Fechten
: „En Garde. Prétes. Allez.“

Fechter des PSV Berlin bereiten sich in einem Trainingslager in Strausberg auf die Deutschen Meisterschaften in Leipzig vor.
Von
Edgar Nemschok
Strausberg
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  • Fechten in Strausberg: die zwölfjährige Marie (links) und Sophie aus Berlin im Duell

    Fechten in Strausberg: die zwölfjährige Marie (links) und Sophie aus Berlin im Duell

    Edgar Nemschok
  • Abschlussbild: Die Aktiven vom Fechtzentrum Berlin waren in den Osterferien zu Gast in Strausberg. Im Herbst wollen sie wieder hier trainieren.

    Abschlussbild: Die Aktiven vom Fechtzentrum Berlin waren in den Osterferien zu Gast in Strausberg. Im Herbst wollen sie wieder hier trainieren.

    Edgar Nemschok
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Für Julia Wagner wird es am Sonnabend einen sportlichen Höhepunkt geben. Die 30–Jährige wird an den Deutschen Meisterschaften im Fechten teilnehmen. Die German Championships, wie sie offiziell bezeichnet werden, werden an zwei Tagen in der Sportarena Am Sportforum 2 in Leipzig stattfinden.

„Ich möchte mich mindestens unter die besten 16 platzieren“, sagt die Berlinerin, die an der Akademie für Sport und Gesundheit in Köln ihr Studium absolviert hat. Heute arbeitet sie im Fechtzentrum Berlin–Marzahn, Abteilung des PSV Berlin, und vermittelt als hauptamtliche Trainerin Kindern und Jugendlichen, aber auch Quereinsteigern die Schönheiten des Fechtsports.

„Fechten ist leider eine Randsportart und gilt für viele noch als ein sehr elitärer Sport“, sagt sie und denkt dabei noch an ihre ersten eigenen Schritte zurück. Die hat sie beim Vater Uwe Kirschen gemacht und bis heute hat das Fechten für sie nichts an seinen Reizen verloren. Überhaupt ist ihre ganze Familie dem Sport verbunden, denn auch ihr Ehemann Axel fechtet. „Die Woche vor Leipzig wird für uns beide noch einmal sehr, sehr hart“, sagt sie. Julia Wagner liegt in der deutschen Rangliste auf Platz 22.

Sie war mit einer 18–köpfigen Trainingsgruppe zu einem Camp nach Strausberg in den Sport– und Erholungspark gekommen und hatte auf Einladung auch der Box–Union Strausberg vier Tage die Ernst–Grube–Halle nutzen können. „Es waren schöne Tage, denn wir waren neben den zahlreichen Trainingsstunden auch im Kletterpark und haben als Verein eine Menge gemeinsam unternommen.“

Das Wichtigste war aber der Sport. „Es geht hier ordentlich zur Sache. Das ist aber auch notwendig, denn das Fechten  verlangt dem Aktiven wirklich alles ab. Konzentration, Reaktion und ein hohes Maß an körperlicher Fitness sind notwendig, um erfolgreich zu sein“, sagt sie und setzt nach einer kurzen Einführung die Trainingsstunde mit ihrer Gruppe gleich fort. „En Garde. Etes vous prêtes. Allez“, gibt sie die Befehle auf Französisch, denn dies ist auch die Sprache unter den Sportlern. Das heißt übersetzt: „Fechtstellung einnehmen, sind Sie fertig, los, das Fechten kann beginnen“. Knapp 90 Minuten dauert das Training.

Degen ist eine schwere Waffe

Gefochten wird mit dem Degen. Diese Waffe wiegt etwa 750 Gramm. Sie ist damit auch die Schwerste der drei Waffengattungen (Degen, Florett, Säbel) und erinnert von allen Fechtwaffen am ehesten an jene, mit denen schon im Mittelalter Duelle ausgetragen wurden. Beim Degenfechten zählt der gesamte Körper als Trefferzone. „Und, um das gleich zu klären, Fechten ist absolut sicher. Verletzungen gibt es durch die Waffen nicht. Die Anzüge sind dick und die Masken undurchlässig“, sagt Julia Wagner deutlich.

Vorbereitung auf die DM

Nicht nur sie bereitet sich auf die Deutschen Meisterschaften 2019 vor. Die Hoffnungen des Vereins liegen zum Beispiel auch auf Lisa Marie Mielke. Die 14–Jährige ist seit etwa zweieinhalb Jahren aktiv und war bei den jüngsten Meisterschaften am Ende Siebte. Sie ist Schülerin der achten Klasse und neben Deutsch ist Französisch ihr Lieblingsfach. Natürlich auch durch den Sport, gibt sie gerne zu.

Gern auch Quereinsteiger

„Leider findet unser Sport immer ohne große Medienaufmerksamkeit, geschweige denn Zuschauerströme statt. Nur bei Turnieren wie zum Beispiel den Berlin Open am ersten Septemberwochenende im Sportforum in Hohenschönhausen ist das ein wenig anders. Trotzdem haben wir recht guten Zulauf“, verrät Julia Wagner. „Das Schwierige ist dabei, einige zunächst Interessierte bleiben dann doch nicht lange. Übrigens: Wir haben auch Gruppen, in denen sogenannte Quereinsteiger zum Sport finden können.“ Julia Wagner sagt, dass ihr Verein derzeit in der Dessauer Straße in Berlin–Marzahn zu finden ist. „Also auch nicht so weit weg für Interessierte aus Märkisch–Oderland“, ergänzt sie. Im Herbst wollen sie wieder im SEP trainieren.