Kultur: Eisenbahnpolka bringt Frische in Walzerflut

Neujahrskonzert im Bürgerhaus: Der Tenor Naoyuki Okada, hier flott als Zigeunerbaron, steht neben dem Dirigenten des Abends, Takao Ukigaya. Viel Beifall gab es im ausverkauften Saal für das Brandenburgische Staatsorchester.
Reinhard PfeifferDas Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt unter der Leitung von Takao Ukigaya entbot dem Publikum einen Neujahrsgruß mit Werken der Strauß-Dynastie, eröffnete aber mit Jacques Offenbach mit dem bekannten Cancan aus Orpheus in der Unterwelt. Ja, durchaus flott gespielt. Doch als der Dirigent sich zum Publikum wandte und es zum Mitklatschen aufforderte, brach ein wenig Stimmung wie beim Kessel Buntes herein, verwirrte aber empfindsame Genusshörer.
Von Paris aus ging es nun ohne Umschweife nach Wien und der gesamte Strauß-Clan kam zum Zuge. Die Stücke, gut ausgesucht, pendelten zwischen Walzer und Polka. Es war, als flösse die Donau sacht dahin, um im nächsten Augenblick zu explodieren.
Nun betrat ein Tenor die Bühne. Walzer mit Gesang? Nein, Johann Strauß (Sohn) und sein Zigeunerbaron waren an der Reihe. Der japanische Tenor Naoyuki Okada sang eine Partie aus dem genannten Werk, wobei er anmutig ein Tüchlein schwang, aber dem großen Klangkörper des Orchesters etwas ausgeliefert war.
Das versuchte er bei einem weiteren Stück auszugleichen, in dem er wie ein Wolf heulte. Aber damit verschaffte er sich immerhin Gehör! Überhaupt wirkte das Orchester etwas übersteuert, in den Geigen etwas zu schrill, aber originell.
Ukigaya gefiel sich überhaupt in Originalität. So ließ er bei einer Eisenbahnpolka tatsächlich eine Tröte spielen und das Quietschen der Räder bei der Einfahrt des Zuges imitieren. Das brachte etwas Frische in die Walzerflut, schien aber das Publikum zu irritieren, der Applaus fiel an dieser Stelle etwas mager aus. Alles in allem ein erfrischendes Konzert. Es bleibt so die Vorfreude auf das nächste Jahr!(rpf)