Stephanus oder Lobetal, wurden im Vorfeld auf das Angebot aufmerksam gemacht. Ausdrücklich sind auch Menschen ohne Behinderung willkommen. Vielleicht nutzen Betreuer und Angehörige die Party ebenfalls, um sich selbst ein bisschen Freizeit zu gönnen, wissen sie doch ihre Schützlinge an diesem Abend gut versorgt.

Sorgen seit Längerem für ausgelassene Stimmung: Felix Haagen und Karsten Hahn als DJ-Duo bei einer Faschingsfeier im Volkshaus. (Archivbild)
Barbara Frenzel/Fotoarchiv LebenshilfeFelix Haagen, der werktags in der Kantine der Lebenshilfe in Müncheberg als Koch beschäftigt ist, und Karsten Hahn, der einen sogenannten ausgelagerten Arbeitsplatz als Hausmeister in der Strausberger Vorstadt-Grundschule hat, freuen sich, wenn sie richtig vielen Tanzbegeisterten einen unvergessenen Abend bereiten und sie ins Rampenlicht rücken können.
Alkohol wird nicht ausgeschenkt
Apropos „Rampenlicht“: Lange hatte Ariane Thielsch nach einem passenden Namen für die bis März monatlich stattfindende Disco gesucht. „Werkstatt-Disco und andere Variationen trafen es einfach nicht“, erinnert sie sich ans mehrwöchige Grübeln. Beim Filmschauen kam ihr dann plötzlich der Geistesblitz: „Rampe bringt dabei die Barrierefreiheit mit rein“, schildert sie ihre Assoziation.
Alkohol wird bei der inklusiven Disco übrigens nicht ausgeschenkt, anstelle dessen gibt es alkoholfreies Bier und Softdrinks, ebenfalls für einen schmalen Taler. Damit liegt die Partyreihe ganz im Trend, wie ein Blick nach Berlin zeigt, wo bei „Sober-Partys“ ganz auf Alkohol verzichtet wird. Die DJs Haagen und Hahn sind zuversichtlich, für Stimmung sorgen zu können. Bei einem Song zieht es Felix Haagen sogar selbst auf die Tanzfläche: „Wenn ‚Cotton-Eye Joe‘ läuft, ist kein Halten mehr.“
Die kommenden Termine für die Disco „Rampenlicht“ sind am 28. November 2025 sowie am 30. Januar, 27. Februar und 27. März 2026 geplant.

