Mehr als 400, die Veranstalter sprachen sogar von mehr als 500 Strausberger waren dem Aufruf der Bürgerinitiative gefolgt, die sich der Rettung des Straussees verschrieben hat. Darunter neben zahlreichen Rentnern und lokalen Politikern auch viele Familien und junge Menschen.
Gemeinsam wanderten sie ab 17 Uhr zum Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE), der um 18 Uhr zur Verbandsversammlung geladen hatte. Dort wollten sich einige Gründungsmitglieder der Bürgerinitiative für eine zeitnahe Sondersitzung des WSE stark machen, in der es ausschließlich um die Zukunft des Sees geht.
Der WSE wird von vielen mitverantwortlich für den sinkenden Pegel gemacht. Er betreibt das 2014 eröffnete Wasserwerk Spitzmühle. Der Wasserstand des Sees nimmt seither rapide ab. Der WSE schließt einen Zusammenhang aus. Ein von der Stadt Strausberg inAuftrag gegebenes Gutachten soll Klarheit bringen. Doch bisher gibt es noch keine Ergebnisse.
Gerade diese fordert die Bürgerinitiative, wie deren Vorstandsmitglied Kerstin Behlau bei der Demonstration erklärte. "Der Straussee hat keine Zeit mehr. Wir hoffen, dass wir alle gemeinsam unser Ziel erreichen, bei diesem Thema Transparenz herzustellen und Informationen zu bekommen", sagte sie und fügte an: "Dass so viele Strausberger heute mit den Füßen abstimmen, zeigt, dass wir mit der Initiative den Nerv der Zeit getroffen haben."
Seit ihrer Gründung am 23. Februar sei die Mitgliederzahl von elf auf fast 100 gestiegen. Und zahlreiche Anträge seien noch gar nicht bearbeitet. Unter den Mitgliedern seien auch einige Hydro- und Geologen, die sich als Experten am Freitag zu einer Extra-Runde zusammenschließen wollen, um den Prozess der Ursachenaufarbeitung zu begleiten und auf Augenhöhe mit den Gutachtern diskutieren zu können, sagte Kerstin Behlau.
Vorstandskollege Frank Weber konnte sein Glück kaum fassen, als der Demonstrationszug vor dem WSE-Gelände zur Abschlusskundgebung zusammenkam. "Wir sind überwältigt, dass so viele unserem Aufruf gefolgt sind. Alle haben Gänsehaut", sagte er.Er erinnerte daran, dass der Wasserverband mit seinen vielen Gemeinden eine Solidargemeinschaft sei. Es gebe Gemeinden wie Hoppegarten und Neuenhagen, die anders als Strausberg "einen gigantischen Bevölkerungszuwachs haben. Die brauchen unser Wasser. Auch für sie ist damals das Wasserwerk Spitzmühle mit gebaut worden. Nun brauchen wir ihre Hilfe, um eine regionale ökologische Katastrophe zu verhindern." Er untermauerte die Forderung an den WSE und die Stadt Strausberg, Transparenz herzustellen und Zahlen zu den Ursachen des sinkenden Pegels zu liefern. "Denn wo Informationen fehlen, ist Platz für Spekulationen."
Frederick Kunze, mit 23 ein Vertreter der jungen Generation in der Bürgerinitiative, schöpfte viel Hoffnung aus der Demonstration. Er stehe heute auch für diejenigen hier, die noch 50, 60 Jahre am Straussee leben wollen. Dieser sei seit fast 780 Jahren das Wahrzeichen der Stadt. "Und das soll er auch die nächsten 780 Jahre sein. Wenn ich euch hier heute alle sehe, bin ich mir sicher, dass wir dieses Ziel erreichen können", sagte er.
Mit dabei helfen will auch Paul Dähn. Der 26-jährige Strausberger kam spontan zur Demo. "Der See ist das Aushängeschild der Stadt. Man muss etwas tun, um ihn zu erhalten. Deswegen bin ich heute hier."