Reinfall: Strausberger erleben zweiten Sommer ohne Freibad

Angelandet: Der Leiter des Bootsverleihs der Strausberger Bäder GmbH, Mario Schmitz, muss barfuß ins Wasser, um das Ruderboot, in dem seine Mitarbeiterinnen Birgit Grieger und Antje Kostall (v. l.) sitzen, an den Steg zu schleifen. Der Verleih ist geöffnet.
Jens SellGeschäftsführer Fred Thaleiser hat alles durchgerechnet und -gemessen: Auch bei Ausnutzung aller Lockerungen der Eindämmungsverordnung ist eine Öffnung des Strausbades nicht sinnvoll zu gewährleisten: „Unter Einhaltung und Überwachung aller Abstandsregeln in den Umkleiden und Duschräumen könnten maximal 20 Besucher die Halle nutzen. Das Massagebecken müsste gesperrt bleiben, die Rutsche auch, und beim Schwimmen müssten alle Abstand halten. Alle drei Stunden müsste alles desinfiziert werden, das ist alles nicht praktikabel, dafür kann ich nicht die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen“, sagt er.
Acht Leute hat er in die Kurzarbeit geschickt, aus den Rücklagen der GmbH stockte er von April bis Juli ihr Kurzarbeitergeld auf. Im August hofft er auf Linderung: Mit Schuljahresbeginn soll der Regelbetrieb in den Schulen wieder losgehen. Das hieße für ihn: Schwimmunterricht wie gewohnt, eine erste Einnahme. Wenn dann Mitte August auch der Vereinssport wieder möglich wäre und Ende August der normale öffentliche Regelbetrieb — es wäre zu schön. Doch Fred Thaleiser bleibt skeptisch: „Warten wir es ab, wenn die Leute von ihren Urlaubsreisen zurückkehren, ob es nicht einen Rückschlag gibt. Mir sind viele schon wieder zu sorglos, als wäre es schon vorbei.“
Mit dem Lockdown hat Thaleiser alle geplanten Wartungsarbeiten, soweit es ging, nach vorn gezogen. Doch haben die gebundenen Firmen auch ihre Planungen, so dass er dennoch bis August braucht, bis alle erforderlichen Arbeiten erledigt sind. So müssen Restarbeiten an der Chlordesinfektionsanlage der Wasseraufbereitung erledigt, ein Aggregat der Kompressoranlage gewechselt und ein Motor der Lüftung in der Sauna erneuert werden.
Sorgenkind Freibad
Zur städtischen Badeanstalt ist Thaleiser dieser Tage in intensiven Gesprächen mit der Wirtschaftsförderung des Rathauses. „Unser kurzfristiges Ziel ist es, eine zeitweilige Nutzung als Strandbar auf die Beine zu stellen, aber das ist angesichts der komplizierten Rahmenbedingungen schwieriger als gedacht.“ Abgesehen von der Suche nach einem Betreiber, gilt es, die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten. Das ganze Ensemble steht unter Denkmalschutz und ist nicht barrierefrei, auch Brandschutzauflagen sind zu beachten. Und noch gelten Einschränkungen durch die Corona–Pandemie. „Wir checken jetzt mal alles ab, ob wir eine kurzfristige Lösung hinbekommen, sonst lässt sich vielleicht etwas für das nächste Jahr vorbereiten“, sagt Fred Thaleiser. Dass im nächsten Jahr das Baden im Freibad wieder möglich ist, glaubt er nicht ernsthaft. Um dies aber vielleicht zum 100. Geburtstag der Badeanstalt im Jahr 2025 baulich wieder zu ermöglichen, müssten in diesem Jahr die politischen Entscheidungen getroffen werden.