Auch Olaf Hofschulz war an diesem Tag im gesamten Gebäude mit Maske zur Vorstellungsrunde unterwegs und begrüßte jede Klasse persönlich – der 54-Jährige trat zum 1. August die Nachfolge der nach 26 Jahren ausgeschiedenen Schulleiterin Edelgard Pecher an. Für ihn kam die Entscheidung des Staatlichen Schulamtes trotz Mitbewerber überhaupt nicht überraschend: "Es war ein langer Prozess, sehr aufregend", viele Hürden hätten genommen werden müssen, bis endlich klar war, wer die Führung übernimmt. Am Einstein-Gymnasium ist Hofschulz kein Unbekannter, mit der Schule ist er seit 1998 als fest angestellter Lehrer für die Fächer Mathematik, Physik und Astronomie verbunden. Seiner Meinung nach tragen jedoch mit Einstein als Identifikationsfigur alle gelehrten Fächer zum naturwissenschaftlichen Verständnis der Welt bei: "So wie Einsteins humanistische Einstellung seine Sicht auf die Dinge geprägt hat."

Hefter trotz iPad

Gestartet ist der gebürtige Müncheberger am Gymnasium Mitte der 1990er-Jahre als Kurvertretung für seine ehemalige Lehrerin, damals mit Edelgard Pecher als Schuldirektorin. Dass der Neuenhagener einmal ihren Chefsessel übernimmt, war für den Vater von zwei Kindern zu diesem Zeitpunkt kaum vorstellbar. Heute sagt er: "Für mich kam es woanders nicht in Frage, als Schulleiter anzufangen."
Nach dem Abitur in Strausberg und Lehramts-Studium in Potsdam zog es ihn zunächst in den Berliner Raum zum Referendariat. Er hatte sich anschließend deutschlandweit beworben. Ausgerechnet in Neuenhagen bekam er seine erste Vertretungsstelle angeboten, machte einen Abstecher nach Wriezen und kehrte 1998 wieder zurück. Neben Dagmar Schaar war der Naturwissenschaftler bisher als zweiter stellvertretender Schulleiter im Einsatz. Schülergenerationen schätzen seinen praxisorientierten Unterricht in Zusammenhang mit dem Aufbau einer Sternwarte, die er auch betreut. "Ich war kaum hier, da hatte ich schon eine Astro-AG gegründet und bin mit den Schülern zur Überbrückung in den eigenen Garten oder aufs Feld gegangen."
Seine privat aufgebauten Netzwerke und die Erfahrung als Fachberater für Physik mit Kontakten zu Brandenburger Schulen möchte Hofschulz nutzen, um die Entwicklung des Gymnasiums weiter voranzutreiben. Derzeit ist er für 881 Schüler und 69 Kollegen, darunter fünf Referendare, verantwortlich. Die neue Leitungsfunktion erfordert neben dem Repräsentieren regelmäßige Hospitanzen, Personalgespräche, das Erteilen von Auskünften und die Beantwortung von Anfragen. Nebenbei kümmert sich Hofschulz um sein Lieblingsprojekt: die Sternwarte, und fördert die digitale Entwicklung der Schule.
2015 bekam das Gymnasium durch die Initiative "Medienfit" 150 Geräte für den Unterricht mit digitalen Lehrmitteln zur Verfügung gestellt. Das erste Mal sind jetzt alle sechs 7. Klassen mit Tablets ausgestattet und arbeiten auf iPads, wo sämtliche Schulbücher, Protokolle, Tabellen und Anleitungen gespeichert sind. "Die Schüler sind damit digital viel kreativer im Einsatz als zuvor", sagt Hofschulz aus Erfahrung. Das Schreiben falle aber nicht automatisch weg, bis zur neunten Klasse sollen parallel Hefter geführt werden. Der Zugang zum Internet und das Herunterladen von Apps werden bedarfsgerecht eingeschränkt.
Seine Technik-affinen Lehrer lernten in dieser "Übergangsphase" selbst, was in Zukunft alles möglich sei, sagt Hofschulz. Inzwischen habe sich auch der Landkreis auf den "multifunktionalen Werkzeugkoffer" eingestellt – denn bis zum kommenden Schuljahr sollen alle Gymnasien in Märkisch-Oderland mit Tablets ausgestattet sein.