Kindernachsorgeklinik in Strausberg: Die Entscheidung reift heran
Nach seinen Angaben gibt es in der nächsten Woche einen Termin des noch verbliebenen Interessenten bei der Deutschen Rentenversicherung. Die habe „das letzte Wort“, formulierte Fritz. Danach werde klar sein, ob der mögliche Träger mit den Kosten klarkomme. Zudem werde dann ersichtlich sein, ob es bei dem Konzept der familienorientierten Rehabilitation bleibe, was nach wie vor Priorität habe, oder ob es in eine andere Richtung gehen sollte. Fritz würdigte in dem Zusammenhang die Bemühungen des Bernauer Bürgermeisters André Stahl und des Landtagsabgeordneten Peter Vida, die vor wenigen Tagen in Potsdam Gespräche geführt hatten, um diese besondere Art der Rehabilitation im Osten Deutschlands wiederzubeleben, nachdem die bislang in der Bernauer Waldsiedlung ansässige Klinik den Betrieb eingestellt hatte. Für die gGmbH läuft inzwischen das Insolvenzverfahren.
Von dem in der Region ansässigen namhaften und in mehreren Bundesländern engagierten Interessenten wurde der MOZ bestätigt, dass man mit Fritz im Gespräch und auch auf der Baustelle in Strausberg gewesen sei. Aufgrund der „komplexen Entscheidungswege“ wollte man aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine endgültigen Aussagen treffe. Für Ende März wurden weitergehende Informationen angekündigt. Für manche Bürger ist indes die Unterscheidung zwischen dem Aus für das bisherige Unternehmen in der Waldsiedlung und dem Neubauprojekt schwierig. Das hat in dieser Woche zu einer Polizeikontrolle auf der Baustelle geführt. Von einer Wandergruppe war das Ordnungsamt der Stadtverwaltung informiert worden, weil man nach dem Insolvenzantrag der gGmbH einen Baustopp vermutet und Personen auf der Baustelle beobachtet hatte. Die hielt man folglich für Diebe. Die vom Rathaus verständigten Polizeibeamten trafen aber nur die Bauarbeiter an.
Unterdessen hatte die Deutsche Kinderkrebsnachsorge — Stiftung für das chronisch kranke Kind aus Tannheim (Baden–Württemberg), die die Klinik in Bernau und bis Oktober 2019 das Projekt in Strausberg unterstützt hatte, in dieser Woche zum "abschließenden Pressegespräch“ eingeladen. Nach fast 30 Jahren Engagement im Osten Deutschlands, mit dem Ziel, die familienorientierte Rehabilitation zu sichern und die notwendigen Behandlungsplätze zu schaffen, ziehe man sich endgültig zurück, weil kein kooperatives Miteinander gelungen sei, so Vorstand Roland Wehrle.
Bedarf für Einrichtung ist da
Wie er mitteilte, habe die Stiftung die gesammelten Gelder aus der Region treuhänderisch der Stadt Strausberg übergeben, damit diese zweckentsprechend für die Behandlung krebs– und herzkranker Kinder eingesetzt werden könnten. Nach seinen Angaben seien 308.000 Euro eingenommen worden, und abzüglich eigener Ausgaben verblieben 173.000 Euro, die überwiesen würden.
Darüber hinaus gelte es, allen Dank zu sagen, die die Arbeit unterstützt haben, sowohl einzelnen Bürgern wie auch vielen Institutionen. Er rief alle dazu auf, das Neubauprojekt in Strausberg „kritisch zu begleiten und wohlwollend zu unterstützen“, denn es gehe schließlich um die Patienten. In Tannheim, dem Standort einer der vier verbliebenen derartigen Einrichtungen, die allesamt im Altbundesgebiet liegen, gebe es Wartefristen von acht bis zwölf Monaten, der Bedarf sei also da. „Es würde uns freuen, wenn die Klinik mit dem angedachten Konzept zum Laufen kommt“, schloss er.

