Initiative: Blaue Leibchen für Erhalt des Sees
Sie tragen blaue Leibchen und haben eine Demonstration zur nächsten Verbandsversammlung des Wasserverbandes Strausberg–Erkner angemeldet: Die „Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussees“ will ernst genommen werden.
Eine Demonstration vom Lustgarten durch die Walkmühlenstraße zum Wasserverband Strausberg–Erkner hat der Vorstand des Vereins „Bürgerinitiative für die Erhaltung des Straussees“ für den 20. März, 17 Uhr, bei der Polizei angemeldet. Um 18 Uhr beginnt an diesem Tag die Verbandsversammlung des Zweckverbandes. Jetzt schon ist absehbar, dass das Platzangebot im großen Versammlungssaal begrenzt ist. Der Vereinsvorstand hofft, dass zumindest ein Teil des Vereins Zutritt erhält, und verspricht den ersten 50 Teilnehmern, die zur Demo erscheinen, eine blaue Weste.
Eigentlich sind es keine Westen, sondern dünne Sportleibchen, die bei Trainingsspielen eines Fußballvereins von einem Mannschaftsteil zur Unterscheidung übergestreift werden. Und Frank Weber und Kerstin Behlau vom Vereinsvorstand legen auch Wert darauf, dass sie nicht die Gelbwestenbewegung in Frankreich kopieren wollen: „Wir gehen konstruktiv an ein konkretes Problem heran“, sagt der Vorsitzende Frank Weber. "Wir wollen nicht radikalisieren, aber wir wollen ernst genommen werden“, sagt Kerstin Behlau.
Wenn sich heute Abend Ministerpräsident Dietmar Woidke und Bürgermeisterin Elke Stadeler den Fragen der Strausberger im Bürgerdialog stellen (19 Uhr, Stic, TP-6, Garzauer Chaussee 1a), will der Vorstand der Bürgerinitiative eine Petition übergeben. „Wir wollen den Ministerpräsidenten bitten, die Schirmherrschaft über die Erhaltung des Straussees zu übernehmen, und würden ihn dafür zum Ehrenmitglied unseres Vereins ernennen“, stellt Frank Weber in Aussicht.
Zur Erarbeitung der Studie über die Ursachen des Sinkens des Wasserspiegels will der Verein aktiv beitragen. Er habe in seinen Reihen bereits einiges Fachwissen versammelt. „Wir müssen für die Erarbeitung der Studie eineinhalb Jahre veranschlagen, in der Zeit könnte der See weiter an Wasser verlieren. Also wollen wir mithelfen, die Datenbasis für die Untersuchungen so breit wie möglich zu gestalten. Dazu muss auch der Wasserverband Strausberg–Erkner beitragen. Darum machen wir politischen Druck“, erläutert Frank Weber. Die Bürgerinitiative will gar nicht nachweisen, dass die Förderung des Wasserwerks Spitzmühle dem Straussee das Wasser nimmt. „Aber der zeitliche Zusammenhang zwischen seiner Inbetriebnahme und des seit vier Jahren Besorgnis erregend sinkenden Pegels ist nicht von der Hand zu weisen“, sagt Kerstin Behlau. Sie sehe die Beweislast auf Seiten des Zweckverbandes: Er müsse nachweisen, dass seine Förderung dem Straussee nicht schade. Und Frank Weber verweist auf eine EU-Richtlinie, nach der die Trinkwasserförderung den Zuwachs des Grundwasserleiters nicht überschreiten dürfe.
Die Bürgerinitiative agiere strikt parteienübergreifend und unabhängig, betont Kerstin Behlau. Es bestehe nicht die Absicht, zu Kommunalwahlen zu kandidieren. Der Verein will alle Strausberger mobilisieren, denen der Straussee am Herzen liegt. Bei der Demo könnten sie mit den Füßen abstimmen, wie es auf einem Flugblatt steht, das dieser Tage verteilt wird. Inzwischen hat der Verein seine Mitgliederzahl verdreifacht. Gute Zeiten für die Produzenten blauer Sportleibchen.

