Ostbiografien: Mit Gundermann im Casting

Singt Gundermann: Jochen Opitz (66) aus Strausberg mit seiner Gitarre auf dem Markt
Jens SellEs brauchte nicht die vom aktuellen Andreas-Dresen-Film neu entfachte Gundermann-Euphorie, dass sich der Strausberger Amateursänger Jochen Opitz (66) der ostdeutschen Liedermacherlegende zuwandte. Wie er begann er in einem Singeklub, in seinem Fall der des PCK Schwedt, wo er Elektromonteur mit Abitur lernte. Und wie Gundermann bewarb er sich in Löbau für ein Offiziersstudium. So verwundert es nicht, dass sich beide beim Vorsingen vor einer Gruppe Politoffiziere begegneten, die einen Singeklub gründen wollten. Für Gundermann war aber Schluss, als er aufgefordert wurde, mit der Gruppe anlässlich des Besuchs von Verteidigungsminister Heinz Hoffmann das diesem gewidmete Lied „Unser Genosse General“ zu singen. Gundermann quittierte den Dienst, Jochen Opitz sagt: „Ich hatte damals damit kein Problem, blieb dabei und wurde später Kulturoffizier.“ Als solcher war er bis zur Wende im Nachrichtenregiment im Roten Luch bei Waldsieversdorf tätig. Am 2. Oktober 1990 die NVA-Uniform gegen die der Bundeswehr zu tauschen, kam für ihn nicht in Frage: „Ich kann mich doch nicht denen andienen, die ich 20 Jahre als Gegner betrachtet habe. Wie geht das denn?“
Programme zu verschiedenen Feier- und Jahrestagen zu gestalten, war immer Jochen Opitz’ Arbeit. Oft griff er dabei selbst zur Gitarre, und Texte und Lieder von Majakowski, Ernst Busch oder Gerhard Gundermann waren oft dabei. "Gundermann wie auch Gerhard Schöne waren bzw. sind ja Liedermacher, die wollen, dass möglichst viele Leute ihre Lieder singen“, sagt Opitz, "sie haben regelmäßig Liederbücher rausgebracht, in denen Texte und Noten zum Nachsingen bereitstanden. Ich selbst habe keine nennenswerten Lieder geschrieben. Und ich hatte unter den Soldaten oft gute Musiker, Mitglieder des Thomanerchores, mal der Schlagzeuger des Günter-Gollasch-Orchesters, mal ein Geiger aus Sachsen oder ein Schauspieler.“
Auftritt auf der Drehbühne
Im Theaterstück über den Mauerfall „Horror Vacui?“ in der Anderen Welt Bühne (nächste Aufführung am 24. August) tritt Jochen Opitz mit zwei Gundermann-Liedern auf, die das Lebensgefühl der Ostdeutschen zur Wende auf den Punkt bringen: „Und ich habe keine Zeit mehr, im Spalier zu stehen und den Ämtern meine Treue hinzutragen.“ Am 11. August wird er das Programm „Im Zick-zack unserer Lebenslinie“ auf der Bühne vortragen. Es werden nicht einfach nur Gundermann-Lieder sein, sondern er wird sein Leben mit den Liedern verschränken und das Lebensgefühl dieser Generation beschreiben und besingen.
Auftrittstermin: 11. August, 11 Uhr, Garzauer Straße 20