Trockenheit
: Strausbergs Wald leidet unter dem Sommerwetter

Angesichts der ausbleibenden Niederschläge ziehen die Bäume die nächste Jahreszeit vor und erleiden bleibende Schäden.
Von
Jens Sell
Strausberg
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  • Realsatire mit ernstem Hintergrund: Angeln ohne Erlaubnis ist verboten, logisch. Aber Angeln ohne Wasser ist unmöglich. Der Herrensee bei Strausberg verlandet zusehends. Der Abfluss in Richtung Schlagmühle ist schon lange trocken gefallen.

    Realsatire mit ernstem Hintergrund: Angeln ohne Erlaubnis ist verboten, logisch. Aber Angeln ohne Wasser ist unmöglich. Der Herrensee bei Strausberg verlandet zusehends. Der Abfluss in Richtung Schlagmühle ist schon lange trocken gefallen.

    Jens Sell
  • Revierförster in der Oberförsterei: Michael Schulze

    Revierförster in der Oberförsterei: Michael Schulze

    Jens Sell
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„Ich fürchte, dass wir erleben werden, dass nur noch eine Wasserstelle in der Mitte übrig bleibt“, sagt Revierförster Michael Schulze nachdenklich, und seine Kollegin Sabine Runewitz in der Oberförsterei Strausberg des Landesforstbetriebes nickt zustimmend. Schulze lässt von seinen Waldarbeitern schon mitunter das Beckerfließ mähen, den westliche Abfluss des Herrensees, der auch schon lange kein Wasser mehr führt. Das Annafließ aus Richtung Norden ist derzeit auch völlig trocken.

Irreparable Schäden an den Bäumen

Die Förster verzeichnen durch das dritte trockene Jahr in Folge bereits irreparable Schädigungen der Bäume. „Wir sehen jetzt bereits, dass sie die nächste Jahreszeit, den Herbst, um vier bis sechs Wochen vorgezogen haben.“ Zuerst schließen die Bäume die Spaltöffnungen an Blättern und Nadeln, um den Wasserverlust zu bremsen, dann reduzieren sie die Verdunstungsfläche, indem sie die Blätter vorzeitig einrollen und abwerfen. Wer aufmerksam durch den Wald spaziert, hört allerorten vorzeitig Eicheln und andere Früchte fallen, es knistert vor Trockenheit. „Man sehe sich vor unvermittelt vom Stamm brechenden Ästen vor“, warnt Sabine Runewitz. Speziell Birken verrotten geradezu im Stehen, ergänzt Michael Schulze. Wenn sie gefällt werden, kann es passieren, dass sie wie ein Zollstock zusammenklappen.

Dass die Bäume der Jahreszeit vorgreifen, entzieht ihnen Reserven und Abwehrkräfte und schädigt sie schon vor dem neuen Jahr.Sie werden anfällig für Schädlinge und Pilze. „Die Natur beschleunigt gewissermaßen den Waldumbau, indem der Fichtenborkenkäfer und der Blaue Kiefernprachtkäfer eine Vielzahl der Nadelbäume zu Fall bringen. Für die Bürger ist wichtig, zu wissen, dass auch bei Windstille große Bäume umkippen oder dicke Äste herabfallen können“, warnt Sabine Runewitz. Waldbesitzer und Kommunen sind verstärkt in der Verkehrssicherungspflicht an Straßen und Wanderwegen.

Zufahrten für Einsatzkräfte freihalten

Umsicht im Interesse des Waldes ist von allen Menschen gefragt. Dass nicht nur bei der höchsten Waldbrandgefahrenstufe nicht im Wald geraucht werden sollte, müsste jedem klar sein. Dass man aber auch die Zufahrten für Einsatzkräfte freihält und nicht auf dem Weg zur Badestelle am Straussee zuparkt, haben viele nicht begriffen. „Das Befahren von Waldwegen ist eine Unsitte, die viele Gefahren mit sich bringt und geahndet wird“, stellt Michael Schulze klar. Leider hat er die Erfahrung gemacht, dass mit steigenden Temperaturen die Akzeptanz für die gesetzlichen Regelungen bei den Menschen sinkt.

Dabei könne jeder selbst sehen, dass der Waldboden bis in größere Tiefen knochentrocken sei. Länger anhaltende Regen senken vielleicht vorübergehend die Waldbrandgefahr, gleichen aber bei Weitem nicht das Feuchtigkeitsdefizit der zurückliegenden Jahre aus. Es fehlten nicht nur die feuchten Frühjahre, sondern auch der Schnee im Winter. „Die Natur hat viel Kraft, sich zu regenerieren, aber sie wird Jahre dazu brauchen“, sagt Schulze.