Das war ungewöhnlich: Direkt in der Sortierhalle, gleich neben riesigen Kleidersäcken, fand der Workshop statt, für den Humana Gastgeber und das Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge sowie bea-Brandenburg, Betriebliche Begleitagentur, Hauptakteure waren.
Im Mittelpunkt stand die Integration von Migranten. Sowohl das Netzwerk als auch die bea stehen Unternehmen zur Seite, diese Herausforderung zu meistern. Das Netzwerk, im März 2016 vom Bundeswirtschaftsministerium gegründet, hat, berichtete Sarah Kehne, 2000 Mitgliedsunternehmen, davon 33 in dieser Region. "Unser Angebot ist eine Art Dreiklang. Wir bereiten Informationen, etwa über Gesetzesfragen, so auf, dass sie zusammengefasst dem Unternehmer rasch Antworten auf seine Fragen liefern. Zudem bringen wir Unternehmen zusammen, so dass sie ihre Erfahrungen austauschen können. Der dritte Teil betrifft das Sichtbarmachen des Engagements", erzählte Sarah Kehne. Die Mitgliedschaft im Netzwerk ist kostenlos, genauso wie bei der bea, einem geförderten Projekt des Landes-wirtschaftsministeriums.
"Der Unterschied zum Netzwerk ist, dass die bea direkt in die Unternehmen geht – 75 Prozent sind KMU, also kleine oder mittlere Unternehmen – und dort berät", sagte Ilken Neisener. Bei Matching-Veranstaltungen bringt bea Unternehmer und den Arbeitgeberservice zusammen
Größte Herausforderung, hieß es immer wieder, ist und bleibt die Sprachbarriere. Damit einhergehend für Deutsche so selbstverständliche Dinge wie Arbeitsschutz. "Es ist wichtig, dass es im Unternehmen einen Mentor, einen Kümmerer gibt, der den neuen Kollegen aus dem Ausland betreut", gab Ilken Neisener den Vertretern von 51 Unternehmen, die sich zum Workshop angemeldet hatten, auf den Weg. Das Sensibilisieren der Belegschaft, stellt sich bei der Diskussion heraus, ist unterschiedlich. Bei Humana, erzählte Julia Breidenstein, waren die Kollegen geradezu verdattert, dass es extra für Fahim Ayobi einen Mentor geben soll. "Bei uns fühlen sich alle verantwortlich", fasst sie zusammen. Ayobi absolvierte eine Einstiegsqualifizierung und ist jetzt im zweiten Lehrjahr Fachkraft Kreislauf, erzählte er aufgeregt. Auf die Frage, wie er klarkäme, sagte der junge Mann: "Die Menschen hier alle sind nett, ja lieb."
Die Einstiegsqualifizierung, die mindestens sechs bis maximal zwölf Monate dauert, sei, so Michael Völker von der IHK, die beste Möglichkeit für Unternehmen, Migranten an die Ausbildung heranzuführen. Jean-Carl Demant, Geschäftsführer der Firma Nudel & Co, aus Dallgow-Döberitz, hatte seinen Azubi Ekun aus Kamerun mitgebracht. "Das Warten auf die Entscheidung, ob Ekun bleiben darf oder nicht, ist ein schrecklicher Alptraum", schilderte er. "Mein Vater hat die Flucht aus Ostpreußen nach dem Tod seiner Mutter auf dem Treck nur überlebt, weil ihm andere Menschen als Flüchtlingskind geholfen haben. Das ist mir Verpflichtung, Ekun zu helfen", sagte er. Integrationslehrer Wilfred Josue, der von den Philippinen stammt und in Eberswalde 38 Männern und Frauen Deutsch beibringt, sucht Kontakt zu Eberswaldern, die seinen Schützlingen Alltagsdeutsch beibringen, sie so integrieren.
"Ich würde mich sehr freuen, wenn Eberswalder eine Willkommensinitiative gründen", sagte er. Umgekehrt bot er an, das Thema Arbeitsschutz in seinem Unterricht zu integrieren. Stefan Pietschmann, der im Programm assisitierte Ausbildung Jugendliche begleitet und sich um große und kleine Sorgen kümmert, sucht Brückenbauer zwischen seinen motivierten Schützlingen und Unternehmen, die Migranten beschäftigen wollen.
Kontakt zum Netzwerk: Tel. 030 203086550, bea: 0331 740032-0