Versorgung
: Konzept gegen Wasserarmut

Der Wasserverband Strausberg-Erkner reagiert mit einem Zukunftskonzept auf den gestiegenen Trinkwasserbedarf.
Von
Martin Stralau
Strausberg
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  • Auch dafür wird Trinkwasser benötigt: Eine Hobbygärtnerin aus Berlin-Marzahn gießt am Dienstag die Blumen in ihrem Garten in der Neuenhagener Kleingartenanlage "An der Trainierbahn".

    Auch dafür wird Trinkwasser benötigt: Eine Hobbygärtnerin aus Berlin-Marzahn gießt am Dienstag die Blumen in ihrem Garten in der Neuenhagener Kleingartenanlage "An der Trainierbahn".

    Gerd Markert
  • Trinkwasserabgabe 2010 - 2018

    Trinkwasserabgabe 2010 - 2018

    MMH
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Der Trinkwasserverbrauch im Gebiet des Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE) ist seit 2010 bis auf zwei Ausnahmen in den Jahren 2014 und 2017 kontinuierlich gestiegen. Verbrauchten die Menschen zwischen Gosen-Neu Zittau, Hoppegarten, Rehfelde und Altlandsberg 2010 insgesamt noch 7,4 Millionen Kubikmeter Trinkwasser (130 Liter täglich pro Kopf), waren es im Rekordjahr 2018 bereits 10,7 Millionen (pro Kopf 176). 2019 sehe es nach einer leichten Erholung aus, sagte der technische Leiter des WSE, André Bähler, am Montag bei der Verbandsversammlung in Strausberg. Bis Ende Mai wurden 3,7 Millionen Kubikmeter Trinkwasser abgenommen (Vorjahreswert 3,8). Dennoch: Der Spitzenwert aus 2018 – 59 412 Kubikmeter – wurde in diesem Jahr am 2. Juni mit 59 469 schon übertroffen, wie WSE-Sprecherin Sandra Ponesky mitteilte.

Interessant ist auch die Entwicklung der Spitzenverbräuche im Sommer mit Tageswerten von mehr als 30 000 Kubikmeter Trinkwasser. Früher hätten sich diese auf Juni, Juli und August konzentriert, wie Bähler auf einer Folie für das Jahr 2010 veranschaulichte. 2018 seien sie von April bis Oktober zu verzeichnen gewesen. Bähler sagte, „dass die klimatische Entwicklung eine große Rolle spielen wird für das, was wir als Verband in Zukunft zu leisten haben“.

Um die Trinkwasserversorgung zukunftssicher zu gestalten, habe der WSE ein Jahr lang an einem Entwicklungskonzept gearbeitet. Dessen Titel lautet „Zielnetz 2045“ und zeigt, wie der Verband bis dahin aufgestellt sein muss, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Das Konzept bestehe aus drei Komponeten, erklärte Bähler. Das sei die Trinkwassergewinnung, die Aufbereitung des Wassers und schließlich das Netz, das die Verbindung bis zum Kunden darstelle.

Gesamtes Netz analysiert

Mit in die Betrachtung eingeflossen ist eine Größe, die für die Trinkwasserabnahme maßgeblich ist: die Entwicklung der Bevölkerungszahl im Verbandsgebiet. Sind es derzeit 166 000 Menschen, die versorgt werden müssen, geht der Verband für das Jahr 2045 von bereits 190 000 aus. Bei der Ermittlung habe man sich nicht von den Prognosen des Landes leiten lassen, die heute schon hinfällig seien, und sich in den einzelnen Gemeinden angesehen, "was sich im Bereich der Neubaugebiete abspielt“. "Wir haben unser bestehendes Netz analysiert und geschaut, wie wir das Wasser möglichst reibungslos und bedarfsgerecht zu unseren Kunden bekommen, wenn wir es gefördert und aufbereitet haben“, sagte Bähler.

Fest stehe bereits, dass das Wasserwerk in Eggersdorf, eines von verbandsweit vier, ausgebaut werden müsse. Die Maximalkapazität von 16 000 Kubikmetern Trinkwasser pro Tag sei 2018 mehrfach überschritten worden und soll, verbunden mit anderen Erneuerungen am Werk in den Jahren 2021/22 auf 23 000 Kubikmeter erweitert werden. Gesamtkosten: acht Millionen Euro.

Ein hydraulisches Rohrnetzmodell, das am Ende aller Berechnungen entstanden ist und in dem alle Bedarfe verortet sind, hat diverse andere Aufgaben ergeben. So sollen zur Stabilisierung des Netzes eine Verbindungsleitung von Grünheide nach Kagel gebaut und bestehende Leitungen in Erkner und Schöneiche vergrößert werden. Wichtig sei der Bau der Nordspange, die Altlandsberg und Hönow verbinde, sagte Bähler. Die Anpassungen im Netz seien auch nötig, um Druckschwankungen und -mangel bei der Verteilung des Trinkwassers zu beheben und nicht auf weitere Orte auszudehnen. Betroffen seien derzeit unter anderem Rehfelde und Hönow. Bähler betonte, dass das Konzept flexibel sei. "Jeder Netzausbau wird auf seinen Erfolg kontrolliert und, wenn nötig, nachjustiert.“