Strausberger, die zwischen dem Dichter- und Denkerviertel mit der Schillerstraße und dem OBI-Markt in der Prötzeler Chaussee wohnen, können ein Lied davon singen. Dreimal in diesem Jahr, im Juli, Oktober und Anfang November, gab es in diesem fünf Kilometer langen Bereich einen großflächigen Stromausfall. Jedes Mal war dasselbe Mittelspannungskabel beschädigt, jedes Mal wurde der Ausfall durch Fremdeinwirkung verursacht, sagt Michael Drieschner, Fachbereichsleiter Stromnetz bei den Stadtwerken Strausberg.
Beim jüngsten Zwischenfall beispielsweise war das Kabel bei Baggerarbeiten auf einer Privatbaustelle am Kreisel in der Nordstraße beschädigt worden. "Wie die anderen Ausfälle auch hätte dieser verhindert werden können, wenn alle Vorgaben eingehalten worden wären", sagt Drieschner. Diese seien für jedes Bauvorhaben gleich und verpflichtend, egal ob es auf privaten oder öffentlichen Grundstücken stattfindet.
Drei verbindliche Vorgaben
Im Wesentlichen müssten drei Punkte eingehalten werden. Als Erstes müssten sich die jeweiligen Bauherren eine Auskunft beim Netzbetreiber, den Stadtwerken, einholen, wo auf ihrem Baugrundstück Kabel und Leitungen verlaufen. Wenn das passiert sei und bei den Arbeiten bemerkt werde, dass diese in die Nähe der Kabel kommen, müssten die Stadtwerke zwingend informiert werden, was am Kreisel ausgeblieben sei. "Wir schicken dann einen unserer Mitarbeiter, der vor Ort eine Einweisung vornimmt. Sind die Arbeiten in einigem Abstand von den Kabeln geplant, wird der Kabelverlauf mit einem Markierungsspray gekennzeichnet. Kommen die Arbeiten sehr nah an die Leitungen, muss der Bereich unter unserer Aufsicht freigelegt werden", erklärt Drieschner. Welche Variante zum Einsatz komme, werde vor Ort entschieden. Die dritte Vorgabe betrifft das ordnungsgemäße Verschließen der Erdlöcher mit freigelegten Leitungen. "Wenn die Bauarbeiten beendet sind, sollen die Leitungen umsandet werden", sagt Drieschner. Bei einigen Baustellen werde aber Schutt ­drübergekippt – eine Fehlerquelle für Stromausfälle, denn dadurch könnten die Leitungen beschädigt werden.
Nicht immer lassen sich die Verursacher der Schäden ermitteln. Für den Stromausfall im Oktober war zum Beispiel eine Scherbe in der Schillerstraße verantwortlich, die von einer Abwasserleitung aus Ton stammt, und auf das Mittelspannungskabel drückte. "Das muss bei Bauarbeiten passiert sein, lässt sich aber nicht mehr nachweisen", sagt Drieschner. Die Ursache für den Stromausfall im Juli schon. "Er wurde durch ein Fundament unter einem Müllplatz in der Predigerstraße ausgelöst, das auf der Leitung lag", sagt Drieschner. Da sich der Verursacher hier ebenso ermitteln ließ wie der am Kreisel, seien beide Fälle an deren Versicherungen übergeben worden. "Das ist wichtig für die Regulierung der Schäden, die durch den Stromausfall entstanden sind", sagt Michael Drieschner. So hätten beispielsweise Stromkunden, deren Haushaltsgeräte dadurch kaputt gegangen seien, Anspruch auf Schadenersatz. "Sie können sich in solchen Fällen an uns wenden. Voraussetzung für eine Erstattung ist ein Gutachten durch eine Elektrofachfirma, das nachweist, dass der Schaden durch den Stromausfall entstanden ist."
Prinzipiell versuche man bei einem Stromausfall immer, innerhalb von 25 Minuten vor Ort zu sein, um den Fehler zu lokalisieren, sagt Drieschner. "Die Lokalisierung und Behebung des Fehlers managt unser Netzbetriebsführer E.DIS Netz GmbH, der auf Monitoren einen Überblick über die 130 Kilometer Mittelspannungskabel hat, die durch Strausberg führen." Sie sind in Schutzabschnitte eingeteilt, beispielsweise den oben genannten von der Schillerstraße zum Finanzamt mit 16 Trafostationen. In den Trafos wird die Mittel- in Niederspannung transformiert, die üblicherweise die Privathaushalte versorgt. "Unser Lokalisator fängt bei der Fehlersuche in der Mitte des Abschnittes an und überprüft Station für Station." Dass bei Stromausfällen nicht alle Straßenzüge in dem Schutzbereich dunkel seien, liege daran, dass hier mehrere Mittelspannungskabel durchlaufen – so zum Beispiel auch in der Großen Straße.
Kundenhinweise notwendig
Um schnell reagieren zu können, sei man übrigens immer auf Hinweise der Kunden angewiesen, sagt Stadtwerke-Fachbereichsleiterin Energiehandel Stefanie Pflügner. So sei beim Ausfall Anfang dieses Monats zuerst nur ein Schaden am Mittelspannungskabel gemeldet worden. "Dass auch ein Niederspannungskabel betroffen war, haben wir erst durch einen Anruf eines betroffenen Kunden erfahren, als der Schaden am Mittelspannungskabel längst lokalisiert und die Versorgung wieder hergestellt war." Dadurch seien noch einige Hauseingänge in der Müller- und Göringstraße dunkel gewesen. Von Stromausfällen betroffenen Kunden rät sie, die Ruhe zu bewahren, Kühlschränke und -truhen zuzulassen und bei Gefahr für Leib und Leben ins Krankenhaus zu fahren, wo es ein Notstromaggregat gebe. "Und wenn die Mitarbeiter auf der Störungshotline sagen, wir sind dran, dann sind wir auch dran. Hier sollten uns die Kunden vertrauen – die Kollegen fahren nach Kenntnis sofort los."
Die Störungshotline der Stadtwerke (Tel. 03341 345456) ist rund um die Uhr erreichbar.