Die Siedlergemeinschaft „Waldidyll“ Neuenhagen Süd hat ihre ehrenamtliche Arbeit eingestellt. Der Verein befindet sich in der Auflösung. Zum Jahreswechsel wird er aus dem Vereinsregister gelöscht.
Ihr beträchtliches Vermögen hat die Siedlergemeinschaft auf den Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Neuenhagen übertragen. Die Freude dort über die unerwartete Überraschung zur Weihnachtszeit ist riesig.

18.000 Euro für die Freiwillige Feuerwehr

„Wir sind wirklich völlig überwältigt, natürlich auch von der Höhe der Summe“, sagte Sylvia Schridde-Apitz am 21. Dezember auf Nachfrage unseres Medienhauses. Die Vorsitzende des Fördervereins der Feuerwehr hatte zuvor einen Scheck in Höhe von fast 18.000 Euro von der Siedlergemeinschaft entgegengenommen. „Das ist etwas Neues für uns. So eine hohe Spende haben wir noch nie bekommen. Normalerweise bewegen sich Spenden zwischen 50 und 500 Euro.“
Wie der Förderverein das Geld verwendet, steht laut seiner Vorsitzenden noch nicht fest. „Es gibt noch keine Ideen.“ Klar sei, dass das Geld der Freiwilligen Feuerwehr der Gartenstadt und ihren verschiedenen Sparten zugute komme. „Der Vereinsvorstand wird Vorschläge vorlegen, die wir dann mit unseren Mitgliedern diskutieren. Wie das Geld auf die Sparten verteilt wird, beschließen wir dann auf der Mitgliederversammlung, die im Februar oder März stattfindet“, so Sylvia Schridde-Apitz.

Der Siedlergemeinschaft fehlt Nachwuchs

Während die Stimmung beim Förderverein und der Feuerwehr ob der unverhofften Geldspritze bestens ist, ist sie bei den verbliebenen Mitgliedern der Siedlergemeinschaft angesichts der beschlossenen Vereinsauflösung zum Jahreswechsel ein wenig getrübt. Da hilft das Wissen, anderen eine große Freude zur Weihnachtszeit bereitet zu haben, nur bedingt. „Ein bisschen Wehmut kommt schon auf. Vor allem, wenn man wie ich sehr, sehr lange im Verein aktiv war“, sagte Hans-Joachim Huth am 22. Dezember. Er gehörte dem Vereinsvorstand 17 Jahre an, zuletzt war er Vorsitzender.
Ihm zufolge sind die Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren stark gesunken. Zuletzt seien es nur noch um die 70 „ältere Semester“ gewesen. Es sei nicht gelungen, Nachwuchs für die Siedlergemeinschaft zu gewinnen. „Wir haben auch keine Nachfolger gefunden, die die Vorstandsarbeit übernehmen und den Verein in die Zukunft führen“, erläuterte Hans-Joachim Huth. Deshalb sei den verbliebenen Mitgliedern nichts anderes übrig geblieben, als den Verein aufzulösen.

Vereinsgrundstück fällt an Gemeinde

Dass das übrige Vereinsvermögen im Auflösungsfall auf einen anderen Verein übertragen wird, sei in der Satzung festgelegt gewesen. „Das ist wirklich eine gute Sache, weil es Streit darüber, was mit dem Geld geschehen soll, ausschließt. Alles ist von vornherein geklärt.“ Er könne anderen Vereinen nur empfehlen, so einen Passus in die Satzung aufzunehmen. Man habe dann im Zuge der Vereinsauflösung im Vorstand einvernehmlich entschieden, dass die Feuerwehr das Vereinsvermögen erhält, und deshalb dem Förderverein das Geld zu übergeben.
Die Summe sei so hoch gewesen, weil wir „wegen der Corona-Pandemie nicht mehr viele Ausgaben hatten“, die Mieteinnahmen von der Gaststätte auf dem Vereinsgrundstück in der Kleiststraße 1 aber weiter eingegangen seien. Ab Januar gehen die Mieteinnahmen übrigens an die Gemeinde. Laut Satzung wird ihr das Vereinsgrundstück zum Jahreswechsel übertragen.

Mehr als 1.000 Mitglieder zu DDR-Zeiten

Die Siedlergemeinschaft „Waldidyll“ Neuenhagen Süd hatte im Dezember 1928 ihre Arbeit aufgenommen. Die Mitglieder gaben Tipps und Hinweise für die Menschen, meistens Berliner, die sich auf den Parzellen des ehemaligen Ritterguts Bollensdorf angesiedelten. Die Mitgliederzahlen stiegen kontinuierlich und erreichten in der DDR mit mehr als 1.000 ihren Höhepunkt. In dieser Zeit der Mangelwirtschaft war der Verein erster Ansprechpartner, wenn es darum ging, Bau- oder Futterstoffe zu organisieren.
Nach der Wende von 1990 gingen die Mitgliederzahlen wieder nach unten. Der Verein mit seinem Vorsitzenden Hans-Joachim Huth, Schatzmeisterin Lydia Schiecke und dem langjährigen Vorstandsmitglied Dietrich Gaude versuchte letztlich vergeblich, mit diversen Angeboten – darunter Beratung in Rechtsfragen, Tipps für Gartenfreunde, aber auch Tagesfahrten, Konzerte und Adventsfeiern – sein Überleben zu sichern.