Telekommunikation
: Auslaufmodell Telefonzelle

Die Telekom will die vier öffentlichen Telefone in Strausberg abbauen. Die Stadt sperrt sich dagegen.
Von
Martin Stralau
Strausberg
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Wer braucht sie eigentlich noch? Dieses Basistelefon wird allerdings mitunter am frühen Morgen von Frauen genutzt, die Auslandsgespräche führen. Die befragten Strausberger jedoch haben das Thema öffentlicher Münzfernsprecher längst abgehakt.

Gerd Markert

Etwa 17 000 Telefonzellen gibt es bundesweit. In Strausberg stehen noch vier davon. Die Telekom möchte sie aufgrund der geänderten Kommunikationsgewohnheiten im Handyzeitalter gerne abbauen. Doch die Stadt lehnte eine entsprechende Anfrage ab.

Im Januar hat die Telekom die Stadt schriftlich darum gebeten, die vier öffentlichen Telefon­e in Strausberg abbauen zu dürfen. Gemäß einer Vereinbarung mit der Bundesnetzagentur und der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände darf sie das, wenn Fernsprecher weniger als 50 Euro Umsatz pro Monat bringen. Städte und Gemeinden können ihre Zustimmung aber verweigern. Sie sind nicht einmal verpflichtet, ihre Entscheidung zu begründen.

Bürgermeisterin Elke Stadeler lehnte das Ansinnen der Telekom jedenfalls für alle vier Fernsprecher auf städtischem Boden ab. Bei allen handelt es sich um sogenannte Basistelefone, die schon vor einiger Zeit die klassischen, geschlossenen Telefonzellen ersetzt haben. Eines dieser Telefone steht am S–Bahnhof Strausberg–Nord, ein anderes Am Annatal, zwei weitere in der Großen Straße: an den Ecken Müncheberger und Wallstraße. Sie alle befänden sich „in exponierter Lage“ und „an Orten mit hohem Publikumsverkehr“, schreibt Elke Stadeler, und seien zur Sicherung der Grundversorgung der Bevölkerung erforderlich. Gerade diesen letzten Aspekt sollen die Städte laut der Vereinbarung prüfen.

Alle Standorte sind nach Einschätzung der Verwaltungschefin unentbehrlich. Beim Fernsprecher am S–Bahnhof führt sie die Pendler an sowie wichtige Einrichtungen, die von dort fußläufig erreichbar seien: das Krankenhaus Märkisch–Oderland, das Kommando des Heeres, das Finanzamt, mehrere Wohngebiete, den Verkehrslandeplatz und das Gewerbegebiet. Das Am Annatal stehende Basistelefon sei der einzige öffentliche Fernsprecher in Hegermühle, „dem größten im komplexen Geschosswohnungsbau errichteten Strausberger Wohngebiet mit mehreren tausend Bewohnern“, erklärt Stadeler und verweist unter anderem auf die Nahversorger, das Ambulatorium und das in Planung befindliche Bürgerzentrum. Für die beiden Fernsprecher in der Großen Straße wiederum spricht aus ihrer Sicht, dass diese in Strausbergs Haupteinkaufsstraße stünden mit dem besonders stark frequentierten Abschnitt zwischen Wall– und Müncheberger Straße.

Die Strausberger Fernsprecher zählen jedenfalls zu einer aussterbenden Gattung. Bundesweit gibt es aufgrund der weit verbreiteten Handynutzung derzeit noch 17 000 Stück, sagt Telekom–Sprecher Georg von Wagner. In den 1990er–Jahren lag ihre Zahl mal bei mehr als 160 000. Wie viele Standorte es in Märkisch–Oderland noch gibt, dazu wollte die Telekom keine Angaben machen. Die Gebühren jedenfalls können mit denen der Handynutzer nicht mithalten. 50 Cent kostet ein Anruf in der ersten Minute ins Festnetz, 80 Cent ins Mobilfunknetz, danach fallen im ersten Fall zehn Cent pro angefangener Minute an, im zweiten Fall zehn Cent je angefangener 15 Sekunden. 15 Cent kostet das Verschicken von SMS über das öffentliche Telefon.

Warum die Stadt an den Telefonen festhalte, „entzieht sich unserer Kenntnis“, sagt Georg von Wagner. „Für uns ist klar, dass diese Standorte nicht benötigt werden, weil wir an ihnen keinen Umsatz haben, da dort niemand telefoniert. Wir gehen jedenfalls davon aus, dass die Stadt sie bereits abgebaut hätte, wenn sie sie selber finanzieren müsste.“ Der Unterhalt einer Telefonzelle koste nun mal Geld, etwa für Strom, Standortmiete und Wartung. Und da kommt schon bei vier Apparaten einiges zusammen.