Strandbad in Hennickendorf: Stienitzsee hat jetzt eine barrierefreie Badestelle

Ein Baderollstuhl ermöglicht Menschen mit Handicap das Baden im Stienitzsee. Mario Harms, Roland Pravida (4./5. v. l.) und Gaby Schroeder (vorne) vom Verein „Respekt statt Mitleid“, Strandbad-Betreiber David John (r.), Bürgermeisterin Sabine Löser (l.), LVKM-Landesverbandsvorsitzender Michael Eulgem (2. v. l.) und Landesbehindertenbeauftragte Janny Armbruster feiern das barrierefreie Strandbad.
Annemarie DiehrSie haben ein Auto versteigert, andere für ihre Idee begeistert und vor allem eins — nicht locker gelassen. Die Hartnäckigkeit der Mitglieder des Vereins „Respekt statt Mitleid“ hat sich ausgezahlt: Das Strandbad am Stienitzsee ist jetzt barrierefrei. „Wir sind unsagbar stolz darüber“, sagte bei der offiziellen Eröffnung am Sonnabend (22. Juni) in Hennickendorf Vereinssprecher Roland Pravida.
Menschen, die auf einen Rollstuhl, Rollator oder Krücken angewiesen sind, gelangen von nun an ohne Hilfe über eine gepflasterte Rampe bis an den Sandstrand und dort über spezielle Matten bis ans Wasser. Der Abstieg vom Strandbad-Eingang bis ans Ufer mit 18 Prozent Gefälle hinderte bisher Badegäste mit Handicap daran, ohne die Hilfe anderer die Badestelle zu erreichen. Das betrifft auch Frauen und Männer mit Kinderwagen so die Einschätzung von Janny Armbruster. Die Behindertenbeauftragte des Landes Brandenburg nannte das Strandbad in Hennickendorf einen „Ort für alle“.
Seit 2021 plant Verein in Hennickendorf barrierefreien Umbau
Aus persönlicher Betroffenheit heraus — die Tochter von Vereinschef Mario Harms hatte bei einem tragischen Unfall einen Hirnschaden erlitten und ist seitdem pflegebedürftig — plant und realisiert der Verein seit Anfang 2021 den Strandbad-Umbau. Rund 180.000 Euro habe der Bau der Rampe gekostet, informierte die Schatzmeisterin des Vereins, Gaby Schroeder. Unternehmen wie Cemex, Thomas Betonbauteile, Graf, Schadock, Schlosserei Detert und BUG leisteten nicht nur Spenden in Form von Baumaterial und Geld, sondern packten auch tatkräftig mit an.

An der neuen Rampe im Strandbad Stienitzsee in Hennickendorf werden demnächst noch Bänke installiert.
Annemarie DiehrIn einem ersten Schritt war im Vorfeld der Badesaison 2023 der steile Weg aus Schotter und Betonplatten bis zum Strand verlängert und abgesenkt worden, sodass die fünf Höhenunterschied-Meter von Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern bequem bewältigt werden können. Außerdem waren entlang des rund 50 Meter langen Weges, der auch für Rettungsfahrzeuge befahrbar ist, Betonteile als Begrenzung und für das Geländer gestellt worden. Nach dem Ende der Badesaison hatten sich im zweiten Bauabschnitt unter anderem Pflasterarbeiten angeschlossen.
Spezieller Rollstuhl ermöglicht behinderten Menschen das Baden
„Die Rampe ist gut“, lautete das Fazit von Elisabeth Pelster, nachdem sie ihren Sohn im Rollstuhl den Weg einmal hinab und wieder hinaufgeschoben hatte. Eine solche Rampe und eine behindertengerechte Toilette, wie sie im Strandbad vorhanden ist, seien 90 Prozent der Miete, damit sich Menschen mit Handicap an einem solchen Ort willkommen fühlen. Nur baden, sagte die Besucherin, habe ihr Sohn nicht können: Der anfängliche Regen und die Temperatur am Sonnabendvormittag ließen es nicht zu. Umsetzbar gewesen aber wäre es, denn die Behindertenbeauftragte und der Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (LVKM) Berlin-Brandenburg haben zusammengepackt und dem Verein einen Baderollstuhl spendiert. Wert: 4.500 Euro.
Als „Leuchtturm für das Land Brandenburg“ bezeichnete Michael Eulgem, Vorsitzender des LVKM-Landesverbandes, das barrierefrei ausgebaute Strandbad — eines der wenigen seiner Art in Brandenburg. Dessen Betreiber, David und Maria John, unterstützen das Vorhaben von Beginn an. Einrichtungen wie die Kristallkinder Intensivpflege GmbH waren in der Vergangenheit schon gerngesehene Gäste; für sie haben sich die Badebedingungen nun deutlich verbessert.
Strandbad in Hennickendorf bekommt Rampe bis ans Ufer
Rundum zufrieden ist der Verein „Respekt statt Mitleid“, der nach Auskunft von Gaby Schroeder durch starken Zulauf im vergangenen Jahr von anfangs drei auf mittlerweile 38 Mitglieder gewachsen ist, noch nicht. Vor die mit Holz verkleidete Rampe kämen noch Bänke, erläuterte Roland Pravida. „Außerdem fehlt der bauliche Anschluss ans Wasser.“ Eine Rampe, etwa aus Metall, soll die Matten ersetzen. Die ursprünglich angedachte Liftanlage, wie sie im Strandbad Bötzsee in Eggersdorf für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer existiert, könne indes nur realisiert werden, wenn die Finanzen es erlauben, so Pravida.
Die Badesaison im Strandbad Stienitzsee in Hennickendorf geht bis 15. September, Öffnungszeiten täglich 9 bis 20 Uhr (je nach Auslastung und Witterung mindestens bis 18 Uhr).


