Häusliche Gewalt in MOL
: Immer mehr Straftaten - wer Betroffenen im Landkreis hilft

Häusliche Gewalt nimmt in Märkisch-Oderland weiter zu. Eine neue Kampagne der Polizei soll Betroffene ermutigen, Hilfe zu suchen. Experten warnen vor einer hohen Dunkelziffer.
Von
Dennis Lloyd Brätsch
Strausberg
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Opferschutzbeauftrage Manuela Wieder und die Revierleiterin aus Seelow, Beatrice Ortmann, zusammen mit Bernhard Grabietz und Antonia Pohl vom Weißen Ring. (v.l.n.r.)

Opferschutzbeauftrage Manuela Wieder und die Revierleiterin aus Seelow, Beatrice Ortmann, zusammen mit Bernhard Grabietz und Antonia Pohl vom Weißen Ring. (v.l.n.r.)

Dennis Lloyd Brätsch
  • Häusliche Gewalt in Brandenburg steigt: 6.790 Fälle wurden 2024 angezeigt, ein Anstieg um 7,4 %.
  • Polizei startet Kampagne „Worte statt Wunden“, um Betroffene zu ermutigen, Hilfe zu suchen.
  • Dunkelziffer bei Partnerschaftsgewalt hoch – Anzeigenquote oft unter 5 %.
  • Betroffene schilderten bei einer Lesung in Strausberg eigene Erfahrungen und Hürden.
  • Ziel der Kampagne: Sensibilisierung durch Veranstaltungen und Lesungen an öffentlichen Orten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 6.790 Fälle von häuslicher Gewalt wurden im Jahr 2024 der Polizei in Brandenburg angezeigt – so viele wie seit fünf Jahren nicht mehr. Das bedeutet ein Anstieg um 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wie überall in Deutschland zeigt sich auch im Land Brandenburg ein langfristiger Aufwärtstrend. Bundesweit liegt die Zahl der erfassten Taten 265.942.

Rund 70 Prozent der Betroffenen sind Frauen, etwa 30 Prozent Männer. Gleichzeitig weist das Bundeskriminalamt darauf hin, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt: Bei Partnerschaftsgewalt liege die Anzeigenquote oft bei unter fünf Prozent.

Die Polizei Brandenburg rückt das Thema häusliche Gewalt jetzt mit einer landesweiten Kampagne in den Mittelpunkt. Unter dem Titel „Worte statt Wunden – Gemeinsam gegen häusliche Gewalt“ sollen Betroffene ermutigt werden, über ihre Erfahrungen zu sprechen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch in Strausberg informierten am Dienstagabend (25. November) die Opferschutzbeauftragte der Polizeiinspektion Märkisch-Oderland, Manuela Wieder, sowie Vertreter des Weißen Rings über Warnsignale, Unterstützungsangebote und die dramatische Entwicklung der Fallzahlen.

Polizei täglich mit häuslicher Gewalt konfrontiert

„Im polizeilichen Alltag sind wir täglich mit Fällen häuslicher Gewalt konfrontiert“, sagte Manuela Wieder, die seit mehr als 25 Jahren im Oderland arbeitet. Häusliche Gewalt sei ein Tabuthema – vor allem in Paarbeziehungen. „Niemand ist allein. Niemand muss sich allein Lösungen suchen“, betonte sie bei der Veranstaltung.

Auch Bernhard Grabietz vom Weißen Ring schilderte, wie groß das Problem in Märkisch-Oderland ist: „Mehr als die Hälfte aller Fälle, die wir begleiten, betreffen häusliche Gewalt.“ Deshalb sei Aufklärung entscheidend – nicht nur für Betroffene, sondern auch für Angehörige, Nachbarn und Fachkräfte.

Vorlesung in Strausberg musste abgebrochen werden

In Strausberg wurde im Rahmen der Kampagne eine Kurzgeschichte aus dem Buch „Gesichter der Gewalt“ vorgelesen. Sie schildert das Erleben einer Frau, die von ihrem Partner geschlagen wird – und sich für die Gewalt auch noch selbst verantwortlich macht. Ein typisches Muster, wie Fachleute erklären: Täter schieben die Schuld auf das Opfer, verharmlosen ihre Taten und festigen so die Abhängigkeit.

Eigentlich sollte in Strausberg auch eine Geschichte über einen männlichen Betroffenen vorgetragen werden, denn auch Männer sind Opfer – wenngleich seltener. Doch schon nach der ersten Lesung entwickelte sich eine intensive Diskussion. Frauen berichteten offen über eigene Erfahrungen, äußerten Kritik an Strukturen und beschrieben Hürden auf dem Weg zu Hilfe.

Ziel der Kampagne: Hinschauen, Zuhören, Handeln

Lösungen wurden an diesem Abend nicht gefunden – aber das war auch nicht Ziel der Veranstaltung. Vielmehr nutzten Vertreterinnen und Vertreter von Polizei, Weißem Ring, Frauenschutzhaus und sozialen Diensten die Gelegenheit, um sich enger zu vernetzen. Denn nur wenn alle Akteure ineinandergreifen, können Betroffene wirksamer geschützt werden, hieß es. Hauptziel der Kampagne ist es, Menschen zum Thema häusliche Gewalt zu sensibilisieren.

Die Kampagne läuft landesweit: Neben dezentralen Veranstaltungen in Schulen, Seniorentreffs oder Gemeindehäusern organisiert das Polizeipräsidium auch zentrale Lesungen an öffentlichen Orten wie dem Stern-Center Potsdam oder der Stadt- und Landesbibliothek. Selbst im Landtag und in der Staatskanzlei wird vorgetragen – auch um politische Entscheidungsträger stärker zu sensibilisieren. Die Botschaft der Kampagne ist klar: Hinschauen. Zuhören. Handeln. Denn häusliche Gewalt findet meist im Verborgenen statt – und endet oft erst dann, wenn es zu spät ist.

Waren oder sind Sie Opfer häuslicher Gewalt? Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ bietet an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr unter der Nummer 116 016 oder per Onlineberatung vertraulich und kostenfrei Hilfe und Unterstützung in Deutsch und 18 anderen Sprachen. Bei akuter Bedrohung wird geraten, unverzüglich die Polizei anzurufen (110).