Modellbahn
: Vom Micro-ICE bis zur Gartenbahn

Schau des Vereins für Berlin-Brandenburgische Stadtbahngeschichte Weinbergsweg im Bürgerhaus lockte zahlreiche Zuschauer
Von
Uwe Spranger
Neuenhagen
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Faszination Modellbahn: Am Sonnabend besuchten vor allem Männer die Schau.

Uwe Spranger

Sonnabends kommen erfahrungsgemäß eher Männer alleine, am Sonntag dann die Familien mit Kindern“, sagte Wolfgang Schink, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, kurz nach der Eröffnung der Schau. Er sollte Recht behalten. Am ersten Tag nahmen vor allem Herren der Schöpfung die aufgebauten Anlagen in Augenschein und führten bisweilen mit den Betreibern angeregte Gespräche.

Die Gastgeber, die zum fünften Mal das Bürgerhaus gebucht hatten und dort sozusagen ihr Heimspiel organisieren, weil andere Stätten für den Verein nicht mehr finanzierbar sind, hatten diesmal nicht ihre große Berliner Stadtbahnplatte mitgebracht, sondern eine Modulanlage. Die könne flexibel an die Raumgegebenheiten angepasst werden, erläuterte Vereinschef Carsten Wermke, sei quasi jedes Mal anders zusammengestellt.

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Darüber hinaus gab es eine Reihe anderer Anlagen in ganz verschiedenen Größen und Spurweiten, von der vielleicht 30 mal 60 Zentimeter kleinen Platte mit einem Micro-ICE japanischer Produktion bei Frank Böhme vom Arbeitskreis TT Berlin-Brandenburg, dessen Gruppe im kleinen Saal ihre Züge fahren ließ, über die HO-Regalversion von Mike Wolf aus Strausberg, mittlere Modulanlagen wie die Feldbahn von Günter Wermke bis zur ganz großen der Gastgeber oder den Straßenbahnen im Gartenbahn-Format auf der Bühne, die Jens Huschina per Handy und Funkregler steuerte. „Wir wollen möglichst jede Spurweite dabei haben, damit jeder Fan seine wiederfindet“, erklärt Wolfgang Schink. Für die „gute Mischung“ sollte zudem von der Dampflok bis zum ICE alles dabei sein und das Spektrum von der Anlage im Baustadium bis zum gehobenen Standard reichen. Dafür schaue man bei anderen Ausstellungen nach geeignetem Material.

So war zum Beispiel in Schkeuditz die gut zwölf Meter lange N-Spur-Anlage von Burghard John aus Beeskow und seinen Kumpels aufgefallen, die zum ersten Mal in Neuenhagen zu Gast waren. Sie haben drei verschiedene Gegenden aus Mecklenburg-Vorpommern nachgestaltet und so manches kleine Detail eingebaut: ein Schwein im Bollerwagen, ein Bauer, der eine Gans schlachtet, oder eine  Frau, die sich mal kurz in die Büsche schlägt ... Die Drehbrücke, die regelmäßig betätigt wurde, fiel dagegen sofort ins Auge.

Termin für 2020 steht fest

Ins Auge fiel auf der anderen Seite des Saals auch die Berliner  U-Bahn-Strecke an der Schönhauser Allee. Steffen Schulze hat sie nach eigener Aussage „geerbt“ und in anderthalb Jahren Kleinarbeit runderneuert: neue Gleise, neue Fahrleitungen für die Straßenbahnen, neue Straßen, digitale Steuerung ... „Zum Einstauben fand ich sie zu schade“, sagt er.

Die Vereinsspitze zeigte sich am frühen Sonntagmittag optimistisch, dass die Besucherzahlen für die schwarze Null erreicht werden. Am 17./18. Oktober 2020 will die Truppe wieder ins Bürgerhaus kommen.

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