Natur
: Wasserverband will Daten liefern

Zum Gutachten über die Ursachen für den sinkenden Strausseepegel will der Wasserverband alle nötigen Daten zuliefern.
Von
Jens Sell
Strausberg
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Traurige Realität: Der niedrige Wasserstand bereitet vielen Strausbergern weiter Kopfzerbrechen.

Gerd Markert

Es ging hoch her in der Verbandsversammlung am Mittwochabend. Nicht nur, dass die größte Demonstration der Stadt seit dem 12. November 1989 dorthin führte, die inhaltliche Forderung, dass der WSE eine außerordentliche Verbandsversammlung zum Thema Wasserverlust des Straussees einberufen sollte, führte zur abschließenden heftigen Debatte.

„Sehr gerne“ folge sie der Bitte der Bürgerinitiative für die Erhaltung des Straussees und der Stadtverordneten, eine außerordentliche Verbandsversammlung zu diesem Thema zu beantragen, sagte Elke Stadeler. Vom sinkenden Wasserstand seien mehr Menschen betroffen als vom Alt­anschließerproblem. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Frank Weber, hatte zuvor in der Bürgerfragestunde von einer ökologischen Katastrophe am Straussee gesprochen. Eine Ursache sehe er darin, dass zehn Millionen Kubikmeter Trinkwasser in der Region  und davon fünf Millionen vom Wasserwerk Spitzmühle pro Jahr gefördert und vollständig in das Klärwerk Münchehofe und schließlich in die Spree geleitet würden. „Ich appelliere an das Solidargefühl der Mitgliedsgemeinden, uns jetzt dabei zu helfen, den Straussee zu retten“, rief Weber aus. Direkt an Verbandsvorsteher Henner Haferkorn gerichtet sagte Weber: „Ihr Antwortbrief an die Bürgermeisterin vom Montag ist durchsetzt von Ignoranz und Arroganz. Deshalb haben wir heute hier mobil gemacht. Das lassen wir uns nicht gefallen.“

Verbandsversammlungsvorsitzender Karsten Knobbe erkundigte sich zunächst nach dem anvisierten Zeithorizont für eine außerordentliche Verbandsversammlung: „Es ist ja sicher angeraten, Ergebnisse des Gutachtens abzuwarten. Es nützt uns ja allen nichts, wenn wir aus formellen Gründen eine Versammlung einberufen und können dann nur mangels Erkenntnissen spekulieren.“ Fredersdorf–Vogelsdorfs Bürgermeister Thomas Krieger sprang indes Elke Stadeler bei: „Das Thema betrifft uns. Das Fredersdorfer Mühlenfließ ist trocken gefallen, null Wasserstand. Ich bin gespannt. Wenn das Strausberger Gutachten Anhaltspunkte ergibt, dass der WSE mit den Ursachen zu tun hat, dann müssen wir uns außerordentlich mit diesem Thema befassen.“ Woltersdorfs Bürgermeisterin Margitta Decker äußerte sich ebenso — wenn die Ergebnisse vorlägen. Erkners Bürgermeister Henryk Pilz sprach sich für zielorientierte Beratungen und keine Spekulationen aus. Die stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative, Kerstin Behlau, rief dazwischen: „Wir brauchen aber Ihre Unterstützung jetzt.“

Ziel der Bürgerinitiative ist, dass die Verbandsspitze dem beauftragten Ingenieurbüro alle Daten und Dokumente für eine umfassende Untersuchung zur Verfügung stellt. Vorsteher Henner Haferkorn stellte klar: „Ich habe am 17. Januar dem Büro einen Brief mit vielen Angeboten an Informationen geschickt. Die Daten und Fördermengen sämtlicher Wasserwerke liegen Ihnen alle vor“, sagte er, an Elke Stadeler gewandt. Einige Einzelheiten unterlägen der Datenschutzgrundverordnung. Müssten weitergehende Daten erhoben werden, stelle sich die Kostenfrage. Er habe aber bisher keinerlei Reaktion des Ingenieurbüros auf seinen Brief erhalten. „Wir sind gerne bereit, die Daten zu liefern. Da kann  man nicht in der Öffentlichkeit behaupten, der WSE hält Daten zurück. Das geht gar nicht.“ Karsten Knobbe hatte inzwischen offensichtlich die Geschäftsordnung zu Rate gezogen und schloss die Diskussion mit den Worten: „Der Antrag auf eine außerordentliche Verbandsversammlung muss schriftlich eingereicht werden, dann gelten drei Wochen Ladungsfrist.“