Großes Interesse hat am Donnerstagabend die angekündigte Präsentation der Pläne der Stienitzsee Real Estate (SRE) GmbH für ihre Flächen am Stienitzsee gefunden. Rund 50 Bürger verfolgten die Ortsbeiratssitzung in der Schulaula, so viel wie noch nie, wie Ortsvorsteherin Monika Döppner-Smyczek bekannte. SRE-Chef Henrik Sundström habe ihr Anfang der Woche mitgeteilt, dass er nicht selbst kommen könne, weil er aus einem Corona-Risikogebiet derzeit nicht herauskomme, berichtete sie eingangs. Manche Zuhörer vermuteten eher, dass der Schwede kritischen Fragen aus dem Weg gehen wollte. Denn ein Teil des Publikums sieht sich durch Aktivitäten der SRE betroffen, hat Pachtverträge gekündigt bekommen oder Befürchtungen in diese Richtung.
Für Sundström sprangen dessen Landsmann Olov Boback, früher Geschäftsführer im Bauunternehmen NCC (später Wohnprojektentwickler Bonava Fürstenwalde) und jetzt im Ruhestand, sowie die freie Architektin Grit Schulze ein. Sie seien seit Jahresbeginn bei der SRE und sollten „Tempo reinbringen“, erklärten sie. Nachdem lange nichts passiert sei, gebe es inzwischen erste Baumaßnahmen im ersten von drei bestätigten Bebauungsplangebieten.

Eine Laufstrecke soll „Gärten“ mit Zugang zum See verbinden

So läuft im Bereich Alte Ziegelei/Tonloch zwischen Berliner Straße und See die Erschließung. Alle Medien seien verlegt, der Straßenbau sei angelaufen. Für den Höhenausgleich zur Berliner Straße sei ein Damm aufgeschüttet worden. Beidseitig der Straßen würden Häuser entstehen, neben der fünf Meter breiten Fahrbahn eine 1,20 Meter breite „Laufstrecke“ mit weicherem Belag angelegt. Die verbinde auch die frei zugänglichen „Gärten“, von denen es in dem Gebiet drei und insgesamt zwischen Marstall und Zentrum zehn geben solle, verkündete die Planerin. Die Gärten würden Blick auf den und Zugang zum See bieten, sollen zum Teil mit Trimmgeräten, Aufenthaltsbereichen mit Bänken und Skulpturen unterschiedlichster Art ausgestattet werden. Kunst wolle Sundström selbst stiften, zum Unterhalt der Gärten würden die Eigentümer der Grundstücke im jeweiligen Gebiet vertraglich verpflichtet, versprach sie. Ab Frühjahr 2021 könnten am Tonloch die ersten Häuser entstehen, noch im gleichen Jahr die ersten Einwohner einziehen, so die Schätzung. Insgesamt gibt es in dem Bereich sieben Baufenster. Das Rüdersdorfer Rathaus hatte im Mai von etwa 130 bebaubaren Grundstücken gesprochen. Näher an der Straße sind demnach auch höhere Gebäude möglich.
Auf der anderen Straßenseite hat die SRE ebenfalls Flächen mit bestätigten Bebauungsplänen. Für die dortigen Gebiete Villa Thyssen und Gartensiedlung ging das Bauamt von ca. 60 bzw. 20 Parzellen aus, Boback sprach für die Gartensiedlung nun von etwa 40 Einfamilienhäusern. Derzeit laufe die Erschließungsplanung, Anfang 2021 sollen die Arbeiten beginnen, Mitte des Jahres der Hochbau. Etwas zeitversetzt folge dann das Areal Villa Thyssen, wo Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser geplant seien. Man wolle versuchen, auch für junge Familien „vernünftige Produkte“ anzubieten, versicherte Boback. Auf jeden Fall gebe es viele Anfragen, seien durch die nahe Tesla-Ansiedlung „viele Knoten gelöst“ worden, ergänzte die Architektin. 2022 solle am südwestlichen Ortsrand alles fertig sein, so der Zeitplan.

Segler sollen Domizil an Kalksandsteinbrücke bekommen

Dann will sich die SRE der Entwicklung weiterer Gebiete in ihrem Besitz widmen. Grit Schulze benannte unter anderem die Bereiche Turbinenhalle/Kalksandsteinbrücke, Rüdersdorfer Sprudel sowie Fischerweg/Lindenweg. Derzeit sei man „noch ganz am Anfang“. Insgesamt stelle man sich 400 bis 500 neue Wohnungen am See vor, nannte Boback schon einmal Zahlen. An der Kalksandsteinbrücke könnten auch die Segler unterkommen, hieß es, denn das Areal ist laut Flächennutzungsplan für Wassersport und Wohnen vorgesehen. Die Angler sehe man eher in Zentrumsnähe, so die Planerin, ohne konkreter zu werden. Man wolle „sehen, wo es passt“, sagte Boback, nachdem es von Zuhörern in einer Fragerunde harsche Kritik gegeben hatte. Bislang sei nur „weggenommen“ und kein Ersatz angeboten worden, habe nur Verdrängung stattgefunden, wurde aus dem Publikum moniert. Die SRE-Vertreter ihrerseits sahen auch Vorteile für den Ort durch ihre Projekte: Die Telekom habe ihnen angekündigt, Glasfaserkabel zu legen, wenn die ersten Häuser stehen, und auch die Sanierung der Berliner Straße sei in Aussicht gestellt, so Grit Schulze. Für 2022. Nicht zuletzt wolle man mit dem Naturschutzbund Wald- und Wiesenflächen schützen. Und Uferbereiche. Deshalb solle der Rundweg um den See abschnittsweise stegartig übers Wasser führen.

Rathaus sieht eine Lösung für den Fischer in Aussicht

Thomas Lilienthal aus dem Bauamt bekannte, er sehe manches kritisch. Man müsse mehrere Interessen unter einen Hut bringen. Zunächst sollte ein Rahmenplan entwickelt und auch über nötige Infrastruktur und Folgebebauung gesprochen werden. Für den Fischer, der mit der SRE im Clinch liegt, nach eigenen Angaben derzeit nicht zu seinem Domizil kommt und den Strom abgestellt bekam, könnte es mit Unterstützung der Kommune eine Lösung geben, deutete Lilienthal an. Noch sei aber nicht alles geklärt.
Von Gemeindeseite wurde zudem versichert, dass das Strandbad von SRE-Plänen nicht betroffen und der neue Pachtvertrag für die jetzigen Betreiber in Arbeit sei. Man wolle die SRE weiter begleiten und weitere Präsentationen anbieten, kündigte die Ortsvorsteherin an. Lilienthal warb bei den Bürgern dafür, ab dem Winter an der Überarbeitung des Entwicklungskonzepts der Gemeinde mitzuarbeiten. Darin werde der Bedarf für Wohnen, Gewerbe, Infrastruktur und vieles mehr geklärt.