Müncheberg ist zwar kein Dorf, liegt aber dennoch idyllisch in Märkisch-Oderland und zählt rund 7000 Einwohner. Von denen werden einige auch Hühner halten. Ein Hahn aus Müncheberg beschäftigt nun Behörden und Justiz. Denn dieses Federvieh hält sich nicht an die Nachtruhe.
Wie das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) am Dienstag mitteilte, hat es in einem Eilverfahren die Stadt Müncheberg verpflichtet, eine Ordnungsverfügung gegen den Halter eines Hahns zur Sicherung der Nachtruhe zu erlassen.

Hahn kräht neben dem Schlafzimmer der Nachbarin

Vorausgegangen waren Beschwerden einer Nachbarin des Hühnerhalters wegen anhaltender Störung der Nachtruhe durch nächtliches Krähen.
Laut Darstellung des Gerichts habe die Nachbarin glaubhaft darlegen können, dass der Hahn zeitweise bereits ab 3 Uhr nachts kräht und dies auch um 6 Uhr morgens fortsetzt. „Der Lärm des Hahns war insbesondere im zirka 20 Meter entfernten Schlafzimmer der Antragstellerin deutlich zu hören“, so das Gericht.
Der Hahn wird laut der Mitteilung in einem innerstädtischen Gebiet gehalten, sodass es sich auch nicht um eine landwirtschaftliche Tierhaltung handelt, bei der solche Geräusche eventuell geduldet werden müssten. Deshalb komme laut Gericht für Halter (und Hahn) das Landesimmissionsschutzgesetz zu Anwendung, laut dem zwischen 22 und 6 Uhr die Nachtruhe vor erheblichen Lärm zu schützen ist. Nach dem Gesetz sind auch Tiere so zu halten, „dass niemand durch die Immissionen, die durch sie hervorgerufen werden, mehr als nur geringfügig belästigt wird“, teilte das Gericht mit.

Was die Stadt Müncheberg nun tun muss

Der Stadt Müncheberg wurde daher aufgegeben, den Halter derart in die Pflicht zu nehmen, dass dessen Hahn künftig in der Zeit von 22 bis 6 Uhr in einem geschlossenen und schallisolierten Stall untergebracht wird. Gegen den Beschluss ist die Beschwerde an das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zulässig.
Was das Krähen und die Aktivität der Hähne betrifft, lassen sich nur schwer allgemeine Aussagen treffen, sagt Angela Altmann aus Waldesruh. Sie war Vorsitzende des einstigen Kleintierzuchtvereins D 545 in Waldesruh in der Gemeinde Hoppegarten. Auch wenn es den Verein mittlerweile nicht mehr gibt, so organisieren die Geflügelzüchter dennoch jedes Jahr zu Pfingsten weiterhin den Hahnenschrei-Wettkampf.

Wie oft kann ein Hahn in 30 Minuten krähen? Und wie laut?

Dabei wird gezählt, wie oft ein Tier innerhalb von 30 Minuten kräht. Der Hahn, der am häufigsten sein Kikeriki ruft, hat gewonnen. „Wir hatten schon welche, die haben es auf 40 gebracht“, erzählt Altmann. Was die Lautstärke des Rufs betrifft, kann sie keine Aussage treffen. Ein Forscherteam aus Belgien hat das laut dem Magazin „Zoology“ aber einmal gemessen und ermittelte dabei direkt am Kopf der Tiere einen Schalldruck von mehr 130 Dezibel, was der Geräuschkulisse eines Düsenflugzeugs entspricht.
An- oder abtrainieren könne man das Krähen den Vögeln aber nicht, sagt Altmann. Sie sei einst auch mit einem sehr aktiven Hahn bei einem Wettkampf an den Start gegangen. „Als er dann dabei war, kam nichts mehr“, schildert sie. Bei ihren eigenen Tieren sei es auch so, dass diese auf ihrem Grundstück auf Rufe von Artgenossen in der Nachbarschaft reagieren oder eben auch mal bei Vollmond loslegen, wenn es richtig hell ist.

Es gibt sogar Rassen, die sind Langkräher

Laut Altmann gibt es aber tatsächlich Hühnerrassen, deren Hähne häufiger krähen als andere und auch mit langgezogenem Ton. Die sogenannten Langkräher werden seit Jahrhunderten in Mitteleuropa, im Balkanraum, Kleinasien, Russland, China, Japan und im Süden Ostasiens gezüchtet – unter anderem für das Wettkrähen.
Das Online-Lexikon Wikipedia führt mehr als 20 solcher Rassen auf, die so klangvolle Namen wie Shōkoku, Tōmaru, Tōtenkō, Koeyoshi, Kurokashiwa und Kosovo-Kräher tragen. Um was für eine Rasse es sich bei dem „Störenfried“ in Müncheberg handelt, ist nicht bekannt. Dass Nachbarn von lauten Hähnen nicht begeistert sind, habe Altmann ebenfalls am eigenen Leibe erfahren. Und auch im Internet gibt es etliche Beiträge, die sich mit dem Thema beschäftigen. Altmann meint: Auf dem Land gehört das Krähen der Hähne einfach dazu. Die Stadtverwaltung von Müncheberg wollte sich zu der Entscheidung des Gerichts mit Verweis auf den Datenschutz nicht äußern. „Bei der Einreichung der Klage und der Entscheidung des Verwaltungsgerichtes handelt es sich um ein klassisches Verwaltungshandeln. Dieser Rechtsweg steht jedem Bürger frei“, hieß es aus dem Rathaus.