Lange Zeit war Ruhe auf dem Gelände am Bahnhof 1. Vor wenigen Tagen ist Daniel Tzschentke mit seiner Partnerin als Pächter des Flachbaus eingezogen und schickt sich nun an, wieder Leben in die Bude zu bringen. Als Daniel Coletti ist der Fredersdorfer mit den derzeit grünen Haaren manchem in der Region von Flohmärkten für Kindersachen und Spielzeug in Sporthallen und anderen Aktionen bekannt.
Der 48-Jährige ist nach eigenen Angaben seit 30 Jahren in der Kultur tätig, hat mehrere Jahre im Berliner Tacheles, dem alternativen Kunst- und Kulturhaus in der Oranienburger Straße, gewohnt und gearbeitet und dort seinen „Schliff bekommen“, wie er sagt. Weil es in eigenen Räumlichkeiten in Fredersdorf zu eng geworden sei, habe er sich mit seiner Partnerin – sie fertigt unter anderem Mode, Schmuck und Accessoirs aus Kleidungsstücken und anderem Material, das sonst in den Müll wandern würde – nach einem anderen Standort umgesehen und sei in Altlandsberg fündig geworden.
In der Kulturmanufaktur, die Rainer Ziegeldorf vor etwa zehn Jahren aufgebaut hatte. Teile des Gebäudes hatte er bereits restauriert. Der Komplex war 1899 als Elektrizitätswerk erbaut worden, wurde wenig später Glasur- und Tonwarenfabrik, dann Kolbenfabrik. Bis in die 1960er Jahre endete dort, wo jetzt der Parkplatz ist, die von Hoppegarten kommende Kleinbahn. Seit zuletzt das griechische Restaurant geschlossen hatte, war allerdings nicht mehr viel passiert in dem Komplex.

Der Flachbau soll als Tonstudio und für Workshops genutzt werden

Nun will Tzschentke dem Areal neues Leben einhauchen. Er verstehe sich wie eine „Rezeption“, sagt er. Werkstätten und Ateliers, Ausstellungs- und Bewegungsräume in dem mehrgeschossigen Gebäude sollen über ihn, der sich als „Kulturmanager“ bezeichnet, vergeben werden. Die Inhaberin sagte am Rande, sie sei auch offen für ein neues Restaurant. Die eigenen Räume nutzt der 48-Jährige für sein Tonstudio Fiction Recorder „für ungewöhnliche Musik“ sowie Workshops, seine Partnerin will dort nähen und Upcycling-Kurse geben. Lernen durch Zuschauen sei in Corona-Zeiten ihr Motto, um Abstand zu wahren. Auch Statue Stehen könne man bei ihr lernen, erzählt sie. Die eine oder andere Figur könnte ja dann in der Stadt auftauchen.
Mit seinen Erfahrungen aus Berliner Zeiten will Tzschentke Fördermittel besorgen und den Hof herrichten. Angedacht seien eine Überdachung, Sanitärbereich und eine feste Bühne sowie barrierefreie Zugänge zu allen Gebäuden. Ein neues Bundesprogramm sei da vielversprechend, sagt er. „Es ist genau der richtige Zeitpunkt, den Ort zu beleben“, findet er und fügt gleich seine Pläne an: So wolle er zum Beispiel im Dezember einen Wintermarkt und eine Silvesterparty veranstalten und ab dem Frühjahr Live-Konzerte. Mit „In Extremo“ und Joachim Witt nannte er auch ein paar Namen. Und Campino von den Toten Hosen wolle er für eine Lesung gewinnen.
Mit Stadt und Schlossgut setzt er auf gute Kontakte, sieht die Manufaktur als Ergänzung des kulturellen Angebots in Altlandsberg. Dadurch könne die Stadt für Auswärtige noch interessanter werden, so seine Sicht.
Interesse zeigte sich schon am Sonnabend, denn eine ganze Reihe von Gästen schaute sich auf dem Gelände beim Kunst- und Trödelmarkt um. Manche Stippvisite war indes schnell beendet: „Wir hatten mehr erwartet“, sagte ein Paar aus Hoppegarten, das nach eigener Aussage gern nach Altlandsberg kommt und eigentlich zum Markt auf dem Schlossgut wollte. Der war aber erst einen Tag später.
Tzschentke will seine Bereiche ab sofort werktags von 11 bis 19 Uhr öffnen.