Rehabilitation: Klinikneubau auf der Kippe

Befürworter: Investor Peter Fritz (r.) macht sich seit Jahren für den Klinikneubau in Strausberg stark, hier im Mai 2017 bei der Sparkasse Märkisch-Oderland mit Angela Krug vom Krankenhaus MOL und Stiftungsvorstand Hubert Handke. Zu den erhobenen Vorwürfen wollte sich Fritz nicht äußern.
Gerd MarkertDie Gesellschafterversammlung der Kindernachsorgeklinik Berlin–Brandenburg gGmbH befürchtet, dass das Neubau–Projekt am Straussee womöglich scheitern könnte. Im Nachgang einer Sitzung des Gremiums im Strausberger Rathaus am Mittwochabend erklärte die Versammlung in einer Pressemitteilung, dass Bauherr Peter Fritz derzeit den Abschluss eines Mietvertrages verweigere, mit unklarer Faktenlage operiere und sich mit dem Gedanken trage, das Objekt komplett an einen anderen Betreiber zu vermieten. "Für die Sicherstellung unserer Arbeit und zur Absicherung der Existenz der Einrichtung benötigen wir einen Mietvertrag, der die späteren Konditionen und die Anforderungen, die an uns als Betreiberin gestellt werden, abbildet“, forderte der Sprecher der Gesellschafterversammlung, Roland Wehrle. Er ist auch Vorstand der Deutschen Kinderkrebsnachsorge, einem der Gesellschafter der Klinik.
Baukostenzuschuss gefordert
Am Umzug der derzeit in Bernau beheimateten Klinik nach Strausberg wird seit Jahren gearbeitet. Die Räumlichkeiten dort sind marode, der Mietvertrag mit der Michels Kliniken GmbH & Co. KG 2018 ausgelaufen. "Wir werden hier quasi nur geduldet“, sagt Klinik–Geschäftsführerin Sandra Bandholz. Um die Klinik in Strausberg bauen zu können – der Betriebsbeginn ist für Anfang 2021 geplant –, hatte Unternehmer Peter Fritz die Peter–und–Ingeborg–Fritz–Stiftung für chronisch kranke Menschen gegründet. Über diese, so war es vereinbart, sollten 20 Millionen Euro für den Neubau in Strausberg bereitgestellt werden. Um die Innenausstattung sollte sich die Klinik kümmern. „Dafür haben wir 5,2 Millionen Euro eingeplant. Davon haben wir bis heute mit Hilfe unserer Gesellschafter etwa 2,5 Millionen Euro gesammelt“, sagt Sandra Bandholz. Doch seit Herbst 2018 habe Peter Fritz seine Forderungen schrittweise verändert, weil der Bau offenbar teurer werde als erwartet. „Uns liegt der Entwurf eines Mietvertrages vor, in dem nicht nur keine Miethöhe enthalten ist, sondern auch die Forderung aufgemacht wird, dass wir uns an den Baukosten mit fünf Millionen Euro Zuschuss beteiligen sollen.“ Das sei eine riesige Summe – und Geld, das verloren sei. Sandra Bandholz sagt: „Wir sind so dankbar, dass Peter Fritz sich vor drei Jahren für uns entschieden hat.“ Derzeit sei die Einrichtung voll belegt und die Patienten freuten sich auf Strausberg.
Doch nun stehe man erneut vor der Frage, ob die Existenz der Einrichtung auf dem Spiel stehe und dem Bauherren ein anderer Partner „angenehmer ist“. Das Geschäftsmodell der Familienorientierten Rehabilitation für herz-, krebs– und mukoviszidosekranke Kinder sei einmalig „und bedarf einem enormen Maß an Fachkompetenz und bundesweiter Vernetzung für eine stabile Belegung“, sagt Sandra Bandholz. „Aber wir brauchen Sicherheit in Form eines Mietvertrages.“ Über allem schwebe die Frage nach dem gemeinnützigen Stiftungszweck und dessen Umsetzung.
Investor Peter Fritz hatte am Donnerstag die Möglichkeit, zu den Vorwürfen und offenen Fragen Stellung zu nehmen. "Ich möchte mich dazu nicht äußern“, teilte er telefonisch mit.
Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler, die öffentlich bei jeder Gelegenheit für das Projekt wirbt, erklärte, dass sie in dieser Angelegenheit nicht mutmaßen wolle. „Mir liegt nichts schriftlich vor, ich gehe davon aus, dass beide Seiten das Problem in Partnerschaft gelöst bekommen und das Projekt Kindernachsorgeklinik in Strausberg umgesetzt wird.“
Die Stadtverordneten hatten im Oktober 2018 mit der Änderung des Flächennutzungsplanes und der Bestätigung des Bebauungsplanes die Weichen für den Bau in Strausberg gestellt. Die Baugenehmigung vom Kreis hatte bis Ende März auf sich warten lassen. Kritik an dem Projekt kam vor allem von Umweltschützern, da auf dem Grundstück zahlreiche Bäume fallen mussten.