Landhof: Der alte Thaer als Bindeglied
Der wird, bis er so richtig spürbar wird, zwar noch ein wenig dauern, da zunächst umfangreiche Sanierungsarbeiten anstehen. Aber gewissermaßen schon so etwas wie ein Startsignal soll es diesen Monat geben: Am 30. Juni wird zu Theater geladen. Veranstalter ist der Verein "Kulturhof Müncheberg“. Um 18 Uhr wird auf dem Landhof dann die Inszenierung „Philippine und die Kuherei“ gezeigt. Es ist ein Stück um Philippine von Willich. Und damit auch etwas um ihren berühmten Mann: Den Landwirtschaftsreformer Albrecht Daniel Thaer.
Schon in Möglin vorbeigeschaut
Thaer ist so etwas wie das Bindeglied. Zwischen Celle, seinem Geburtsort und der Heimat von Familie Blume, den Landhof-Eigentümern, auf der einen Seite. Sowie der hiesigen Region, wo Thaer auf seinem Mustergut in Möglin seinerzeit eine Landwirtschaftsakademie errichtete, viele seiner bahnbrechenden Erkenntnisse sammelte und praktisch erprobte. Gerade hat Hubertus Blume in der Thaer-Gedenkstätte vorbeigeschaut, sich mit deren „Hüterin“ Heike Gräfe unterhalten. Vor der Eingangstür zu dem modernen Mögliner Gebäude steht auch Philippine. Der Hoppegartener Peter Oelker hatte der Frau, die ein Leben zwischen Kuhstall und Staatskabinett führte, bei einem der Holzskulpturenworkshops ein Denkmal gesetzt.
Hubertus Blume hat ein Faible für Thaer. Das muss man wohl als echter Celler, wenn man ihm dort sozusagen auf Schritt und Tritt begegnet. „Ich laufe daheim fast täglich an seinem Geburtshaus vorbei“, erzählte er beim jüngsten Müncheberg-Aufenthalt über Pfingsten. „Und dann ist da noch das sogenannte Thaer-Haus. Das war sein erstes Gutshaus, ein bisschen kleiner als das in Möglin. Da fahre ich immer mit dem Fahrrad vorbei.“ Einer, der aus Celle kommt und in Müncheberg, nur wenige Kilometer vom zweiten mit Thaer verbundenen Ort entfernt, ein Gelände entwickelt.
Da ist der Gedanke nicht abwegig, das neue Aufbruchsignal gerade mit einem Theaterstück über das Paar zu setzen. Zudem sind die Umstände günstig. Denn eine Vorführung gibt es zuvor in Berlin, wo die Thaer-Jahrestagung stattfindet. Allerdings wird die Kulisse auf dem Landhof mit all seinen aktuellen Provisorien eine ganz andere sein als im altehrwürdigen Thaer-Saal der hauptstädtischen Humboldt-Universität. Eine Art Kontrastprogramm.
Dennoch hofft Blume auf entsprechendes Interesse aus dem Umland. Als private Gäste von Rang bringt er, der als Herausgeber und Chefredakteur das Cellerland-Magazin „Landluft“ verantwortet, den dortigen Landrat Klaus Wiswe zu dem Theaterabend mit. Auch der anhaltinische Kulturstaatsminister, zum Freundeskreis gehörend, wolle kommen.
„Der Hof ist ja gewissermaßen ein Brückenschlag zwischen Stadt und Land“, merkt der Junior an. Shan Blume ist namhafter Lichtdesigner mit internationalen Kontakten. Und wenn es um die Zukunft des Gebäudeensembles geht, das in Respekt vor dem bauhistorischen Erbe saniert werden soll, denkt er hinsichtlich der Vernetzung auch im größeren Rahmen. Gerne hätte er neben einheimischen Künstlern in den späteren Ateliers und Werkstätten als Kontrapunkt vielleicht auch jemanden aus der Ukraine dabei.
Auseinandersetzung, bewusste Reibung, Bereicherung. Zwischen Stadt und Land, Ost und West, Vergangenheit und Moderne. „Kultur hatte schon immer einen Platz auf dem Hof“, betont er. So sei eine Tochter der früheren Besitzer Fotografin gewesen.
Theater am 30. Juni, Eintritt frei, Spenden willkommen
Vierseitenhof mit Geschichte und Zukunft
Als Vierseitenhof mit dem Gutshaus im Zentrum, vier weiteren Wohnhäusern und mehreren Wohngebäuden entstand der Landhof Anfang des vorigen Jahrhunderts. Auch ein inzwischen verschwundener Park mit altem Baumbestand gehörte dazu. Das Gut hatte eine Betriebsgröße von 180 Hektar. 1927 übernahmen Walter und Elisabeth Boeckmann den Landhof von Vorbesitzer Ferdinand Lindenberg. Boeckmanns waren bei Kriegsende die letzten privaten Eigentümer, bevor das Areal im Zuge der Bodenreform aufgesiedelt und später kollektiviert wurde. Sie gingen 1947 in den Westen.
Die Zukunft liegt statt Landwirtschaft in der Kultur, beispielsweise mit Ateliers. Mehr zu Hofgeschichte und Plänen ist auf der Seite www.landhof-müncheberg.de nachzulesen.⇥bg

