Gewässer
: Strausberger Ausschuss arbeitet an Straussee-Rettung

Die vom Ausschuss für Klima und Umwelt eingesetzte Straussee-Taskforce hat erste Zwischenergebnisse präsentiert.
Von
Martin Stralau
Strausberg
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Pegel Trocken gefallen: Ein trauriges Bild gibt der Pegel an der Straussee-Fähre ab. Hier sind es nicht mal mehr 30 Zentimeter.

Martin Stralau/MOZ

Bypass-Lösung abgelehnt

Fast eine Stunde lang wurde am Dienstag im Klimaausschuss über erste Zwischenergebnisse gesprochen, die Heinz-Dieter Gransee, Fachbereichsleiter Technische Dienste, vortrug. Vom Tisch ist demnach die im Gutachten genannte Bypass-Lösung. Sie sieht vor, aus dem tiefer gelegenen Fänger- und Bötzsee Oberflächenwasser per Druckleitung in den Straussee abzuführen. Die von Frank Weber, Vorsitzender der Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussees, geleitete erste Arbeitsgruppe kam nach Bedenken der Genehmigungsbehörde, dem Landesamt für Umwelt, und Gesprächen mit dem Nabu Petershagen-Eggersdorf zu der Erkenntnis, dass damit zwar das Problem des Straussees gelöst, aber ein Neues geschaffen würde. Das Oberflächenwasser beider Seen werde dringend für die Einspeisung in das Mühlenfließ und angrenzender Biotope gebraucht. Mit dem Nabu-Vorsitzenden Andreas Hinz war sich die AG einig, dass Strausberg beim Bemühen um die Erhaltung des Straussees mehr Unterstützung aus den anderen Gemeinden des Wasserverbandes Strausberg-Erkner bekommen müsste, wenn es auf die Bypass-Lösung verzichte.

Wasserzufuhr Tagebau Rüdersdorf

Als „realistischen Ansatz“ sieht die Gruppe eine Wasserzuführung aus dem für den Tagebau Rüdersdorf verwendeten Grundwasser. Für den Kalkabbau würden im Abströmungsgebiet des Grundwasserleiters, der auch am Straussee vorbeiführt, jährlich zwölf Millionen Kubikmeter Grundwasser in den nahe gelegenen Kriensee gepumpt. Um das Straussee-Defizit auszugleichen, bräuchte es jährlich 600 000 Kubikmeter, also nur fünf Prozent dieser Menge. Die Gruppe schlägt daher vor, dass die Gutachter-Firma Ecosax nachsitzt und diese Möglichkeit prüft. Im vorliegenden Papier sei das "leider“ nicht untersucht worden.

Abwasser aus Klärwerk Münchehofe

Zentrales Thema der zweiten Arbeitsgruppe war die Fragestellung, ob gereinigtes Abwasser aus dem Klärwerk Münchehofe, das gänzlich nach Berlin abfließt, zur Stützung des Wasserhaushalts in das Einzugsgebiet des Straussees zurückgeführt werden könnte. Technisch sei das machbar, wie Klärwerk-Chef Maik Muß der Arbeitsgruppe um Angela Friesse versicherte. Die Rückführung könne nach der vierten möglicherweise auch nach der fünften Reinigungsstufe per Hochdruckleitung in das Entnahmegebiet erfolgen. Reinigungsstufe vier solle bis 2022 umgesetzt werden. Die fünfte Stufe, die vor allem Spurenelemente wie Medikamente und Weichmacher aus dem Wasser filtern soll, sei aber in Münchehofe aufgrund finanzieller Zwänge noch nicht geplant.

Dass es praktikabel ist, gereinigtes Abwasser zur Grundwasserneubildung zu nutzen, zeige das Klärwerk Schönerlinde in der Hauptstadt. „Es lässt Abwasser der Reinigungsstufe vier in den Berliner Forsten versickern“, heißt es im Fazit der Gruppe. Bürgermeisterin Elke Stadeler habe diesen Vorschlag aufgegriffen und das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz um Stellungnahme dazu gebeten, sagte Gransee. „Bislang gibt es dazu keine Antwort.“

Renaturierung der Kleinen Babe

Aus Gruppe drei unter Leitung von Jenny Stiebitz kam unter anderem der Vorschlag, eine Renaturierung der Kleinen Babe zu prüfen, um damit einen weiteren Zufluss zum Straussee zu schaffen. Bei ihren Recherchen war der Gruppe aufgefallen, dass der Zufluss im Gutachten wohl mit dem kleinen Quellbach in der Nähe verwechselt wurde. Die Gutachter hätten der Kleinen Babe einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Straussee-Pegel bescheinigt. Die Babe liege aber seit mehr als zehn Jahren trocken. Eine Renaturierung könne sich also lohnen.

Gransee, der die Gruppe vier leitet und die Taskforce koordiniert, dankte allen Mitgliedern für ihr bisheriges Engagement. Die Verwaltung alleine wäre mit diesem Thema überfordert.