Existenzgründerpreis
: Hörakustikerin bringt Ideen aus der Schweiz und aus Kanada

Die Vergabe des Existenzgründerpreises ist jedes Jahr ein Ansporn für „junge“ Geschäftsleute in der Region.
Von
Jens Sell
Strausberg
Jetzt in der App anhören
  • Kann über Mangel an Kunden nicht klagen: Zu Diana Bonke kommen vorwiegend ältere Menschen mit Hörproblemen. Daneben ist sie auch als Pädakustikerin ausgebildet und kann Kindern Hörsysteme anpassen.

    Kann über Mangel an Kunden nicht klagen: Zu Diana Bonke kommen vorwiegend ältere Menschen mit Hörproblemen. Daneben ist sie auch als Pädakustikerin ausgebildet und kann Kindern Hörsysteme anpassen.

    MOZ/Gerd Markert
  • Ein kleiner Ausschnitt: verschiedene Hörgeräte im Laden von Diana Bonke. Moderne Geräte seien heute oft kaum zu sehen, sagt sie. Kosmetische Aspekte spielen bei ihrer Beratung auch eine Rolle.

    Ein kleiner Ausschnitt: verschiedene Hörgeräte im Laden von Diana Bonke. Moderne Geräte seien heute oft kaum zu sehen, sagt sie. Kosmetische Aspekte spielen bei ihrer Beratung auch eine Rolle.

    MOZ/Gerd Markert
1 / 2

Die Vergabe des Existenzgründerpreises durch die „ExistenzGründerPartner ODERLAND“ ist jedes Jahr ein Ansporn für „junge“ Geschäftsleute in der Region. Zu ihnen zählt auch Diana Bonke von der Hörakustik Strausberg.

Wer das Ladengeschäft in der Strausberger Altstadt betritt, fühlt sich von der großzügigen und modernen Raumgestaltung, in der dunkles Echtholz dominiert, angesprochen. Inhaberin Diana Bonke spricht nicht nur die Sinne ihrer Kunden an, sondern kümmert sich auch um die zwei wichtigsten: Das Hören und Sehen.  Vor eineinhalb Jahren ließ sich die heute 40–Jährige als Hörakustik Strausberg in das Gewerberegister eintragen. Sie hat es keine Sekunde lang bereut.

Mit zielstrebigem Lernen und dem Anhäufen von Bildung und Ausbildung hat Diana Bonke die Grundlagen für ihre heutige Selbstständigkeit gelegt. Geboren in einer Strausberger Handwerkerfamilie, hat sie 1997 das Abitur abgelegt. Damit war sie beim Strausberger Augenoptikermeister Thomas Frenzel zur Lehre willkommen. Aber der handwerkliche Gesellenberuf reichte ihr nicht, sie schloss ein Optometrie–Studium an. Doch qualifizierte Stellen für Diplomoptometristen gibt es nur wenige. „Brillen anpassen und verkaufen war mir nicht genug, dafür hätte ich nicht studieren müssen“, begründet Diana Bonke ihre Entscheidung, mit ihrem Mann für fünf Jahre in die Schweizer Hauptstadt Bern zu gehen. Ehemann Lars, Bauingenieur mit Spezialgebiet Holztechnik, arbeitete in einem Züricher Architekturbüro. Sie passte Kontaktlinsen an und korrigierte prismatisch Augenfehlstellungen. „Arbeits– und Lebensbedingungen waren in der Schweiz absolut in Ordnung“, sagt sie rückblickend. Einziges Defizit: Sie brauchten mehr Englisch–Kenntnisse, als sie hatten. Deshalb verlegten sie ihren Lebensraum aus der Schweiz nach Vancouver Island vor der Küste Kanadas.

Eineinhalb Jahre lebte und arbeitete das Ehepaar dort, er als Tischler, sie als Augenoptikerin und Optometristin. Rund ein halbes Jahr in Summe reisten beide durchs Land. „Dann sprachen wir fließend englisch, das Ziel war erreicht“, erzählt Diana Bonke. Weil es für sie in der Region wieder keinen anspruchsvollen Job gab, ging sie noch einmal für ein Jahr nach Bern in die gleiche Firma, nun aber als Verkaufsleiterin, war Chefin von 60 Mitarbeitern und lernte einiges über Betriebswirtschaft.

Lars Bonke machte sich mit einer Tischlerei in Rehfelde selbstständig. Seine rastlose Ehefrau wurde auf eine neue Herausforderung aufmerksam: die Hörakustik. Sie ließ sich zum Meister ausbilden und blieb dann noch dreieinhalb Jahre im Ausbildungsbetrieb — Fielmann in Berlin–Steglitz. „Doch das tägliche Pendeln war auf die Dauer nervig“, begründet sie ihren Entschluss, sich Mitte 2017 als Hörakustikerin in Strausberg selbstständig zu machen. Dabei unterstützten sie maßgeblich die Handwerkskammer beim Businessplan und die Sparkasse bei der Finanzierung.

In der Strausberger Schulstraße, mitten in der Altstadt, scheint Diana Bonke vorerst zur Ruhe gekommen zu sein. Hektik und Stress bleiben draußen, drin herrschen Ruhe und eine warme Atmosphäre vor. Rund ein Dutzend Hersteller hat sie im Hörgeräte–Sortiment, jeder habe an die hundert Systeme und Varianten im Angebot — ein weites Betätigungsfeld für eine anspruchsvolle Hörakustikerin, die den Ehrgeiz hat, jedem Kunden das optimale Hörsystem anzupassen. Dabei arbeitet sie übrigens mit Testgeräten der Hersteller. Ihre Kunden können vor der Entscheidung für ein Fabrikat und System praktische Vergleiche anstellen. Qualifiziert hat sie sich auch zur Pädakustikerin, ist also für die Anpassung von Hörsystemen für Kinder ausgebildet.

Daneben bedient sie noch eine weitere Nische: In zwei Schüben hat sie exklusive Brillengestelle aus Rathenow der Firma Makellos zur Auswahl liegen. Auf diese Regionalität bei Brillen und Gläsern legt sie Wert. Ebenso darauf, ihren Kunden Unterstützung beim Hören und beim Sehen aus einer Hand anzubieten.

Als Konkurrenz zu den benachbarten vier Optikfachgeschäften in und an der Altstadt sieht sie sich auch angesichts ihres schmalen Sortiments nicht. Ihr Lehrmeister Thomas Frenzel hat sie schon besucht, so wie übrigens auch der eine oder andere Hörakustiker. Sie versucht auch mit anderen Hörakustik– und Optikgeschäften zusammenzuarbeiten. So entstehen Synergien. Zum beiderseitigen Vorteil und  nicht zuletzt zum Vorteil der Kunden. Und die werden, der demografischen Entwicklung geschuldet, immer zahlreicher.