Versorgung: Ärger über teures Schulessen in Strausberg

Wird um fast die Hälfte teurer: Das Mittagessen in Strausberger Grundschulen und der Oberschule. (Symbolbild).
Martin Schutt/dpaInformation kurz vor Ferienstart
Die 41-Jährige ärgert sich nicht nur über die "unverschämte Preisexplosion“ um immerhin fast 50 Prozent, sondern auch da-rüber, dass sie erst kurz vor den Ferien davon in Kenntnis gesetzt wurde. Im Fall ihrer Tochter erst zur Zeugnisausgabe am Mittwoch. „Als Eltern zahlen wir 87 Prozent des Preises, die Stadt gibt nur 13 Prozent dazu. Ich verstehe nicht, warum wir dann nicht mal gefragt werden, ob wir den Anbieter wechseln wollen, und wenn ja, zu welchem. Ich hätte gern gewusst, wie viele Firmen sich an der Ausschreibung beteiligt haben. Und wie deren Preise sind.“ Auch Ivonne Delekta, deren Tochter in der Klasse von Mareen Buchholz’ Tochter ist, stört sich an der Steigerung und der Art und Weise des Zustandekommens. „Es heißt immer, Strausberg sei so jung und attraktiv für Familien wie nie. In Brandenburg zahlt man für Kinderbetreuung und -verpflegung ohnehin schon viel mehr als beispielsweise in Berlin. Der Preis ist völlig überzogen“, sagt die 44-Jährige. Und Mareen Buchholz ergänzt: „Gerade, wenn man weiß, wie wenig so ein kleines Kind isst. Das ist ein Preis für ein Erwachsenes-Essen.“
Beide Mütter betonen, dass sich ihr Unmut nicht gegen die Schule richte, dort würde das auch kritisch gesehen. Auch viele Eltern, die sie kennen würden, seien mit der Steigerung nicht einverstanden. „Wir wissen von vielen, dass sie ihre Kinder jetzt vom Essen abmelden wollen, weil es zu teuer ist“, sagt Ivonne Delekta. Dass Corona und der Mindestlohn mit zur Preissteigerung beigetragen hätten, wie es Mareen Buchholz von der Stadt zu hören bekam, will sie nicht gelten lassen. „Das können wir doch nicht ausbaden. Wir sind doch alle von Corona betroffen.“
Ob Corona und der Mindestlohn dafür verantwortlich seien, wisse sie nicht, sagt Gudrun Wolf, die zuständige Fachbereichsleiterin Soziale Dienste der Stadt. Der neue Anbieter für die vier Grundschulen, eine Oberschule und fünf Kitas der Stadt, die Sodexo SCS GmbH, sei von der Stadt Anfang März in einer europaweiten Ausschreibung ermittelt worden, „also im Wege eines transparenten und wettbewerblichen Verfahrens“. Die Stadt habe dabei besonderen Wert auf die inhaltliche Qualität der Angebote und damit der zukünftigen Versorgung gelegt, und dabei auch „zwischenzeitlich formulierte und gestiegene Anforderungen der Kinder und ihrer Eltern“ berücksichtigt. Qualitative Kriterien seien gegenüber dem Preiskriterium bevorzugt gewichtet worden. „Mit der wunschgemäß höheren Qualität der Versorgung geht naturgemäß eine gewisse – aber erfahrungsgemäß nicht unübliche – Preissteigerung einher“, sagt Gudrun Wolf. Diese bewege sich im Rahmen vieler anderer brandenburgischer Kommunen.
Mehr Beteiligung in Aussicht
An der Ausschreibung müssten die Eltern nicht beteiligt werden. „Ihr Feedback erhalten wir ja ohnehin über die Schulkonferenz und Kitaausschüsse, in denen wir regelmäßig mit den Einrichtungsleitern sprechen“, sagt Gudrun Wolf. „Wir könnten uns aber vor der nächsten Ausschreibung auf die Fahnen schreiben, die Eltern mehr zu beteiligen.“
Die Preise im Überblick
Der Vertrag mit Sodexo läuft zwei Jahre mit Option auf zwei Jahre Verlängerung. Sodexo bietet täglich drei verschiedene, an die Saison angepasste Menüs. Versprochen werden viele regionale Produkte, viel Frischkost und ein Verzicht auf Geschmacksverstärker. Die Kosten in der Grundschule am Annatal liegen ab August bei 3,57 Euro (billiger, weil der Hort, in dem gegessen wird, dort direkt der Schule angegliedert ist), in allen anderen Grundschulen bei 3,72 und in der Oberschule bei 3,77 Euro. Die Stadt bezuschusst jedes Essen mit 50 Cent. In den Kitas zahlen Eltern wie bisher (entsprechend Kita-Gesetz) nur die Kosten der häuslichen Ersparnis von 1,50 Euro pro Mittag.⇥mst