Rundgang
: MOZ öffnet Türen - ins Umspannwerk

19 Leser haben erfahren, wie der Strom in von Neuenhagen aus in die Steckdose kommt.
Von
Margrit Meier
Neuenhagen
Jetzt in der App anhören
  • Im Wartenraum: Stephan Krinke erläutert, dass von hier aus die großen Transformatoren, die auf dem Freigelände stehen, kontrolliert werden und Umspannwerke sehr viel Platz brauchen.

    Im Wartenraum: Stephan Krinke erläutert, dass von hier aus die großen Transformatoren, die auf dem Freigelände stehen, kontrolliert werden und Umspannwerke sehr viel Platz brauchen.

    Gerd Markert
  • Liegt normalerweise in 1,40 Metern Tiefe: Das ist der Querschnitt eines 110 kV-Erdkabels.

    Liegt normalerweise in 1,40 Metern Tiefe: Das ist der Querschnitt eines 110 kV-Erdkabels.

    Gerd Markert
  • Auf dem Freigelände: die MOZ-Lesergruppe an den riesigen Transformatoren

    Auf dem Freigelände: die MOZ-Lesergruppe an den riesigen Transformatoren

    Gerd Markert
1 / 3

Eine neugierige Lesergruppe war dabei, als die MOZ Mittwoch wieder als Türöffner fungierte. Dahin, wo man nicht alltäglich Zugang hat: Stephan Krinke, Leiter des Hochspannungsbereiches Ost-Brandenburg der E.Dis, und sein Kollege Detlef Leschke, zuständig für die Umspannwerke, waren die Fachleute, die den 18 Männern und Frauen sowie Nele (12) das Umspannwerk in Neuenhagen erklärten. Eine der spannenden Fragen war: Wie kommt der Strom in die Steckdose?

„Früher war das wie eine Einbahnstraße. Der Strom wurde in einem Kraftwerk erzeugt und dann in die Region geschickt und immer weiter heruntertransformiert, bis er beim Kunden aus der Steckdose kam“, erzählte Stephan Krinke. Das Prinzip ist geblieben. Herausforderung der neuen Zeit sind die mittlerweile sehr vielen regenerativen Einspeiser. „Das bedeutet, dass der Strom nun in beide Richtungen fließt. Gibt es viel Wind oder Sonne, gibt es auch viel mehr Energie, als die Netze vertragen. Wir müssen dafür sorgen, dass das Netz stabil bleibt und nicht überlastet wird“, ergänzte Detlef Leschke. Das Ganze heißt im Fachdeutsch Lastflussrichtung. Und das Problem ist, dass es zwar Versuche, beispielsweise mittels Elektrolyse, gibt, überschüssige Energie zu speichern, eine richtig gute Lösung aber noch nicht gefunden wurde.

Netzleitstelle sitzt in Potsdam

Welchen Zusammenhang es zwischen 50Hertz, dem direkten Nachbarn des E.Dis-Umspannwerks, und der E.Dis gebe, wollte Leser Holger Ruppert aus Hönow wissen. „Ganz einfach: 50Hertz Transmission GmbH ist der bundesweite Netzbetreiber, die E.Dis der regionale. Von hier aus versorgen wir das Gebiet von Schwedt bis Neuzelle. Es gibt aber noch die Regionalbereiche Nord mit Mecklenburg-Vorpommern und West, unter anderem mit Westberlin und Potsdam“, sagte Krinke. Er präsentierte Zahlen. So sind es nur 50 Mitarbeiter, die sich darum kümmern, dass alle zu seinem Bereich gehörenden Freileitungen 365 Tage im Jahr fit bleiben, die Umspannwerke zuverlässig arbeiten und die Kunden schwankungsfrei mit Strom versorgt werden. Die Netzüberwachung erfolgt zentral in der Netzleitstelle Potsdam.

