Theater Strausberg
: Mehrfaches Neuland – das bietet das Plattenbau-Musical

Das Theater Strausberg inszeniert auch Stücke zur lokalen Geschichte. Erstmals führt nun ein Musical in die Plattenbausiedlung Hegermühle. Was Besucher erwartet.
Von
Thomas Berger
Strausberg
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„Tach, Tristesse“: Dramaturgin Sandra Wolf, Co-Indendantin und Schauspielerin Melanie Seeland, Regisseur Paul Spittler und Musik-Verantwortlicher Alexander Magerl (von links) werben für das Strausberger Plattenbau-Musical.

Thomas Berger
  • Theater Strausberg zeigt mit „Tach, Tristesse“ erstmals ein Musical in der Plattenbausiedlung Hegermühle.
  • Stück von Cynthia Buchheim thematisiert Jugend, Perspektivlosigkeit und Hoffnung im Osten 1996.
  • Ensemble aus drei Generationen, Chor und bunter Musik-Mix aus Pop, Rock, Chanson und Country.
  • Premiere am 18. Juli ausverkauft, weitere Termine bis 16. August, Schüleraufführungen geplant.
  • Humorvolle Erzählung verbindet Ost-Identität mit universellen Fragen zur Zukunft und Generationen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Titel ist so prägnant wie vielsagend. „Tach, Tristesse. Ein Plattenbaumusical“ trägt schon viel Selbstbeschreibung in sich – und lässt doch einigen Interpretationsspielraum. Plattenbauviertel, auf welche diese Zustandsbeschreibung mehr oder weniger zutreffen mag, gab und gibt es viele in Ost wie West. Doch in diesem Fall geht es konkret um die größte Strausberger „Platte“ Hegermühle, nur einen Steinwurf vom Theater entfernt, wo die jüngste Inszenierung am 18. Juli Premiere haben wird. Geschrieben hat das Stück Cynthia Buchheim.

Das Strausberger Publikum kennt die Berliner Schauspielerin, die ihre Ausbildung an der Schauspielschule Charlottenberg genossen hat, unter anderem von ihren Rollen in der Diskursschwank-Reihe „Anschluss im Abseits“, die von Matthias Merkle stammt. Seit anderthalb Jahrzehnten ist Buchheim, die 2017 auch in der TV-Adaption der Theatersitcom „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“ bekannt wurde, auch als Autorin aktiv, hat unter anderen mehrere Drehbücher verfasst.

Musical-Premiere und erste Inszenierung dieser Größenordnung

„Cynthia hat ja schon für das Prime Time Theater in Wedding geschrieben“, sagt Co-Intendant Paul Spittler, der Regie führt. Gemeinsam sei voriges Jahr die Idee entstanden, eine Strausberger Geschichte zu entwickeln – „aber ein bisschen vom klassischen Format weg, mal aus einem anderen Genre“. So sei die Idee eines Musicals aufgekommen. „Und Cynthia hatte dann große Lust, das zu schreiben“, schiebt der Regisseur hinterher. Neu ist auch, dass es das erste Auftragswerk ist – und zudem die erste Produktion in dieser Größenordnung. Denn bisher setzte Die Andere Weltbühne (DAWB) in Strausberg eher auf Minimalismus als Grundprinzip.

Bei „Tach, Tristesse“ gibt es neben dem siebenköpfigen Schauspielensemble ebenso den Chor mit knapp einem Dutzend Mitgliedern. „Voriges Jahr hatten wir den ins Leben gerufen“, so Paul Spittler. Seinerzeit noch als Sprechchor. Nun darf dieses Team, um ein paar Neuzugänge ergänzt, seine sängerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. „Wir haben alle Songs mindestens einmal durch, jetzt sitzen sie einigermaßen“, zeigt sich Alexander Magerl, der bei dieser Inszenierung für das Musikalische verantwortlich zeichnet, nach der ersten Workshop-Probe am 28. Juni zuversichtlich.

Theater Strausberg – bunter Musik-Mix verschiedener Genres

Nach dem Start im Januar habe es rund ein halbes Jahr gedauert, bis auch die Musik feststand. „Es ist eine bunte Mischung aus Rock und Pop, Chanson, ein bisschen Volksmusik bis hin zu Country“, erklärt er. Moritz Sauer, der schon zweimal selbst in Strausberg auf der Bühne stand, ergänzt das Team diesmal in der Rolle des Choreografen. Denn musikalisches Erzählen, betont Paul Spittler, habe seine eigenen Herausforderungen.

Die Geschichte, die da demnächst präsentiert wird, handelt vordergründig von der 17-jährigen Cilly, die 1996 in Strausberg-Hegermühle zwischen Perspektivlosigkeit, Freundschaft und Aufbruch lebt. Der Osten wenige Jahre nach der Wende, in einer Ära wirtschaftlichen Niedergangs und wachsender Existenzängste, und die Plattenbausiedlung zwischen Zentrum und Vorstadt sind aber eben weit mehr als Tristesse: Das Stück „erzählt von jugendlicher Rastlosigkeit und Revolte, von Party und Punk, von Liebe und Verlust, von Zukunftshoffnung und -angst“, wie es im Ankündigungstext heißt. Cilly tritt diese Zeitreise in die eigene Jugend gemeinsam mit Tochter Evi, nun genauso alt wie sie damals, an, als die beiden in Hegermühle gezwungenermaßen ihr Sommerferiendomizil aufschlagen.

Theater Strausberg – drei Generationen auf der Bühne vereint

Nicht nur im Stück wird mit den zwei Zeitebenen gespielt, wie die mitwirkende Co-Intendantin Melanie Seeland anmerkt. Insgesamt drei Generationen seien auch auf der Bühne gemeinsam aktiv. Finia Schramm, die einst als 15-jährige Praktikantin bei DAWB erstmals Bühnenluft schnupperte und nun frisch ihr Abi in der Tasche hat, ist die Jüngste im Schauspielerteam. Ihre Kolleginnen Seeland, Buchheim und Magdalena Kosch repräsentieren die Altersgruppe der heute reiferen Cilly im Stück. Und unter den Chormitgliedern befinden sich die älteren Mitwirkenden.

„Die Probleme aus dem Plattenbau jener Zeit sind alle da, aber mit Humor und Fröhlichkeit erzählt“, unterstreicht Melanie Seeland. Viel Ost-Identitäres zum Nacherleben, aber auch Allgemeingültiges, wie die west-sozialisierte Dramaturgin Sandra Wolf ergänzt: „Es geht nicht zuletzt um die Frage, was ist Zukunft und was bedeutet sie für die verschiedenen Generationen.“ Die finden sich im Stück, so Paul Spittler, auch in ihrer jeweiligen Sprache wieder.

Die Premiere am 18. Juli um 19 Uhr ist bereits ausverkauft. Karten gibt es noch für die weiteren Termine am 19. Juli (19 Uhr), 20. Juli und 10. August (jeweils 15 Uhr) sowie 15. und 16. August (jeweils 19 Uhr). Drei Vormittage mit Schülervorstellungen sind ebenfalls fest geplant.