Die Erwartungen waren groß und die meisten der 26 Kinder, die zum ersten Training kamen, konnten kaum stillstehen. Hans-Joachim Kroening ließ sich Zeit, erklärte viel und begann das erste Training dieser Leichtathletikeinheit mit einem Erwärmungs- und Dehnungsprogramm. Viele werden sich heimlich gedacht haben, wann geht es los? Ich will sprinten, laufen, springen oder werfen.
„Erwärmung der Muskeln ist sehr wichtig und auch die Dehnung, um Verletzungen oder gar spätere Schäden zu verhindern.“, erklärte der 54-Jährige ausführlich. An Stelle von ersten Leistungstest ging es also mit Körperstreckung, Knie an den Oberkörper oder Arme in der Luft kreisen los. Auch Etappenübungen mit Tempowechsel folgten. Schließlich gab es die Stadionrunde – von einigen gefürchtet in diesem Fall aber der Höhepunkt der Trainingseinheit.

Ex-Zehnkämpfer Gotschling beim Auftakt dabei

Auch dazu hatte der Trainer mit einer C-Lizenz (Kinder- und Jugendsport) eine Erklärung. „Wir werden schon bald auf fünf Runden steigern. Wer das auf Anhieb nicht schafft – kein Problem. Wichtig ist nur anzukommen. Das kann zum Schluss mit leichtem Gehen sein. Es geht ziemlich schnell, dann sind die fünf Runden leicht zu bewältigen. Der Körper hält sich natürliche Reserven zurück und die verschieben sich durch das Training.“
Kroening war zufrieden nach dieser Auftaktveranstaltung, auch weil ihm mit Hans Gottschling, ein erfahrener Sportler, zur Seite stand. Er selbst war früher Zehnkämpfer und spielt mit seinen 70 Jahren immer noch Fußball. „Das ist natürlich sehr anstrengend, alle gleichzeitig zu beaufsichtigen“, gab er zu. Am Ende der Trainingseinheit verabschiedete Kroening seine Sportgruppe mit einem schönen Satz, nachdem dann wohl kaum ein Kind noch überlegt hatte, vielleicht doch schnell wieder aufzugeben: „99,9 Prozent von euch haben Talent.“ Was für eine Motivation!

Sportanlage mit moderner Tartanlaufbahn

Das begeisterte auch die Eltern. Madlen Goertz beobachtete zum Beispiel ihre achtjährige Tochter Teolena. „Ich habe selbst früher viel Sport getrieben und finde es sehr wichtig, dass die Kinder einen Ausgleich zum Alltag finden können.“ Völlig Recht gab ihr Nadine Steffen. Sie war im Weitsprung und im Sprint erfolgreich und Hamburger Meisterin. „Ich hoffe, dass Lil-Alva sich ab heute auch so für den Sport begeistern wird.“
Die Idee, in Altlandsberg wieder Leichtathletik mit den unterschiedlichen Disziplinen anzusiedeln, wurde schon vor einiger Zeit geboren. Im Jahr 2004 konnte die Sportanlage am Bollensdorfer Weg mit einer modernen Tartanlaufbahn eingeweiht werden. Doch der MTV konnte in der Folgezeit keine ehrenamtlichen Trainer und Funktionäre gewinnen.

MTV Altlandsberg früher Männerturnverein

Die Ursprünge der Altlandsberger Leichtathletik gehen weit ins vorige Jahrhundert zurück. Auch wenn der Verein als Männerturnverein gegründet worden war und durch Fußball und vor allem Handball in den Schlagzeilen steht, Leichtathletik gab es schon in den 1920-iger Jahren. Aus dieser Zeit tauchen in den Chroniken vor allem die Namen von Norma Huss und Margarete Seefeld immer wieder auf. Klaus Krüger, Ehrenmitglied des MTV, hat die Urkunden aus dieser Zeit gesammelt. „Mit heutigen Urkunden sind diese kaum zu vergleichen. Man hat das Gefühl, ein Kunstwerk in Händen zu halten“, sagt Krüger, der alles aus der Vereinsgeschichte sammelt.

Leichtathletik kam zum Erliegen

Nur den älteren Sportfreunden der Region wird noch in Erinnerung sein, dass auf der Sportanlage am Bollensdorfer Weg Leichtathletik als Training und Wettkampf betrieben wurde. Mangels geeigneter Trainer und motivierter Sportler bei sich zunehmend verschlechternden Trainingsbedingungen kam die Leichtathletik in den 60-er Jahren im Sportverein quasi zum Erliegen. Dabei waren Altlandsberger Leichtathleten in der Vergangenheit durchaus erfolgreich, sogar über den Altkreis Strausberg hinaus und holten zahlreiche Medaillen. Heinz Berkner gewann zum Beispiel in den 1960-iger Jahren mehrmals den traditionellen Strausseelauf und hielt sogar den Streckenrekord.

Neuanfang für den MTV Altlandsberg

Wie selbstverständlich nahmen in dieser Zeit aktive Handballerinnen und Handballer an Wettkämpfen der Region teil und waren in Lauf- und Wurfdisziplinen gefürchtete Konkurrenten auf regionaler Ebene. Leichtathletische Übungen und Disziplinen waren im übrigen zur Gründerzeit des Vereins Bestandteil des Turnens und somit traditioneller Bestandteil des Männerturnvereins 1860 Altlandsberg. Der Verein freut sich über diesen Neuanfang.