Handball: MTV spielt wie ausgewechselt

Großartig gehalten: Torhüter Philipp Pohl pariert einen Siebenmeter gegen den Stralsunder Kay Landwehrs.
Edgar NemschokWas für ein Handballspiel! Mit 30:28 haben die Altlandsberger Handball–Männer den Stralsunder HV geschlagen und zu Recht nach dem Spiel stehende Ovationen von ihrem Publikum empfangen. Es gab in der Erlengrund–Halle nahezu 60 Minuten lang Spitzenhandball zu sehen.
Die Männer des MTV Altlandsberg haben das geschafft, was bisher noch keiner Mannschaft in der Oberliga Ostsee–Spree gelungen ist. Sie haben den Stralsunder HV geschlagen, und man muss sich wirklich fragen, warum haben die Handballer um ihren Trainer Tilo Leibrich nicht die ganze Saison so gespielt?
Schon unter der Woche schwor man sich auf das Spitzenspiel ein. Leibrich verdeutlichte seinen Spielern, wie man die Stralsunder schlagen kann. Er bereitete die Mannschaft akribisch vor und stellte sie auf die Stärken der Stralsunder ein.
Das Spiel begann mit hohem Tempo. Die Gastgeber liefen, als gehe es an diesem Abend um die Meisterschaft. Sie ließen ihren Gegner kaum zur Ruhe kommen. Die Altlandsberger konnten nach einem anfänglichen 1:2–Rückstand beim 3:2 die Führung übernehmen. Kapitän Dominic Witkowski und Spielmacher Christian Untermann stellten sich immer besser auf das sehr körperbetonte Spiel der Norddeutschen ein. Mit variantenreichem Spiel versuchten sie den dichten Abwehrriegel am Kreis der Stralsunder zu knacken. Die Stralsunder waren sichtlich beeindruckt und konnten lediglich zum 3:3 ausgleichen. Danach lag der MTV stets in Front, teilweise mit vier Toren Vorsprung (13:9, 15:11, 17:13). Zur Halbzeit konnten die Stralsunder jedoch verkürzen und sorgten durch ein Tor von Benjamin Hinz für den 17:15–Halbzeitstand.
Die Männer des MTV merkten spätestens nach dieser ersten Halbzeit: „Hier ist heute alles möglich“ und genau so starteten sie auch in den zweiten Durchgang. Es folgte die stärkste Phase des MTV. Hinten nagelte der unfassbar stark aufgelegte Philipp Pohl seinen Kasten zu, hielt unter anderem fünf Siebenmeter und vorne wurde über das Tempospiel eiskalt durch Ridha Trabelsi oder Marco Leupert veredelt, so dass es nach 36 Minuten 22:17 für den MTV stand. Doch Stralsund hat eben auch eine klasse Mannschaft und nach deren bester Phase im Spiel gab es den 27:27–Zwischenstand in der 58. Minute.
In der heißen Schlussphase konnte Marco Leupert mit einem verwandelten Siebenmeter seine Mannschaft wieder mit 29:28 in Führung bringen. Es war noch knapp eine Minute zu spielen und die Stralsunder hatten den Ball. MTV–Torhüter Philipp Pohl entschärfte mit einem tollen Reflex den Wurf von Stralsunds Linksaußen Benjamin Hinz.
Tilo Leibrich nahm eine Auszeit bei noch 38 Sekunden Restspielzeit. Man besprach sich, schwor sich nochmals ein und selbst die nun aggressive Manndeckung der Stralsunder hielt den Gastgeber nicht mehr davon ab, auch den letzten Angriff sauber auszuspielen. Und so konnte Phillip Gohl den Schlusspunkt zum 30:28 setzen.
MTV–Urgestein André Witkowski fasste nach dem Spiel passend zusammen: „Es ist eine schwierige Saison, aber heute konnte man endlich sehen, welches Potenzial in euch steckt.“ Die Mannschaft zeigt in den letzten Wochen, wenn auch deutlich zu spät, was vielleicht drin gewesen wäre, wenn alle Räder bereits frühzeitig ineinander gegriffen hätten. Doch ein Ziel haben sie nun noch fest vor Augen: den dritten Tabellenplatz. Durch die Niederlage des HV Grün–Weiß Werder beträgt der Rückstand auf den Bronzerang nur noch einen Punkt.
Bereits am Sonnabend kann der MTV in der heimischen Erlengrund–Halle einen weiteren Schritt in Richtung Minimalziel machen. Es ist Derbyzeit, denn der Grünheider SV wird zu Gast sein. Die Partie beginnt um 19 Uhr.