Störche in Prädikow: Hat das Küken von der Straße überlebt?

Das vom Straßenrand gerettete Storchenküken im Gras am Nest und in einem Karton auf Heu, eins der Alttiere auf dem Hausdach am Horst: Wurde der Jungvogel von den Eltern aus dem Nest geworfen?
Stephan Dreyse- An der B168 in Prädikow wurde ein Storchenküken gefunden – wenige Meter vom Nest entfernt.
- Passanten sicherten das Tier und suchten Hilfe; drei Jungtiere waren dieses Jahr im Nest.
- Expertinnen und Experten raten von privater Aufzucht ab, da Verletzungen unklar sein können.
- Das Küken kam in eine Auffangstation, doch es starb am Abend des 27. Mai.
- Obduktion ergab: ein heilbarer Flügelbruch, jedoch tödliche innere Blutungen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es war eine ungewöhnliche Entdeckung, die Stephan Dreyse am Dienstagmorgen, 26. Mai, in Prädikow machte. Der Strausberger war auf einer Fahrradtour unterwegs und sah an der viel befahrenen B168 auf der anderen Straßenseite etwas Weißes und Flauschiges: ein Storchenküken.
Nur wenige Meter von der B168 zurückgesetzt befindet sich ein Mast mit einem Storchennest. Seit vielen Jahren zieht dort ein Elternpaar Jungtiere in wechselnder Anzahl auf.
Dreyse sicherte das Storchenküken: „Es wäre sonst garantiert von den nahenden Autos überfahren worden“, so der Strausberger. Vorsichtig legte er es zunächst im Gras unterhalb des Nestes ab. Das Tier wirkte zwar geschwächt, aber lebenswillig.
Nur wenige Stellen für fachkundige Hilfe in der Region
Zufällig kam eine Anwohnerin vorbei, die unterstützte. Für Birgit Jenssen sind die weiß-schwarzen Vögel praktisch Nachbarn. Sie holte auch Renate Wolff dazu, die von ihrem Haus einen guten Blick auf den Horst hat und die Störche regelmäßig beobachtet.
Sie wusste zu berichten, dass es seit dem 6. Mai dieses Jahr insgesamt drei Jungtiere im Nest gibt, die ausgebrütet wurden. Da das Nest relativ tief ist, seien Einzelheiten schwer zu erkennen. Kurz vor dem Überraschungsfund habe ihr Mann jedoch gesehen, dass einer der Altvögel mit einem Jungtier vom Horst wegflog.
Das Trio bemühte sich, Fachleute zurate zu ziehen. Erste Versuche mit Anrufen und weiterer Suche im Netz blieben aber zunächst ohne greifbares Ergebnis.
Tatsächlich gibt es nicht viele Stellen, die in solchen Fällen die richtige fachkundige Hilfe bieten können, erklärt auf Nachfrage Karsten Matschei, der im Naturschutzbund (Nabu) Berlin aktiv und als Vorsitzender des Vogelschutz-Vereins Aquila einer der wenigen Experten in der Region ist. Früher hatte er selbst eine Storchenauffangstation, die aus Geldmangel aber schließen musste. Jetzt gebe es im weiteren Brandenburger Umland nur noch eine – die von Nabu-Vereinsmitglied Roland Heigel im Raum Oranienburg.
Wildtiere aufnehmen – was erlaubt ist
Alle Wildtiere sind grundsätzlich geschützt. Eine Aneignung oder der Besitz sind daher in der Regel verboten.
Eine Ausnahme bilden verletzte, hilflose oder kranke Wildtiere. Sie dürfen aufgenommen werden, wenn sie gesund gepflegt werden sollen.
Wichtig dabei: Die Aufnahme ist nur zulässig, um dem Tier zu helfen. Das Tier muss unverzüglich wieder freigelassen werden, sobald es selbstständig überleben kann. Ist das nicht möglich, muss es an die zuständige Naturschutzbehörde oder eine von ihr benannte Stelle übergeben werden. Bei streng geschützten Arten muss die Aufnahme der zuständigen Behörde gemeldet werden. Die Behörde kann verlangen, dass das Tier herausgegeben wird.
(Quelle: NABU)
Dass Elterntiere einzelne Jungen aus dem Nest werfen, komme immer mal wieder vor, sagt Matschei. Ganz genau seien die Gründe wissenschaftlich bis heute nicht geklärt. In der Regel handele es sich aber um Storchenküken, die erkennbar gehandicapt seien oder schon dadurch auffielen, dass sie nicht richtig fressen wollten.
Storchenexperte aus Berlin sieht Chance, wenn Fachleute helfen
Der Berliner Experte rät dringend davon ab, gerade solche erst wenige Wochen alten Jungtiere selbst aufpäppeln und durchbringen zu wollen – das sei wenig erfolgversprechend. Zum einen müssten die tierischen Schützlinge ausreichend gefüttert werden. Zum anderen wisse man im konkreten Fall nicht, ob sich der kleine Vogel beim Sturz aus der Höhe ernsthafte Verletzungen zugezogen habe. Selbst ein normaler Tierarzt hätte da vermutlich mangels Erfahrung mit Störchen gewisse Probleme, eine genaue Diagnose zu stellen.
Unter fachlicher Obhut gebe es selbst für abgestürzte oder von den Eltern hinausgeworfene Storchenküken recht gute Überlebenschancen. Matschei erinnert sich etwa gut an ein Jungtier, das einst in Oranienburg in der Auffangstation umsorgt wurde. „Ich habe den Storch dort beringt. Und später tauchte er im Barnim auf, wo er gebrütet hat“, berichtet er von dieser Erfolgsgeschichte.
Kein Happy End für den Jungvogel aus Prädikow
In Prädikow hatten die Nachbarn am 26. Mai schließlich doch noch Glück und fanden eine Auffangstation. „Birgit Jenssen und ihr Mann haben Fachleute erreicht und sich auf halber Strecke nach Magdeburg mit Vertretern der Auffangstation getroffen und das Küken übergeben. Zu dem Zeitpunkt hieß es noch, das Küken habe gute Chancen, wenn es die nächsten beiden Tage übersteht“, berichtete Stephan Dreyse, der weiter mit den Prädikowern in Kontakt stand.
Allerdings hatte diese Geschichte dann doch kein gutes Ende: Nur einen Tag später, am Abend des 27. Mai, ist das Storchenküken gestorben. „Eine Obduktion durch die Fachleute vor Ort ergab einen gebrochenen Flügel, der hätte geheilt werden können. Allerdings hatte das Jungtier auch innere Blutungen, an denen es wahrscheinlich letztlich verstorben ist“, erfuhr Stephan Dreyse. „Leider kein Happy End, doch wir bereuen es nicht, etwas unternommen zu haben. Es hat nur offenbar wirklich nicht sein sollen.“

