Fehlender Erlös: Strausbergs DRK-Kleiderkammer ist in Not
„Wir sind Strausbergs kleinstes Kaufhaus“, sagt die Leiterin schmunzelnd. Die Kleidung, die bei ihr landet, erreicht sie auf zwei Wegen. Bürger, die sie nicht mehr benötigen, bringen sie vorbei – „oft sehr liebevoll verpackt und in gutem Zustand“. Der andere Weg ist der aus den Altkleidercontainern des DRK, von denen die Kleidung mit Transportern zu ihr gebracht wird.
Alle Textilien, die nicht mehr getragen werden können oder aber die räumlichen Kapazitäten der Kammer übersteigen, sortiert Regina Herrmann aus. Sehr ärgerlich sei, dass in den Containern auch viel Müll lande. „Teppiche, Elektroschrott, sogar Essensreste und in Kopfkissen versteckter Grünschnitt“, zählt sie auf und zeigt auf die Müllberge hinter der DRK-Geschäftsstelle, die in wenigen Tagen angefallen seien. All das müsse das DRK extra entsorgen, was Kosten und Zeit fresse.
Verwerter kündigte im Juni
Dazu kommt derzeit ein noch viel größeres Problem, wie Klaus Bachmayer, Geschäftsführer des in Fürstenwalde ansässigen DRK-Kreisverbandes Märkisch-Oder-Havel-Spree, zu dem auch Strausberg gehört, sagt. Bis vor Kurzem habe ein Verwerter, die SOEX-Gruppe, den Kleiderkammern die überschüssigen Textilien abgenommen. "Sie gingen zum Beispiel an die Autoindustrie für Fußmatten oder für Dämmmaterial“, sagt Bachmayer. Dann kündigte SOEX dem DRK zu Mitte Juni. „Die Märkte für Alttextilien sind coronabedingt weltweit zusammengebrochen, SOEX konnte uns das, was wir an Kleidung nicht benötigen, nicht mehr abnehmen.“ Den acht Kleiderkammern des DRK-Kreisverbandes in Strausberg, Oranienburg, Frankfurt, Eisenhüttenstadt, Fürstenwalde, Beeskow, Storkow und Erkner, in denen die Kleidung aus rund 360 Altkleidercontainern sortiert wird, drohte ein Stau mit Lumpen. Zwar konnte dieser glücklicherweise abgewendet werden, wie Bachmayer sagt, weil er in der Dohmann Textilverwertung GmbH einen Verwerter als Nachfolger fand, mit dem das DRK schon einmal zusammengearbeitet hatte. Doch anders als SOEX zahlt Dohmann dem DRK kein Geld für die überschüssigen Textilien.
„Für uns ist das ein Problem“, sagt Bachmayer. „Denn die Erlöse, die wir aus der Verwertung bekommen haben, haben wir nicht nur dazu genutzt das Kleiderkammersystem aufzubauen, sondern auch, um die hauptamtlichen Mitarbeiter zu bezahlen. Pro Kammer sind es ein bis zwei.“ Auch wenn die Infrastruktur nun aufgebaut sei, die Kosten für Abschreibungen und Personal liefen weiter. Dazu komme ein weiteres Problem. "Als vor ein paar Jahren noch hohe Preise für Lumpen bezahlt wurden, haben viele Anbieter Altkleidercontainer aufgestellt. Einige Kommunen haben damals angefangen, Standgebühren zu nehmen.“ Vor allem in der Region Eisenhüttenstadt und Frankfurt. Wenn das so bleibe, sagt Bachmayer, „werden wir in einigen Regionen weniger sammeln, dann müssten Container abgebaut werden“.
Fokus liegt auf Weiterbetrieb
Bei den Kleiderkammern, sagt Bachmayer, liege das Hauptaugenmerk jetzt darauf, diese unbedingt weiterzubetreiben. „Da wollen wir unserem Auftrag und Satzungszweck als Rotes Kreuz gerecht werden.“ Allerdings könne es sein, dass, wenn der Weltmarkt sich nicht ändere, die Kammern so geführt werden müssten, wie es historisch ohnehin immer gewesen sei. Also weniger als Kleiderläden und mehr als Kleiderkammern mit reduzierten Öffnungszeiten und ehrenamtlichen Kräften. Jeder Standort werde überprüft, kündigt Klaus Bachmayer an. Mitte August soll auch bewertet werden, ob und zu welchen Konditionen die Zusammenarbeit mit der Firma Dohmann fortgeführt werden kann.

