Studie
: „Der See läuft nicht leer“

Noch ist ein Jahr Geduld gefragt: Im März 2020 sollen die Ergebnisse des Straussee-Gutachtens vorliegen.
Von
Martin Stralau
Strausberg
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Volles Haus: Gut 100 Besucher informierten sich in der Verwaltung über die Erstellung des Strausseegutachtens.

Andreas Prinz (prinzmediaconcept)

Mit einem digitalen Modell soll untersucht werden, warum der Wasserstand des Straussees rapide abnimmt. Das haben Katja Eulitz und Patrick Keilholz von der DHI Wasy GmbH den etwa 100 um den See besorgten Strausbergern mitgeteilt, die sich am Mittwochabend in der Verwaltung eingefunden hatten. Die DHI Wasy arbeitet im Auftrag der BGD Ecosax GmbH, bei der die Stadt das Gutachten in Auftrag gegeben hat.

Im März 2020 soll es eine weitere Bürgerversammlung geben, bei der die Ursachen für den sinkenden Pegel und mögliche Gegenmaßnahmen vorgestellt werden. Vorher seien keine seriösen Aussagen möglich, sagte Keilholz. „Das der Analyse zugrunde liegende Modell soll alle Daten und Faktoren berücksichtigen, die den Wasserhaushalt beeinflussen“, erklärte er. Von Menschen gemachten wie Versiegelung und Wasserentnahmen durch Pumpwerke bis zu natürlichen wie Verdunstung. "Wir wollen den Wasserhaushalt in seiner Gesamtheit analysieren.“ Dabei werde ein mehr als 100 Quadratkilometer großes ober- und unterirdisches Einzugsgebiet des Straussees betrachtet.  "Wenn das Modell gebaut ist, können wir eine Wasserbilanz erstellen und das Modell kalibrieren“, sagte Keilholz. Am Computer könne dann durchgespielt werden, wie sich verschiedene Einflussgrößen auf den Wasserhaushalt auswirken, zum Beispiel eine Temperaturveränderung. „70 Prozent der benötigten Daten für das im Aufbau befindliche Modell liegen schon vor“, sagte Keilholz. Die Datenerfassung solle in den nächsten Wochen abgeschlossen sein. Dazu gehört auch die Auswertung vorangegangener Gutachten und Messdaten ergänzt mit Daten aus eigenen Proben, von denen bis zum Sommer fünf genommen werden sollen. Vorliegen werden demnächst auch die Daten vom Abwasser- und Zweckverband Strausberg-Erkner (WSE), zum Beispiel die von den Grundwassermessstellen. "Die Abstimmung mit dem WSE ist abgeschlossen“, sagte Matthias Beyer von Ecosax. Am Donnerstag sollte mit der Stadt ein Papier zur Kostenübernahme für die Datenermittlung unterzeichnet werden, kündigte er an.

Ein innovativer Ansatz bei der Modellerstellung sei die Isotopenanalyse, die die Technische Universität Dresden übernehme. „Das Wasser speichert diverse Informationen. Man kann zum Beispiel sehen, ob es Oberflächen- oder Tiefenwasser ist. Durch Grundwasserproben, die wir nehmen, können wir erfahren, welchen Weg das Wasser genommen hat“, sagte Beyer.

Aus dem Publikum kamen zahlreiche Fragen. So wollte Frank Weber von der Bürgerinitiative für den Erhalt des Straussees wissen, wie es zu beurteilen sei, dass der WSE mit den Berliner Wasserbetrieben die Wegleitung des Schmutzwassers aus dem Einzugsgebiet für die nächsten 25 Jahre fixiere, ohne dass die Ursachen für den Wasserverlust des Straussees feststünden. „Unser Auftrag ist es nicht, politische Aussagen zu treffen“, sagte Katja Eulitz. Weber wollte auch wissen, welche Maßnahmen vor der Ergebnispräsentation im März 2020 durchgeführt werden könnten. Er nannte die von Bürgermeisterin Elke Stadeler ins Spiel gebrachte testweise Abschaltung des Wasserwerks Spitzmühle, seit dessen Inbetriebnahme 2014 der Seepegel extrem sinkt. „Das Grundwasser ist ein träges System, da müssten Sie ganz schön lange warten, bis Sie da einen Effekt erkennen. Mit dem Modell können wir solche Dinge simulieren“, sagte Keilholz und beruhigte die Gemüter, die schon einen wasserlosen See vor sich sehen. „Der See wird nicht leer laufen.“

Kerstin Behlau von der Bürgerinitiative schlug einen Runden Tisch vor, an dem sich verschiedene Akteure schon vor der Ursachenfeststellung einbringen könnten. "Runde Tische sind sinnvoll. Wenn das gewollt ist, müssten Sie das mit unserem Auftraggeber, der Stadt klären“, sagte Keilholz.

Ebenso Sache der Stadt sei, festzulegen, wer die am Ende des Ursachen-Analyse-Prozesses vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen und das damit einhergehende Monitoring umsetze.