Mit Lastenrad in der Badstraße

Diesseits des Sees ist es aber auch nicht gerade das Paradies: In der Badstraße steht immerhin Mike Wolff von der Pension An der Alten Stadtmauer mit seinem kleinen Imbissangebot: Bratwurst, Kaffee, Buletten und kalte Getränke verkauft er vom Lastenfahrrad: "Aber nur hier an der Badstraße, für jenseits des Sees hab ich keine Konzession", betont er, bevor er sich dem nächsten Badegast zuwendet. Im Kulturpark befriedigt das 1a-Tauchcenter die Wünsche hinsichtlich kleinem Imbissangebot und Toiletten. Das ist besser als nichts, doch wenn wie vor zwei Wochen ein Tauchcamp läuft, ist geschlossen.
Anfang  2019 hatte Oliver Haller mit Christian Schlatter und Andreas Köhler ein Kurzkonzept für die Bewirtschaftung einer  Teilfläche des Kulturparks  im Rathaus eingereicht. Mit einem Schankwagen, einer Imbisshütte, Liegestühlen und Sitzgruppen wollten sie den Badebetrieb bereichern. Als die Verwaltung nach monatelangen Verhandlungen verlangte, sie mögen ein Planungsbüro mit der Erarbeitung von Unterlagen für die Einreichung eines Bauantrages "für Ihrerseits geplante Gebäude – einschließlich Imbisshütte oder -wagen, ,Food-Truck‘ oder Ähnlichem zur Einreichung durch Sie beim Bauordnungsamt" beauftragen, gaben sie das Vorhaben entnervt auf.
Nun sind in der Stadt vor allem Döner-Imbisse für den schnellen Heißhunger gewappnet. La Bottega, Zur Fähre und Seegasthof sind zu. Café Kunze, Steakhouse Mediterrana, Am Fischerkietz und Tagesbar Caliente sind Gastronomie-Anker nahe der Altstadt. Seit mehreren Wochen sind nun die Bemühungen der Wirtschaftsförderung bekannt, die städtische Badeanstalt wenigstens als Strandbar zu nutzen. Mit Veranstaltern sei man im Gespräch, bestätigt Freibad-Betreiber  Fred Thaleiser. So weit will die Sprecherin des Rathauses, Caroline Haitsch-Berg, in der Information nicht gehen. Auf Anfrage dieser Zeitung antwortete sie: "Das angefragte Thema befindet sich derzeit in der Prüfung, deshalb können wir noch keine Aussagen dazu treffen." Thaleiser bittet um Verständnis: "Das ist alles sehr kurzfristig, die Ferien sind ja nun auch vorbei." Christian Schlatter ist von der Wirtschaftsförderung angesprochen worden. "Alleine kann ich das nicht stemmen, das ist nicht so schnell auf die Beine gestellt wie eine Beach-Party."

Die üblichen Verdächtigen

Deshalb habe er Andreas Köhler und Oliver Haller mit ins Boot geholt und Lokaltermine mit allen Beteiligten absolviert. Der Wunschstandort des Badbetreibers – der des früheren Imbisses am Bootsverleih – habe wenig von einer Strandbar. Die Frage der Toilettennutzung müsse geklärt, Preise und Kosten kalkuliert und der ganze Materialbedarf geplant werden. "Und nicht zuletzt haben wir alle ja auch noch ein paar andere Baustellen zu bedienen, um  überleben zu können." Das Interesse der Veranstalter, dem scheintoten Freibad wieder Leben einzuhauchen, ist groß. Das Ferienende sieht Christian Schlatter gelassen: "Wir können durchaus noch ein paar gute Monate haben, in denen die Strausberger bei schönem Wetter gerne mal am See einen guten Cocktail bei dezenter Musik genießen, die Füße im Wasser und den Blick auf die untergehende Sonne gerichtet." Das könne man mit Wurst vom Grill und heißen Getränken selbst im Winter anbieten. 
Er will Donnerstag sein Konzept ins Rathaus bringen und mit der Wirtschaftsförderung  weiter am Thema arbeiten. An Leidenschaft der Veranstalter für mehr Proviant am breiten Strand mangelt es jedenfalls nicht.