Die RGU 1260 – die Ziffernfolge greift die frühere Postleitzahl der Stadt auf – war der eingetragene Fanclub des Vereins, der einzige in Brandenburg überhaupt. Gegründet am 26. September 2008, wurde mit anfangs zehn Mitgliedern solidarisch, gemeinschaftlich und mit viel Leidenschaft die Unterstützung des Fußballclubs Strausberg organisiert.
"Wir sind eine bunt gemischte Gruppe aus Frauen und Männern jeden Alters, die derzeit 37 Mitglieder kommen längst nicht nur aus Strausberg, sondern auch aus Berlin, Brandenburg/Havel, Düsseldorf und sogar aus dem bayrischen Miesbach. Das Vereinsleben ist geprägt von einer geselligen und humorvollen Atmosphäre", berichtet Gordon Soete. "2012 wurden wir als erster offizieller Fanclub des FCS anerkannt, seit September 2014 sind wir als gemeinnütziger Verein tätig. Zum FC Strausberg haben wir immer eine partnerschaftliche Beziehung gepflegt. So war es in der Vergangenheit üblich, dass die Fans ein Essen für die Mannschaft zubereitet, eine Choreographie für ein großes Pokalspiel vorbereitet, als Mannschaftsbetreuer, Stadionsprecher, Ordnungs- und Sicherheitsdienst, bei der Stadionreinigung, bei Malerarbeiten, Rasenpflege, Schneebeseitigung und vielem mehr ausgeholfen haben", erzählt der Vereins-Chef.
Trikotsätze für den Nachwuchs
Auch materiell hatten die Fans sich in den Verein mit eingebracht. Zum Beispiel konnten über die RGU Trikotsätze für die Nachwuchsmannschaften angeschafft werden. Und genau solche Aktionen beweisen, dass die Fußballfans eben nicht nur am Spielfeldrand stehen und sich der schönsten Nebensache der Welt widmen wollen.
Das Verhältnis zwischen dem FCS und dem Fanclub hat sich in der Zwischenzeit allerdings ein wenig abgekühlt, so dass in diesem Winter zum Beispiel Kreisligist FC Herrensee Strausberg mit einer Spende von 600 Euro für die Jugendarbeit begünstigt wurde. Soete sagt dazu: "Mit dem Geld kann der Verein für seine Jugendmannschaften ein Trainingslager in Kienbaum organisieren. Wir werden wohl nie vergessen, wie groß die Freude bei der Scheckübergabe war", schwärmt der RGU-Vorsitzende.
Inspiriert von "Movember"
Aufgekommen war der Gedanke, auch anderen zu helfen, als ein guter Freund des Vereins schwer erkrankte und alle im engeren Bekanntenkreis merkten, wie schnell sich das Leben ändern kann und wie plötzlich ganz andere Dinge wichtig werden. Zum Glück konnte ihm medizinisch und durch die Freunde auch finanziell geholfen werden – die Vereinsmitglieder nahmen dies zum Anlass, auch in den Folgejahren zu helfen, ließen sich dabei von einer Aktion inspirieren, die 2003 von jungen Männern in Australien geboren worden war.
Um öffentliches Interesse zu wecken, ließen sich die Männer Schnurrbärte wachsen. Der Grundgedanke war, einen Monat lang, immer im November, Spenden zugunsten der Erforschung und Vorbeugung von Prostatakrebs und anderen Gesundheitsproblemen bei Männern zu sammeln. Berühmt geworden ist die Aktion als Movember, weltweit wurden seither mehrere hundert Millionen Euro an Spenden eingesammelt. In Anlehnung an diese Aktion entschloss sich der Strausberger Verein, soziale Institutionen zu unterstützen, welche sich der Gesundheitsfürsorge im Kinder- und Jugendbereich verschrieben haben.
Die Fußballfans, einige von ihnen selbst in sozialen Bereichen tätig, sammelten so unter anderem Geld für die "Kristallkinder-Intensivpflege" in Petershagen-Eggersdorf, halfen einer Aktion mit dem Namen Kolibri – Hilfe für krebskranke Kinder –, übergaben dem Regine-Hildebrandt-Haus in Frankfurt Spendengelder für die Arbeit im Hospiz-Bereich und konnten im vergangenen Jahr dem Strausberger Verein Anima – Leben mit Handicap helfen.
Geld für Verein Herzenssache
Diesmal nun kamen schier unglaubliche 8000 Euro zusammen. Das Geld stammt von Kuchenbasaren, Trödelmärkten, Straßenkonzerten mit der Band Rose-mary’s Triplets, aus Sammelbüchsen, die an vielen markanten Stellen in Strausberg aufgestellt waren, und extra veranstalteten Spendenfesten. Das Geld ging erneut an eine Einrichtung aus dem Gesundheitspflegebereich. Übergeben wurde der Scheck an den Verein Herzenssache – Nähen für Sternchen und Frühchen im Wandlitzer Ortsteil Schönwalde. "Uns begeistert die Arbeit, die dort geleistet wird. Babys wird das Leben geschenkt – Frühchen müssen es sich erkämpfen, und so mussten wir auch gar nicht lange überlegen, wen wir in diesem Jahr unterstützen können", erklärt Sebastian Kreyßig, der den Vorschlag eingebracht hatte.
Und der Fußball? "Na klar werden wir auch weiterhin auf den Plätzen zu sehen sein. Da wir den Fußball lieben, werden wir auch weiterhin bei den Vereinen in und um Strausberg zu Gast sein," sind sich die Mitglieder einig.