"Wir wohnen zwar in Freising, sind aber Waldsieversdorfer und Müncheberger und kennen die Kleinbahn noch aus der Zeit, in der sie regelmäßig fuhr", sagte Josephine Bahro. In den 1990er-Jahren sei sie damit öfter von Waldsieversdorf ins Kino nach Buckow gefahren. Da in Bayern Ferien sind, konnte die Familie nun in die Heimat kommen.
"Mein Onkel und Papa sind große Bahnfans und auch wir fahren überall, wo es solche historischen Bahnen gibt, damit", erzählte sie. Vor allem Theodor sei begeistert. Dem Kleinsten im Bunde gefielen speziell die Räder. Warum? "Weil sie so schnell rollen können." Während Josephine Bahro bereits in Waldsieversdorf ausstieg, um im Café Tilia ihrer Mutter mit auszuhelfen, fuhr ihr Mann mit den Kindern weiter bis zum Endhaltepunkt Müncheberg. "Wir wollen noch ins  Rittertheater", erzählte er. Sein Fazit der Fahrt: "Es war sehr schön, nur die Sitze sind ein bisschen hart. Die Schweizer haben offenbar einen robusteren Hintern."
Darum musste sich Andreas Hauschild keine Gedanken machen. Stehend steuerte er bis zum frühen Abend den Triebwagen Baujahr 1920, den die Kleinbahn 2017 erworben hatte und der unter Hauschilds Regie mit einem weiteren Kleinbahner in den vergangenen Monaten in den Zustand von 1957 zurückversetzt wurde. Damals war er erstmals modernisiert worden. Jetzt hat der Wagen das Design der ­Buckower Züge. Bis 2013 war er auf der 4,5 Kilometer langen Linie Orbe–Charvonay unterwegs. 2018 erhielt er die Zulassung für die Strecke Buckow–Müncheberg, auf der er im September 2019 zum Tag des offenen Denkmals zuletzt unterwegs war.
Als Hauschild um Punkt 13 Uhr den Triebwagen zum Roll-out aus der Wagenhalle fuhr, brandete unter den etwa 70 Zuschauern auf dem Bahnsteig Applaus auf. Viele hatten sich gleich für die erste Fahrt Tickets reserviert. Im Vergleich zum Buckower Elektrotrieb- und Steuerwagen, der am Sonnabend im Wechsel mit dem Schweizer Exemplar unterwegs war, fahre sich das Unikat aus dem Alpenland viel weicher, erklärte Hauschild. "Der Buckower hat ein umgebautes Güterwagen-Fahrwerk, da merkt man jeden Stoß. Der Schweizer Triebwagen hat ein Drehgestell und ist dreifach gefedert. Da können die Gleise noch so schlecht sein, man merkt kaum etwas", sagte er und hupte an einem von acht Bahnübergängen auf der Strecke.

Mit Herzblut dabei

Währenddessen kontrollierten die Schaffner Linus Leißner und David Wichardt, beide 22 und aus Berlin, die Fahrkarten der Gäste. Leißner ist Lokführer bei der S-Bahn und Mitglied bei den Kleinbahnern, Wichardt in der Ausbildung zum Lokführer bei der Odeg. Wegen der Mitgliedschaft überlegt er noch. Ihm gefalle es sehr gut bei den Kleinbahnern, sagte Linus Leißner. "Mein ehemaliger Ausbilder im Bereich Theorie, Uwe Klötzer, hat immer davon erzählt. Da bin ich neugierig geworden." Aktuell lässt sich Linus Leißner zum Lokführer für den Schweizer Triebwagen ausbilden. Den darf bisher nur Andreas Hauschild fahren. Der angesprochene Uwe Klötzer, Vereinsvorsitzender der Kleinbahner, war sehr zufrieden mit dem Tag des Roll-outs. "Es ist schon etwas Besonderes, vor allem auch, weil ja unser Bahnhofsfest in diesem Jahr ausfällt." Bis zum Abend seien 240 Fahrgäste gezählt worden.
Unter ihnen war auch Andreas Heitmann aus Neuenhagen mit Frau und Verwandten. "Ich hatte davon in der Zeitung gelesen und Fahrkarten für Hin- und Rückfahrt reserviert. So eine Bahn in unserer Region zu haben, ist schon etwas Besonderes", sagte er. Imponiert hätte ihm der Enthusiasmus, mit dem die Vereinsmitglieder ihr Hobby lebten und diesen Tag organisiert hätten. "Die sind alle mit sehr viel Herzblut dabei", stellte er fest.
Nächste Fahrten der Buckower Kleinbahn sind am 13. September sowie am 3. und 17. Oktober. Mehr Informationen zur Kleinbahn und den Terminen gibt es auf www.buckower-kleinbahn.de