Die E.Dis habe derzeit eine Gesamtnetzlast von 2400 Megawatt. Dem gegenüber stehen13 000 Megawatt Einspeiseleistungen von regenerativen Energien, also ein Vielfaches dessen, was eigentlich vorgesehen ist.16 000 weitere Megawatt sind beauftragt. „Das bedeutet, dass wir unser Netz ausbauen müssen. Doch wir kommen nicht so schnell hinterher, sind den üblichen behördlichen Genehmigungen unterworfen“, sagte Krinke. Allein ein Planfeststellungsverfahren bedeutet, dass es zwischen fünf und zehn Jahren dauert, ehe die Genehmigung vorliegt.

Was besser sei? Freileitung oder Erdkabel? Da antwortete Krinke lächelnd mit Zahlen: Ein Kilometer Freileitung kostet zwischen einer und anderthalb Millionen Euro, Erdkabel liegen bei 4,5 bis 16 Millionen Euro.

771917

Große Mengen Öl als Isolator

Der Strom kommt in Neuenhagen auf der 380/220-kV-Spannungsebene, der Höchstspannung, an und wird in einem ersten Schritt auf 110 kV heruntertransformiert. Das passiert in drei riesigen Transformatoren auf dem Freigelände, wo die Gäste trotz der 32 Grad Celsius geduldig zuhörten. Und sich erklären ließen, wofür welche Leitung zuständig ist, dass die Betonwände zwischen den Trafos für den Brandschutz errichtet wurden. Sie sahen Erdungstrenner und Kabelableitgerüste und erfuhren, dass große Mengen Öl als Isolator im Transformator dienen.

Ob es denn noch Messwagen gebe, die vor Ort fahren, falls doch mal etwas kaputtgegangen ist, wollte ein Leser wissen. „Ja, aber das Reparieren von Erdkabeln ist immens schwierig geworden. Dafür brauchen wir Partnerfirmen und solche Monteure sind Goldstaub. Es dauert mehrere Tage, bis der Fehler behoben werden kann. Bei Freileitungen ist das wesentlich einfacher. Einen Seilriss beheben wir in drei Stunden“, sagten Krinke und Leschke unisono. Sie betonten aber, dass es in den vergangenen Jahren kaum zu größeren Problemen gekommen sei.

Zurück von der Außenbesichtigung durften sich die Leser dann noch im Schaltanlagenraum umsehen. Denn mit dem Heruntertransformieren auf 110 kV ist es nicht getan. „Von hier aus wird der Strom zu den vielen bunt bemalten Trafostationen in den Ortschaften verteilt, weiter heruntertransformiert, bis er schließlich mit 230 Volt beim Kunden in der Steckdose anliegt“, berichtete Detlef Leschke. Jörg Winter aus Hoppegarten zückte den Fotoapparat. „Das hier ist mein Schaltschrank“, sagte er begeistert. Erkennen konnte er das daran, dass jeder dieser Schränke eine genauer Straßenbezeichnung trägt.

Krinke und Leschke öffneten auch einen kleinen Raum, bestückt mit zwei unabhängig voneinander agierenden Batterieanlagen, die bei Stromausfall mindestens für acht Stunden Hilfsenergie bereithalten, um die Technik im Umspannwerk weiterbetreiben zu können. Für den großen Problemfall gibt es ein Notstromaggregat, das fünf Tage durchhält. Interessiert waren die Gäste aber auch an großen gelben, wie Lanzen aussehenden Geräten. Dabei handelte es sich um Spannungsprüfer.

„Es gehört schon einiges dazu, die Steckdose zu versorgen. Man versteht nicht alles, aber, man kann staunen“, sagte dankbar Leser Heinz Dorow aus Strausberg, für den der Besuch eines Umspannwerkes Premiere war. Ob denn so ein Stromausfall wie in Lateinamerika auch bei uns möglich sei, wurde abschließend gefragt „Wir tun alles dafür, dass das nicht passiert. Aber wenn wir den Netzausbau nicht schneller voranbringen, wird es langfristig zu Instabilitäten kommen“, sagte Stephan Krinke.