Es ist gar nicht so schlecht in und um Rüdersdorf, wurde kürzlich im Umwelt- und Klimaausschuss deutlich, als Dr. Hermann Kruse vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie für Naturwissenschaftler am Uniklinikum Kiel seine neuesten Erkenntnisse präsentierte. Beispielsweise bescheinigte er dem Trinkwasser sehr gute Qualität. Sie sei so gut, dass die Verwendung des Leitungswassers dem in Flaschen vorzuziehen sei. Die toxikologisch relevanten Inhaltsstoffe Arsen, Blei und Nitrat seien sehr niedrig und genügten sogar seinen erheblich strengeren Vorsorgewerten.
Kruse hatte bereits vor fünf Jahren ein Gutachten erstellt und nun aktuellere Werte betrachtet und Vergleiche angestellt. Und er kommt zu dem Schluss, dass die Überwachung der Luftqualität in der Gemeinde sowie die Analysen von Bodenproben und Staubsedimenten "keine aus toxikologischer Sicht besorgniserregenden Erkenntnisse" liefern. Im Vergleich zu anderen Regionen Brandenburgs kämen die Schadstoffbelastungen einer verkehrsreichen Kleinstadt nahe. "Aus toxikologischer Sicht sind jedoch die Feinstaubkonzentrationen mit ihren Inhaltsstoffen Arsen und PAK auf einem Niveau, dass Maßnahmen zu deren Minderung erörtert werden sollten", hält der Experte am Ende seines 40-seitigen Papiers fest.
Wie er erläuterte, habe er unter anderem Emissionserklärungen der Betriebe, Luftmessungen in Herzfelde, die Staubsedimentation an vier Standorten sowie Schadstoffbodeneinträge an einer Dauerbeobachtungsstelle in Lichtenow beurteilt. Bei den Emissionen dominierten gerade bei Stäuben Cemex und die Fels-Werke, Cemex auch bei Stickstoff- und Schwefeldioxid. Kruse machte aber auch auf eine deutliche Reduzierung von Staub und NO2 durch den Zementhersteller aufmerksam. Dass das Werk bei NO2 den Grenzwert weitgehend ausschöpfe, liege an einer freiwilligen Reduzierung des Basiswertes durch das Unternehmen. Positiv wertete er zudem die Senkung von Quecksilberemissionen beim Industriekraftwerk. Hingegen hätten die Staubbelastungen dort deutlich zugenommen. Die Gründe sollten vom Betreiber erläutert werden.
Ortsumgehung entlastend
Beurteilt hat Kruse zudem die in der Luft vorkommenden Gesamtschadstoffkonzentrationen, und zwar anhand der Werte vom Messcontainer an der Hauptstraße in Herzfelde. Die Feinstaubbelastung sei dort annähernd konstant geblieben – auf erhöhtem Niveau. Vergleichbare Belastungen gebe es in Innenstädten wie Frankfurt (Oder). Die Mittelwerte lägen in der Norm, aber  Spitzenwerte könnten bei sensibel reagierenden Menschen bereits zu Gesundheitsschäden führen. Die vorgegebenen administrativen Grenzwerte für bestimmte Inhaltsstoffe hielt der Fachmann für "nicht immer geeignet". Um sicherzugehen, empfiehlt er eigene deutlich geringere "Vorsorgewerte".
Die Luftbelastung durch NO2 am Standort wird maßgeblich durch den Straßenverkehr beeinflusst, hat Kruse durch den Vergleich von Messungen vor und nach der Inbetriebnahme der Ortsumgehung festgestellt. Die Jahresmittelwerte seien 2017 gegenüber 2015 auf nur noch gut die Hälfte zurückgegangen und lägen mittlerweile im tolerablen Bereich.
Bei der Bodenqualität hat das Gutachten für Arsen, Cadmium, Chrom, Kupfer, Quecksilber, Nickel, Blei und Zink keine Zunahmen erkannt. Die Grenzwerte der Bundesbodenschutz-Verordnung würden sicher eingehalten. Es sei nicht zu befürchten, dass die Elemente in den Nahrungsnetzen angereichert würden. "Bedenklich" stimmte Kruse der Trend für polyzyklische Aromaten im Boden. Innerhalb von knapp 20 Jahren sei der Wert auf mehr als das Zehnfache gestiegen. Die Stoffe sind Produkte unvollständiger Verbrennung,  Straßenverkehr, Hausbrand und industrielle Großbetriebe die wesentlichen Quellen.
Bürgermeisterin Sabine Löser kündigte an, sie wolle das Gutachten in komprimierter Form und insgesamt über die Internetseite der Gemeinde zugänglich machen.