Nahverkehr
: Rüdersdorfer rügen höhere Ticketpreise als falsches Signal

Rüdersdorf lehnt höhere Ticketpreise im Haustarif der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn ab. Betriebsleiter hält gegen.
Von
Uwe Spranger
Rüdersdorf
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Mehr Komfort: Die neuen Fahrzeuge nennt die SRS ein Plus der jüngsten Zeit. Nun will sie den Haustarif anheben.

Annette Herold/MOZ

Wie Schöneiche will auch Rüdersdorf in der Gesellschafterversammlung der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn (SRS) GmbH dem Wirtschaftsplan des Unternehmens nicht zustimmen, sofern der auf Fahrpreiserhöhungen basiert. Einen entsprechenden Auftrag an die Bürgermeisterin hat am Donnerstagabend der Hauptausschuss der Gemeindevertretung auf Antrag der Linken beschlossen.

„Wir wollen eine Verkehrswende, da ist eine Verteuerung das falsche Zeichen“, begründete Fraktionschef Detlef Adler den Vorstoß. Vorgesehen ist, zum 1. Januar 2020 den ermäßigten Einzelfahrschein der Preisstufe 1 (Fahrt in einer Gemeinde) und den regulären der Preisstufe 3 (Rüdersdorf bis Friedrichshagen) um zehn Cent anzuheben sowie einige Zehnerkarten um bis zu einen Euro. Nach seinen Informationen habe das Unternehmen mit Mehreinnahmen von 800 Euro kalkuliert, sagte Adler. Gegebenenfalls könnten die beiden Kommunen mit jeweils 400 Euro diese Summe übernehmen, schlug er vor. Andrea Rudorf (B90/Grüne  Fraktion Zukunft) sah dies ähnlich. „Wenn Leute dann gar nicht mehr fahren, ist auch nichts gewonnen“, sagte sie. In anderen Kommunen werde eine Angleichung nach unten vorgenommen. „Das wäre vernünftiger“, reagierte sie auf einen Hinweis von Bürgermeisterin Sabine Löser, die von ihrem Schöneicher Amtskollegen den Hinweis bekommen hatte, dass es auch um ein Angleichung von Tarifen gehe. „800 Euro können nicht der Grund sein“, war sie überzeugt.

Wenn es einen entsprechenden Beschluss gebe, werde sie natürlich danach handeln, versicherte die Bürgermeisterin, machte aber zugleich darauf aufmerksam, dass die beiden Kommunen nicht die Mehrheit der Gesellschafteranteile haben. Sie verfügen über jeweils 15 Prozent. Die anderen 70 Prozent hält die Niederbarnimer Eisenbahn AG.  Mit 7:1 Stimmen bei zwei Enthaltungen wurde der Linken-Antrag angenommen.

SRS bietet mehr Leistungen

SRS-Betriebsleiter Sebastian Stahl bedauerte auf MOZ-Nachfrage, dass man ihn nicht zu den Sitzungen geladen habe, um für Aufklärung zu sorgen. Er erinnerte daran, dass die SRS in den vergangenen drei Jahren die Leistungen deutlich verbessert habe: Halbstunden- statt Stundentakt im Spätverkehr, sonnabends 20- statt 30-Minuten-Takt und neue Fahrzeuge – ohne Tariferhöhung. Überdies gebe es die allgemeine Inflation und Kostensteigerungen zum Beispiel beim Strom. Davon müssten die Nutzer einen Teil zahlen. Die Anhebung betreffe aber nur einen kleinen Personenkreis und die SRS sei mit ihrer Steigerung – zum Beispiel für die Preisstufe 3, die sich am Drei-Waben-Ticket des Verkehrsverbundes VBB orientiert – unter den Raten des VBB geblieben, der zum 1. Januar ebenfalls die Fahrscheine teurer macht.

Da dies ohnehin Umstellungskosten verursacht, sollten eigene Änderungen zeitgleich erfolgen. Durch das Gegenrechnen der Kosten kämen im ersten Jahr nur die angesprochenen 800 Euro Mehrerlös zustande, in der Folge rechne man mit rund 2000 Euro jährlich, erläuterte er. Dies durch die Kommunen auszugleichen, halte er für nicht sinnvoll. Wenn schon Zahlungen durch die öffentliche Hand erfolgten, sollte man gleich über den Nulltarif für die Fahrgäste nachdenken.

Die Angleichung an andere Linien betrifft nach seiner Auskunft die ebenfalls von der SRS betriebene Woltersdorfer Straßenbahn. Fahrkarten seien dann einheitlich für beide Linien nutzbar. Das bringe eine Vereinfachung und mehr Flexibilität. Und noch eine ganz praktische Vereinfachung werde erreicht: Durch überwiegend runde Summen werde das Kleingeldproblem entschärft.