Traditionspflege: Bergfest-Eintritt als „Spende“ für den Museumspark

Stein des Anstoßes: Der Aufzug der Bergleute mit Geleucht samt Zapfenstreich am Freitagabend gehört zu den Traditionen des Rüdersdorfer Bergfestes. Dass dafür Eintritt fällig wird, stößt auf Kritik.
Dirk SchaalDas gab es noch nie. Ausgerechnet im 25. Jahr nach der Neueinführung. Wir sind empört“, fasst Renate Radoy die Stimmung unter Rüdersdorfern zusammen. Seit Mitte des Monats sind nämlich die Flyer mit dem Programm für das Bergfest im Umlauf und damit auch die Information über die Eintrittspreise. „Es geht um den ersten Tag mit dem Aufzug der Bergleute mit Geleucht“, erläutert die Seniorin. Denn der symbolisiere die Tradition des Festes, das auf einen Besuch König Wilhelms IV. Mitte des 19. Jahrhunderts im damaligen Kalkberge zurückgeht. Der Abend sei „das Einzige, was noch geblieben ist“ von Althergebrachtem. Ansonsten gebe es ja „nur noch Rummel“, sagt sie und weiß eine Reihe von ähnlich denkenden Bürgern hinter sich, unter anderem, weil sie ihre Meinung auch bei der Gründung des Ortsbeirats und der ersten Sitzung der neuen Gemeindevertretung „zu Protokoll gegeben“ und dafür Beifall erhalten hatte.
Gemeinde gibt 4000 Euro
Renate Radoy hofft, dass bis zum Start des Festes am 5. Juli um 15 Uhr im Museumspark noch Änderungen vorgenommen werden. Denn Bürgermeister André Schaller hatte in der Diskussion eine Summe von 4000 Euro angeführt, die die Gemeinde für „Heimatfeste“ in den Ortsteilen zur Verfügung stellen könne. Schaller allerdings machte auf MOZ-Anfrage deutlich, dass dieses Geld zwar wie in den Vorjahren an die Museums und Kultur GmbH fließe, die Entscheidung über den Einsatz aber der Geschäftsführer treffe. Klar sei nur, dass die Summe für „nicht rentierliche Kosten“ bei gemeinnützigen Zwecken ausgegeben und abgerechnet werden müsse.
Schaller teilt die Auffassung der Seniorin, dass der Freitag mit den traditionellen Programmpunkten ohne Eintritt bleiben sollte. Das sei aber seine persönliche Meinung. Für das nächste Jahr sollte sich der neu gebildete Ortsbeirat des Themas annehmen. Und für dieses Jahr habe es Kontakte des Vorsitzenden der Gemeindevertretung Ronny Neumann mit GmbH-Chef Roderik Daul gegeben, sagt Schaller.
Daraus resultiert nach Aussage des Geschäftsführers das Angebot, dass sich Bürger, die Probleme hätten, den Eintritt aufzubringen, bei der GmbH melden können und man eine Lösung für sie sucht. Bislang habe noch niemand davon Gebrauch gemacht. Für den Freitagabend ab 20.30 Uhr, also den Traditionsteil sowie Musik, sind für Erwachsene vier und für Kinder zwei Euro veranschlagt, für den Nachmittag ab 15 Uhr sechs bzw. drei Euro. Die gleichen Summen werden für den Sonnabend von 10 bis 17 Uhr mit Schausprengung, Kinderprogramm und vielem mehr fällig. Das Tagesticket inklusive Hauptact Münchener Freiheit, für den im Vorfeld bereits fast 500 Karten verkauft sind, kostet im Vorverkauf zehn, ermäßigt fünf Euro. Der Sonntag liegt wieder bei sechs bzw. drei Euro. Zudem gibt es Wochenendtickets für 15 Euro (Sechs- bis 16-Jährige 7,50).
Daul betonte, die GmbH habe von der Gemeinde den Auftrag, wirtschaftlich zu agieren und die 400 000 Euro jährlichen Zuschuss nach Möglichkeit gar zu verringern. Die Summe basiere ohnehin auf Berechnungen von vor mehr als zehn Jahren und berücksichtige Kostensteigerungen seitdem nicht. Vor zwei Jahren, als er eingestiegen sei, hätte das Bergfest 30 000 Euro Minus gebracht und auch diesmal werde man „nicht mit einem Plus rausgehen“. Allein die Technik koste 10 000 Euro, es brauche Security, und auch Vereine aus dem Ort bekämen Geld. Den Bergbauverein schloss er dabei ausdrücklich aus. „Scheitert es da wirklich an vier Euro?“, fragte Daul. Andererseits gebe es auch Stimmen, die sich beklagen, dass jedes Jahr das Gleiche präsentiert werde. Und normale Besucher, die Eintritt für das "Museum“ zahlten, fragten sich, warum andere dann bei Festen kostenlos Zutritt hätten.
Der Geschäftsführer will sich jedenfalls nicht den schwarzen Peter zuschieben lassen. Es liege an der Gemeindevertretung, Entscheidungen über eventuell höheres finanzielles Engagement zu treffen. Dann würde aber Geld an anderer Stelle fehlen. Die GmbH wolle mit Gemeindevertretung und dem neuen Ortsbeirat nach Möglichkeiten einer zukünftigen Finanzierung solcher Feste suchen, kündigte er an. Er appellierte zugleich an die Bürger, den Eintritt nicht als solchen zu sehen, sondern quasi als „Erhaltungsgeld“ oder „Spende“ für den Museumspark. Es müsse ohnehin ein Umdenken erfolgen. „In fünf Jahren ist das alles sonst nicht mehr zu halten“, glaubt er.
Aus dem Programm des Bergfestes 2019
Freitag 15 Uhr Einlass, 16 Uhr Beginn, 17 Uhr Vernissage BrückenKunst; 18 Uhr DJ Nono/Jagdhornbläser Waldhornklang, 20 Uhr Roland Kaiser Double; 21.30 Uhr Aufzug der Bergleute & Zapfenstreich Bergkapelle; 22.30 Uhr Wolfgang Petry Double
Sonnabend10 Uhr Mineralienbörse, 10–16 Uhr Fahrten mit der Kleinbahn, 10–18 Uhr Führungen im Heinitztunnel, 11–17 Uhr Kurzführungen; 14 Uhr Schausprengung, 14.30 Uhr "Frau Luna", 15 Uhr Kinderprogramm, 16.30 Uhr Band Viererlei, 21 Uhr Münchener Freiheit, 22.30 Uhr Disko "Schlager trifft Rock"
Sonntag ab 10 Uhr Mineralienbörse, Steine schneiden/schleifen, 10 Uhr Berggottesdienst (Kirche Kalkberge); 10.30–16.30 Uhr Kurzführungen, 13–16 Uhr Führungen im Heinitztunnel; 11 Uhr Band "Chili", 14 Uhr Konzert der Bergkapelle, 14 Uhr Salut Schützenverein, ca. 15.40 Uhr Rüdersdorfer Karnevalsgem., 16.30 Uhr Prämierung Fotowettbewerb, 18 Uhr Ende⇥ufo