In den vergangenen Tagen waren auf der RB 26 tagsüber wieder mehrfach Verspätungen zu beobachten. Beim VBB wird die Unpünktlichkeit registriert. Deswegen habe man die Änderung veranlasst, sagte Sprecher Joachim Radünz auf MOZ-Nachfrage.  Die Störungsquellen seien vielfältig: unzuverlässige Fahrzeuge, wodurch teilweise nur Einzeltraktionen möglich sind, knappe Wendezeiten, Grenzkontrollen sowie Störungen in der Infrastruktur. Die nun getroffenen Maßnahmen sollten zur Minderung der Störquellen und deren Auswirkungen beitragen, bis eine grundsätzliche, strukturelle Lösung umgesetzt werden könne. Das könnten zusätzliche Fahrzeuge oder stabilerer Lauf der polnischen Link-Triebwagen sein.
Weitere Bauarbeiten nötig
Die Verkürzung der Linienführung bedeute zwar einerseits eine Verschlechterung für die Fahrgäste, aber gleichzeitig einen stabileren und zuverlässigeren Fahrplan in deren Sinne, argumentierte er. So werde das Fahren auf der RB 26 wieder planbarer.
Radünz machte Hoffnung, dass der Fahrplan ab Einführung des 30-Minuten-Taktes bis Müncheberg – das ist im Landesnahverkehrsplan für 2022/23 avisiert und für das Schienennetz Ostbrandenburg 2 mit der RB 26 war im Mai das Vergabeverfahren angelaufen – "insgesamt robuster" werde. Dazu würden unter anderem die Wendezeiten am Ostkreuz von heute fünf Minuten deutlich verlängert und auch höhere Kapazitäten pro Stunde angeboten, kündigte er an.
Die kurze Wendezeit nennt auch der Streckenbetreiber Niederbarnimer Eisenbahn Betriebsgesellschaft (NEB) als einen Haken. Die fünf Minuten seien "das absolut notwendige Minimum", so ein NEB-Sprecher.  Alle Verspätungen, die ein Zug hat, würden direkt auf den Folgezug weitergegeben und aufgrund der weitgehenden Eingleisigkeit der Strecke seien im Verlauf auch Gegenzüge betroffen. "Es ist leicht vorstellbar, dass dann der gesamte Fahrplan der Linie über einen längeren Zeitraum nicht mehr zu halten ist", sagte er.
Zu den Gründen für die aktuellen Verspätungen befragt, verwies er darauf, dass die Ursache von Störungen "nicht immer bei uns bzw. unseren Fahrzeugen" liegt. Oft genug habe es Störungen an der Infrastruktur, zum Beispiel an Weichen oder Signalen gegeben, seien Kabel an der Strecke gestohlen worden ... Für solche Fälle wäre es gut, einen Zeitpuffer beim Wenden zu haben. Aktuell mache es eine Langsamfahrstelle bei Fredersdorf mit Tempo 60 statt 100 noch schwerer, den engen Zeitplan zu halten.
Durch die nun beschlossenen Maßnahmen wird die Wendezeit bei den in Lichtenberg endenden Zügen auf bis zu 14 Minuten erhöht. Verspätungen könnten so ganz oder zum großen Teil abgebaut werden. "Dass einige Züge nicht mehr umsteigefreundlich bis Ostkreuz durchfahren können, ist bedauerlich, die Stabilität des Fahrplans wog aber bei der Entscheidung schwerer", sagte er. Auch in der Vergangenheit hätten Züge schon in Lichtenberg gewendet – dann aber spontan wegen  der aktuellen Betriebslage.
Die teilweise Verkürzung der Linie werde zusammen mit dem VBB beobachtet und ausgewertet. Wie es nach dem Fahrplanwechsel weitergehe, werde anhand der Ergebnisse festgelegt.  Perspektivisch werde sich die Lage entspannen, wenn die speziell auf dem Abschnitt Ostkreuz – Strausberg momentan laufenden Bauarbeiten enden und eingerechnete Bauzuschläge frei würden. Doch das passiere "leider noch nicht im nächsten Fahrplanjahr", hieß es.
Über einen 30-Minuten-Takt nach Müncheberg ab 2022 gebe es gegenüber der NEB noch keine definitive Aussage, hieß es. Für einen stabilen Fahrplan mit beiden Takten  – Müncheberg alle 30 Minuten und Kostrzyn alle 60 Minuten – "dürften aber in jedem Fall noch Bauarbeiten an der Strecke notwendig sein", so die Sicht des Verkehrsunternehmens.
Vom Landkreis Märkisch-Oderland kam Kritik an den angekündigten Einschränkungen. "Die Durchbindung bis Ostkreuz trägt zur Erhöhung der Attraktivität  der RB 26 bei und die Entscheidung, nur jeden zweiten Zug bis Ostkreuz durchfahren zu lassen, mag aus Sicht des VBB in der gegebenen Situation eine Möglichkeit sein, noch größeren Schaden abzuwenden und Fahrplansicherheit herzustellen", sagte Landrats-Beigeordneter Rainer Schinkel. "Für den Landkreis ist das, auch wenn die jetzigen Einschränkungen nur temporär sein sollen, umso schwerer nachvollziehbar, da Zeit gewesen wäre, notwendige Maßnahmen vorzubereiten. Und für die Fahrgäste ist es einfach nur ärgerlich", konstatierte er.
Schinkel verwies indes darauf, dass der schienengebundene Personennahverkehr Länderangelegenheit ist. Das Land nehme die Bestellungen vor, stelle die erforderlichen Mittel bereit und beauftrage den VBB  mit der Umsetzung. Der Landkreis habe schon frühzeitig und mehrfach angemahnt, dass ein im Landesnahverkehrsplan avisierter 30-Minuten-Takt für Müncheberg ab 2022/23 nur dann realistisch sei, wenn umgehend Baumaßnahmen in Auftrag gegeben werden. "Dass dies nicht ganz unberechtigt war, sieht man an den jetzigen Entscheidungen. Es ist für den Landkreis nicht verständlich, dass die Landesregierung nicht handelt."
Die MOZ wird dies bei einem demnächst geplanten Besuch von Ministerpräsident Dietmar Woidke in Strausberg thematisieren.