Standort-Ausbau
: Aerotours investiert Millionen am Strausberger Flughafen

Die Aerotours GmbH baut eine Flugzeugwerft am Strausberger Flugplatz, im Herbst soll der Betrieb starten. Außerdem schafft das Unternehmen einen neuen Flugsimulator an.
Von
Jens Sell
Strausberg
Jetzt in der App anhören

Die Zukunft der Luftfahrtfirma: Während Firmengründer Michael Hanke kurzfristig mit der Cheyenne nach Ungarn fliegen musste, stellt Robert Hanke, Geschäftsführer der Strausberger Aerotours GmbH, die neue Flugzeugreparaturwerft am Flugplatz Strausberg vor.

Jens Sell

Damit man sie im Inneren besser rangieren kann, gibt es auf der linken Hallenseite einen großen Drehteller mit 20 Metern Durchmesser. Was da an der neuen Gewerbestraße auf dem Straus­berger Flugplatz entsteht, ist eine Millionen-Investition des Strausberger Luftfahrtunternehmens Aerotours GmbH von Michael und Robert Hanke, Vater und Sohn.

Im Herbst soll das Bürogebäude fertig werden. Es birgt nicht nur die zehn Büros mit Arbeitsplätzen für bis zu 30 Leuten, sondern als Herzstück hinter einem weiteren Rolltor den Raum für den neuen Airbus-Simulator A 320 Neo, der beim Hersteller in Riga darauf wartet, dass das Gebäude fertig wird. Für die international stark nachgefragte Verkehrspilotenausbildung von Aerotours heißt das, dass dann auch die Musterberechtigung für den Airbus, der immerhin in 60 Prozent aller Airlines geflogen wird, am Strausberger Flugplatz angeboten werden kann.

Wenn die Firma das neue Gebäude vollständig in Besitz nimmt, heißt das nicht, dass der Flachbau nördlich des Restaurants Doppeldecker leer gezogen wird. Dort stellen sich die beiden Geschäftsführer Michael Hanke, der Vater und Firmengründer, und Robert Hanke eine Art Campus der Flugschule vor. Schließlich kommen die Schüler nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Südeuropa und Lateinamerika. Mehrere Franzosen erlangen ebenfalls gerade am Straus­berger Flugplatz die Verkehrspiloten-Ausbildung. Dazu werden auch schon ein Cockpit-Simulator und viele andere Trainingsgeräte genutzt. Der neue Simulator werde vor allem für das Trainieren des Zusammenwirkens mit der Crew geeignet sein. Die Grundausbildung zum Verkehrspiloten dauert zwei Jahre in Vollzeit. In letzter Zeit fragen auch Piloten aus Großbritannien verstärkt nach, weil für sie die Erneuerung europäischer Lizenzen nach dem EU-Austritt schwieriger wird.

Mittlerweile fertig gestellt und von allen Gutachtern abgenommen ist die Halle, deren südlicher Teil für das Abstellen der 13 Maschinen des Luftfahrtunternehmens Aerotours genutzt wird. Im nördlichen Teil wird die Flugzeugwerft errichtet. Noch warten die Firmeninhaber auf die Nutzungsfreigabe durch die Bauaufsicht und die Genehmigung durch das Bundesluftfahrtamt: „Aber alle Anträge und Handbücher sind eingereicht, wir sind fit, um die Flieger zu warten und zu reparieren“, sagt Robert Hanke zuversichtlich.

Mit Bedarf ist zu rechnen

Neben den eigenen werden auch andere der rund 70 auf dem Straus­berger Flugplatz stationierten Flugzeuge die Dienstleistungen der neuen Flugzeugwerft in Anspruch nehmen. Prüfingenieure und Mechaniker werden noch eingestellt. Die nächste Flugzeugwerft der Region ist in Schönhagen, oft muss man aber nach Kamenz oder Hannover fliegen.

Derzeit sind die Handwerker noch voll zugange. Im Bürogebäude werden die Fußböden verlegt, die Fußbodenheizungen dienen auch der Klimatisierung. Übrigens ist die Halle voll beheizt, was angesichts zweier 25 Meter breiter und fünf Meter hoher Tore eine echte Herausforderung darstellt. Die Fassaden des Bürogebäudes sind in Arbeit, der Innenausbau folgt umgehend. Robert Hanke hält die Fäden selbst in der Hand. Durch die Corona-Krise hat es nur wenige Verzögerungen gegeben, weil Zulieferungen aus dem Ausland stockten.

Ab 17. Juni 2021 Instrumentenanflug

Für den Flugplatz Straus­berg beginnt am 17. Juni 2021 ein neues Zeitalter ­–­ das Instrumentenanflugverfahren wird  eingeführt.

"Für uns ist das wichtig, um dann in unserer neuen Halle auch größere Jets reparieren zu können", sagt ­­Robert Hanke. Auch für die Verkehrspilotenausbildung bei Aerotours ist der Instrumentenanflug wichtig.

Für den FlugplatzStrau­sberg bedeutet die Einführung eine Reihe bis dahin zu lösender Aufgaben:Die Flugrouten sind zu planen.Das Feuerwehrauto ist fit zu machen.Die Mitarbeiter müssen geschult werden.Die Infrastruktur muss angepasst werden – so muss der Taxiway A verbreitert werden.Es müssen jede Menge Handbücher erstellt werden.Die Wetterstation muss erneuert werden.

Kommentar der Flugplatz-Leitung: Berlin, Europa und die Welt rücken näher  dank GPS-Approach.

Der Flugplatz Strausberg kann dann auch unter IFR-Bedingungen per GPS-Anflugverfahren auf beiden Betriebsrichtungen angesteuert werden. ⇥js