Nach der Insolvenz des ehemaligen Chemiewerks vor 20 Jahren wurde das Gelände ab 2000 als Drehort bekannter Filmproduktionen genutzt. Der Location-Scout des Studio Babelsberg kennt das Gelände seither und vermittelt die mittlerweile durch Vandalismus zerstörten Gebäude.
"Die letzten 20 Jahre sind nicht spurlos an dem Gebäude vorbeigegangen", sagt Markus Bensch, Location-Scout und Produktionsleiter des Studio Babelsberg, zu den Veränderungen des ehemaligen Futterphosphat-Werks in Rüdersdorf. Im Jahr 1999 – zur Zeit der bekannt gewordenen Insolvenz des Unternehmens – sei er das erste Mal dort gewesen.
"Als ich das Ding angefragt habe, liefen da noch die letzten zehn Arbeiter rum", erinnert er sich. Das Werk sei zu diesem Zeitpunkt noch intakt gewesen, so dass er mit seinem Team in der ehemaligen Kantine saß.
"Angefangen hat das mit dem Stalingrad-Kriegsfilm ‚Duell-Enemy at the Gates‘ im Jahr 2000", sagt Bensch zu den ersten Dreharbeiten in der mittlerweile weltweit bekannten Location. Das Team des Studios vermittele und nutze das Gelände seither und kenne daher die Gegebenheiten und Probleme.
"Wir mieten das, wenn wir es mal brauchen, für irgendeinen Film." Da das Budget der vom Studio Babelsberg vermittelten Produktionen etwas größer sei als bei vielen anderen, könne sich das Team vor Ort auch mehr ausbreiten. Die Drehkosten richten sich dabei laut Bensch nach Nutzungszeit und Aufwand.
"Einerseits werden Produzenten aus Hollywood durch uns auf die Location aufmerksam, andererseits spricht sich das auch rum", betont der 52-Jährige. Denn das Gelände sei im europäischen Vergleich relativ einzigartig. Vor allem weil es schon so runtergekommen aussehe, aber dennoch sicher genug sei, um darin arbeiten zu können. "Das ist eine Kombination, die für Filmemacher sehr interessant ist."
Daher sei das weitläufige Gelände der früheren Außenstelle des volkseigenen Betriebes Chemiewerk Coswig auch für den US-amerikanischen Film "Tribute von Panem" und für den deutsch-amerikanischen Spielfilm mit George Clooney, "Monuments Men", gewählt worden. Auch die Band Rammstein inszenierte dort für das Musikvideo zum Song "Amerika" eine Mondlandung. Für Studentenprojekte stehe das Gelände nach Absprache auch für geringere Kosten zur Verfügung.
"Das letzte große Ding, was wir da gemacht haben, ist drei bis vier Jahre her", sagt der Location-Scout. Die Dreharbeiten der fünften Staffel der US-amerikanischen Fernsehserie  "Homeland" fanden zwar vorwiegend im Studio Babelsberg und in Berlin, als gleichzeitig wichtigstem Handlungsort der Serie, statt, aber die alte Chemiefabrik in Rüdersdorf sei ebenso für die Dreharbeiten in ein libanesisches Flüchtlingscamp umgestaltet worden. Zwei Wochen war das Gelände durch einen Sperrbezirk abgegrenzt, so dass nur die Beteiligten Zutritt zu dem riesigen, ehemaligen Industriegelände hatten.
Auch außerhalb der Filmdrehs sei es verboten, das Gelände zu betreten – doch das halte viele Schaulustigen und Vandalen nicht ab. Sollten diese dann aber auf dem Gelände erwischt werden, würden sie laut Bensch vom Inhaber eine Anzeige erhalten.
Das Gelände sei jedoch zu groß, um die Rund-um-die-Uhr Überwachung, die das Studio Babelsberg bei Produktionen anfordert, dauerhaft zu gewährleisten. "Und dann kommt noch hinzu, dass der Ort auf den ganzen Lost-Place-Internetseiten sehr gefragt ist und dadurch ständig Fototouristen und Abenteurer anlockt."
Inzwischen könne man nach Angaben von Markus Bensch gar nicht mehr so viel kaputtmachen, da alles bereits zerstört worden sei. "Mittlerweile sind die Gebäude durch Vandalismus wirklich ruiniert, was traurig ist", fügt Bensch hinzu. Vor etwa zehn Jahren haben sich dort noch Graffiti-Künstler verewigt, aber mittlerweile sei es nur noch Vandalismus.
Aktuell seien noch keine weiteren Dreharbeiten für die Rüdersdorfer Ruine über das Potsdamer Studio angefragt worden. Für alle Interessierten findet aber am 15. April im Kulturhaus, Raum 206, um 17 Uhr, vom langjährigen Schichtleiter im Werk Detlef Forker, ein kostenloser Vortrag zum Thema "Chemiewerk Rüdersdorf und seine Geschichte" statt.