Das ehemalige Polizei-Gelände an der Wriezener Straße in Strausberg bietet schon lange keinen schönen Anblick mehr. An den Gebäuden nagt zusehendes der Zahn der Zeit und das Areal verwildert immer mehr. Das Grundstück hat der Landkreis Märkisch-Oderland vor einiger Zeit kostenlos vom Land bekommen. Denn an dieser Stelle soll ein neues Gymnasium gebaut werden, um der steigenden Nachfrage nach weiterführenden Schulplätzen in der Region gerecht zu werden. Nach längerer Diskussion um den Schulstandort hatte der Kreistag im November 2021 die Investition in Höhe von 29 Millionen Euro an dieser Stelle beschlossen.
Gleichzeitig sucht die Stadt Strausberg nach Ideen dafür, wie die leerstehende Festhalle künftig genutzt werden kann. „Beide Vorhaben sind eingebettet in einen Bildungsstandort mit dem Oberstufenzentrum, den Sportanlagen der Energie-Arena und des Strausbades und den Einrichtungen der Volkshochschule, die gemeinsam mit dem geplanten Neubau für das Gymnasium das Potenzial haben, zu einem zukunftsorientierten Bildungscampus zusammenzuwachsen“, teilte die Kreisverwaltung dazu mit.

Wettbewerb zur Gestaltung abgeschlossen

Wie aber soll das neue Gymnasium aussehen? Um Antworten auf diese Fragen beziehungsweise Vorschläge zu bekommen, hatten der Landkreis und die Stadt Strausberg einen Wettbewerb für Architekten und Landschaftsarchitekten ausgelobt. Gefragt waren Entwürfe für ein vierzügiges Gymnasium einschließlich Drei-Felder-Sporthalle und zusätzlichen Räumen für das benachbarte Oberstufenzentrum (OSZ). Im Ideenteil waren die Teilnehmer aufgefordert, Entwürfe für die Wiederbelebung der denkmalgeschützten Turn- und Festhalle Strausberg zu erarbeiten.
Laut der Kreisverwaltung wurden zehn Planungsteams ausgewählt, von denen vier bereits durch Kreis und Stadt gesetzt waren. „Sechs weitere Teilnehmer am Wettbewerb wurden auf Basis ihrer Qualifikation aus 72 zugelassenen Bewerbungen ausgelost“, teilte die Kreisverwaltung mit.

Welcher Entwurf hat gewonnen?

In der zurückliegenden Woche tagte dazu das Preisgericht. Im Realisierungswettbewerb für das Gymnasium setzte sich der Entwurf von Behles & Jochimsen, Gesellschaft von Architekten mbH BDA, mit Henningsen Landschaftsarchitekten PartG mbB aus Berlin durch.
Das Preisgericht würdigte die hohe Qualität aller eingereichten Wettbewerbsbeiträge für den Schulneubau einschließlich der geplanten Schulfreiflächen und Außenanlagen.
Das ist der Entwurf für das neue Gymnasium: Es entsteht in Hybridbauweise und soll auch moderne Lernformen ermöglichen.
Das ist der Entwurf für das neue Gymnasium: Es entsteht in Hybridbauweise und soll auch moderne Lernformen ermöglichen.
© Foto: Behles & Jochimsen Gesellschaft von Architekten mbH BDA mit Henningsen
Aber was macht den Sieger-Entwurf aus? Laut Architekt Jasper Jochimsen ging es seinem Büro darum, eine städtebauliche Lösung zu finden und ein zeitgemäßes sowie nachhaltiges Gebäude zu entwerfen. Mit der neuen Schule soll der Straßenraum an der Stelle gestärkt werden, denn eine richtige Gebäudefront gibt es dort derzeit nicht. „Das dreigeschossige, leicht zurückversetzte Haupthaus wird an der Wriezener Straße von zwei zweigeschossigen Baukörpern flankiert, zwischen denen sich der großzügige Vorplatz der Schule entwickelt“, heißt es in der Beschreibung. Dadurch sollen auch die denkmalgeschützten OSZ-Gebäude, dem sich das Gymnasium farblich annähern wird, präsenter gemacht werden.
Jochimsen ist begeistert von dem Standort der Schule, an deren Rückseite es noch etwas Wald und den Zugang zum Straussee gibt. In diese Richtung soll sich auch der neue Schulhof öffnen. In dem Gebäude aus Holz und Beton, also in Hybridbauweise, sollen unter anderem die Unterrichtsräume der Sekundarstufe I in Clustern um Forumflächen angeordnet werden, die das Lernen in größeren Gruppen ermöglichen. „Weg vom Frontalunterricht, hin zu modernen Lernformen“, so Jochimsen.

Neuenhagen

Neue Impulse für den alten Festsaal

Für die Reaktivierung der Festhalle, die einst wichtiger Ort des städtischen Lebens war, kamen vier Wettbewerbsbeiträge in die engere Auswahl, die kreative, aber auch sensible Lösungen für das denkmalgeschützte Gebäude anbieten. Dabei setzten sich die Büros HSP Hoffmann.Seifert.Partner Architekten Ingenieure aus Zwickau und Numrich Albrecht Klumpp, Gesellschaft von Architekten mbH mit St raum a, Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin, durch.
Auch der Festsaal in Strausberg soll umgestaltet werden.
Auch der Festsaal in Strausberg soll umgestaltet werden.
© Foto: Uwe Spranger
„Die Beiträge des Ideenwettbewerbs für die Turn- und Festhalle bieten der Stadt Strausberg einen sehr guten Impuls mit vielfältigen Gedanken für die weitere Diskussion und nächste Schritte zur Inwertsetzung der Festhalle Strausberg und zur verbindenden Weiterentwicklung des Bildungsstandortes zum Bildungscampus Wriezener Straße insgesamt“, heißt es in der Mitteilung des Landkreises. Mehr wurde dazu noch nicht bekannt gegeben.

Landkreis will loslegen, Strausberg noch diskutieren

Der Landkreis beabsichtigt nach eigenen Angaben, dem ersten Preisträger die weiteren Planungsleistungen für den Neubau des Gymnasiums zu übertragen. Die Stadt Strausberg werde auf der Grundlage der Wettbewerbsbeiträge über den weiteren Umgang mit der Festhalle diskutieren. Der Landkreis und die Stadt wollen die Wettbewerbsbeiträge schon bald öffentlich vorstellen. Dazu wird eine Ausstellung im OSZ vorbereitet. Die Eröffnung der Ausstellung wird voraussichtlich am Donnerstag, 16. Juni, um 15 Uhr stattfinden.
Laut letzten Plänen der Kreisverwaltung sollen die Bauleistung für das Gymnasium 2023 ausgeschrieben werden, sodass die Arbeiten im Jahr darauf beginnen können. Die ersten Siebtklässler sollen zum Schuljahr 2026/2027 dort unterrichtet werden.
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