Verweigererprojekt: Unterricht auf andere Art

Die Pädagogen der Schule des Lebens: v.l. Ulrich Seemann, Volker Hoppe, Susann Zschieschang, Heiko Schulze. Sie sind seit mehr als 20 Jahren dort tätig.
Julia OttoInsgesamt 201 Jugendliche haben bis zum Sommer 2019 die besondere Einrichtung durchlaufen. Nach Angaben der Pädagogen Susann Zschieschang, Volker Hoppe, Heiko Schulze und Ulrich Seemann, die seit über 20 Jahren dort tätig sind, beendeten mehr als die Hälfte ihre „Vollzeitschulpflicht“ mit der Berufsbildungsreife. Weitere 20 Prozent beendeten sie ordnungsgemäß, erreichten aber nicht die für Berufsbildungsreife notwendigen Leistungen. Viele seien inzwischen in unterschiedlichsten Berufen tätig, hätten Familien gegründet und Kinder, die selbst zur Schule gehen. Jugendliche der letzten Jahrgänge seien zum größten Teil in Ausbildung, berichten die Betreuer, die weiter Kontakt zu einer Reihe von Absolventen haben.
Die Schule war gegründet worden, weil Anfang der 90er–Jahre, als die WIBB GmbH im Landkreis startete, sich Probleme ergaben, die in Wohngruppen betreuten Jugendlichen an Schulen im Umkreis unterzubringen. Daraufhin entstand die Idee, sich selbst um eine geeignete Form zu kümmern. Prof. Dr. Karlheinz Thimm entwickelte die Grundidee weiter bis zur Gründung der Schule des Lebens im Sommer 1994. Sie arbeitet als besondere Lerngruppe einer Oberschule, heute der Grund– und Oberschule Rüdersdorf, und als Maßnahme der Hilfe zur Erziehung durch das Jugendamt, insbesondere um stationäre Betreuung zu vermeiden.
Statt im üblichen 45–Minuten–Rhythmus gibt es Unterricht am Vormittag in Wochenblöcken. Jede Woche steht unter einem Thema. Das Nachmittagsprogramm ist freizeitorientiert mit Wahlpflichtbereichen wie Kunst, Sport, Filmklub, Kochen und Backen. In der Schülerfirma „Tasdorf–Express“ lernen die jungen Leute, praktisch zu arbeiten, unterstützen Senioren der Umgebung bei Garten– oder Arbeiten am Haus und erhalten Einblick in buchhalterische Tätigkeiten.
Das Jugendamt Märkisch–Oderland unterstütze die Schule seit Anbeginn, und auch vom Schulamt werde die Notwendigkeit der Einrichtung immer wieder signalisiert, hieß es. Es gebe meist mehr Anfragen als Schulplätze, deshalb blicke man optimistisch in die Zukunft.