Hoch, runter, und immer wieder: hoch, runter. An diesem Morgen wird im Garten der Kindertagespflege Kuschelhaus in der Spitzmühlerstraße 1 viel gewippt. Monique Flux’ einjährige Tochter lacht und fühlt sich mit Blick auf die grasenden Kühe nebenan auf dem Spielgerät sichtlich wohl. Es sei ihr wichtig, dass Mia-Sophie viel an der frischen Luft ist und in ihrem Heimatort Buchholz bleiben kann, während sie zur Arbeit nach Berlin-Hellersdorf eilt, sagt Mutter Monique. Seit Februar hat sie mit der Einrichtung von Klaus und Britta Krawczyk einen Zehn-Stunden-Vertrag. Klaus Krawczyk und Christine Koschel kümmern sich werktags um Null- bis Sechsjährige. Im Notfall sind auch Wochenend-, Nachtbetreuung, eine Betreuung im Krankheitsfall oder Fahrdienste möglich. Und Mia-Sophie darf hier mit befreundeten Nachbarskindern spielen.
Vor 14 Jahren zog das Ehepaar Krawczyk nach Buchholz und übernahm das Gebäude des ehemaligen Kindergartens am Ortseingang. Zuerst war Britta Krawczyk in Buchholz neben ihrem Mann als Tagesmutter tätig, später bekam sie mit ihrer Tochter eine vertrauensvolle Ablösung. Nun betreuen Klaus Krawczyk und Christine Koschel auf modernisierten 120 Quadratmetern mit separaten Eingängen jeweils fünf kleine Racker.

Vernetzung mit anderen

Die ortstypisch ländliche Idylle gefällt Buchholzern und Gästen – man kennt sich und genießt die Abgeschiedenheit.
Noch schöner wäre es aber, wenn sie sich mit anderen Tagesmüttern und -vätern in Altlandsberg und Umgebung vernetzen könnten, sagt Christine Koschel. „Wären wir durch Wege verbunden, würden wir uns öfter austauschen und gemeinsame Aktionen starten können.“ Aufgrund der schlechten Busverbindungen bekämen sie aber kaum Besuch. Fünf Kinder ins Auto zu bugsieren, sei nicht machbar, betont Britta Krawczyk. So einen Radweg, wie er in Gielsdorf nach Strausberg gebaut wurde, hätten sie gern. Dann würden mehr städtische Einwohner ihre Kinder in Buchholz abgeben, der Bedarf dafür sei angemeldet, erzählt die 59-Jährige. Doch nicht jeder habe ein eigenes Auto, um hierher zu kommen. Zudem sei die Landstraße für Radfahrer zu gefährlich.

Barrieren für Groß und Klein

Größere Kinder aus Buchholz würden gern mit dem Fahrrad zur Schule fahren, ergänzt Christine Koschel. Nur brauche es dazu geeignete Wege. Ein gut ausgebauter Radweg parallel zur Straße könnte auch von Fußgängern genutzt werden – die Älteren kämen außerdem gefahrlos mit dem Rollator oder Rollstuhl voran. Was in Buchholz grundsätzlich fehlt, sind Gehwege, auf denen sie mit den Jüngsten zum Spielplatz laufen oder spazieren können, berichtet die 31-jährige Tagesmutter. „Wir bringen den Kindern bei, wie sie sich im Straßenverkehr zu verhalten haben und haben selbst zwischen parkenden Autos Sichtprobleme.“
Über kaputte Steinplatten hinweg müssen die Betreuer am Kuschelhaus mit mehreren Kindern an der Hand direkt an der Einflugschneise für Kraftfahrzeuge die Straße überqueren, weil dort kein ausgebauter Gehweg existiert. Gegenüber wartet ein Graben, erst dahinter befinden sich holprige alte Steinplatten – für Fußgänger fehlt ein direkter Übergang, um auf die andere Seite zu gelangen.

Forderung nach Tempo-30-Zone

Im Ort sei alles sehr ungünstig verbaut, besonders dort, wo es am nötigsten wäre, Abhilfe zu schaffen – trotzdem bringe sie ihre Tochter gern ins Kuschelhaus, sagt Monique Flux. Sie stört sich vor allem an der fehlenden Tempo-30-Zone, die zur Sicherheit aller Kinder im Dorf beitragen würde. Am Ortseingang, wo sich die Jüngsten fast den ganzen Tag über aufhalten, bremsen die Autos viel zu spät ab, beobachtet die 37-Jährige täglich. Das angebrachte Hinweisschild zur freiwilligen Reduzierung der Geschwindigkeit werde oft ignoriert. Auch große landwirtschaftliche Fahrzeuge wie Traktoren donnern ungebremst an den Kindern vorbei, schildert Christine Koschel. Was die Stadt nicht schnell zu lösen vermag, hat deshalb die Dachdeckerei von Roland Ruf erledigt: Die Firma spendet ein Street-Buddy-Männchen im Wert von 60 Euro, um am Straßenrand verstärkt auf Kinder aufmerksam zu machen.
Als in ihren Räumlichkeiten eine kommunale Kindertagesstätte mit 15 Kindern untergebracht war, gab es die Tempo-30-Zone noch, erzählt Klaus Krawczyk. Ihm sei aber ein vernünftiger Gehweg im Ort die dringlichste Sache. Dem Ortsbeirat schildere er dieses Problem schon seit Jahren, dafür sei bislang nichts geschehen, um die Situation zu verbessern. „Ich bin enttäuscht, dass für die Kinder, auch in den umliegenden Dörfern, nichts getan wird. In Wegendorf müssen die Leute mit Kinderwagen auf der Hauptstraße spazieren gehen!“

Pläne ohne Taten

Der Vorsitzende des Ortsbeirats, Martin Wischnewski, hat den Traum eines Radwegs nach Altlandsberg, „so ein schön Asphaltierter neben der Landstraße“, noch nicht aufgegeben, sagt er. Planungen mit einer Karteneinzeichnung dazu gebe es bereits seit 2019. Nur angegangen werde das Projekt bisher nicht. Auch er spreche den Bedarf an Gehwegen, insbesondere die Forderung nach einer Tempo-30-Zone, immer wieder an und fühle sich machtlos gegenüber den Oberen, wenn dem nicht nachgegangen wird: „Offensichtlich hat die Stadt andere Prioritäten.“ Im kleinsten Ortsteil von Altlandsberg gebe es ja nur drei Straßen, und diese könnte sich mal jemand vom Verkehrsamt anschauen kommen, findet Wischnewski. Die Einrichtung einer Tempo-30-Zone sei in vielen Ortsteilen geplant, hieß es immer wieder aus dem Rathaus, sagt er.
Bürgermeister Arno Jaeschke bestätigte auf Nachfrage einen geplanten Beschluss für Buchholz. Verkünden könne er aber nicht, wann es endlich so weit ist. Auch zum Ausbau von Radwegen sei momentan keine Aussage zu treffen – erst einmal werde ein Radweg zwischen Fredersdorf-Nord und Altlandsberg in Zusammenhang mit dem geplanten Schulcampus gebaut. Währenddessen scheint den Buchholzern der Geduldsfaden zu reißen – „wir werden vergessen“, hört Wischnewski öfter am Gartenzaun. Zur Sitzung des Ortsbeirats am 17. September wird er erneut seine drängenden Themen zu Protokoll bringen lassen und darauf hoffen, dass die Verantwortlichen endlich mal in Buchholz vorbeischauen.