Wirtschaft: Abwasser weiter nach Münchehofe

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pixabayDie Hoffnung von um den Wasserstand des Straussees besorgten Bürgern, der Wasserhaushalt der Region könnte langfristig ausgeglichen werden, indem nicht mehr alles Abwasser nach der Klärung im Klärwerk Münchehofe in die Spree geleitet würde, hat sich zerschlagen. Auch wenn der Vertrag mit den Berliner Wasserbetrieben Ende 2019 ausläuft und die Berliner ihn fristgerecht gekündigt haben, bleibt alles beim Alten: In der jüngsten Verbandsversammlung des Wasserverbandes Strausberg-Erkner informierte Verbandsvorsteher Henner Haferkorn darüber, dass sich die Berliner Wasserbetriebe in den Verhandlungen bereit erklärt hätten, die Kündigung mit Abschluss eines Änderungsvertrages rückgängig zu machen.
Zunächst gilt für den 1999 abgeschlossenen Abwasservertrag eine fünfjährige Verlängerungsoption. Die Berliner Wasserbetriebe, so informierte Haferkorn, behielten sich das Recht vor, in diesen fünf Jahren die Grundlagen für ihre Preiskalkulation zu prüfen. Doch solle sich für den WSE und die Bürger nichts ändern, sagte der Verbandsvorsteher. Der nächste Vertrag soll sich an den Abschreibungsfristen für die Abwasseranlagen von 25 Jahren orientieren und also ebenfalls ein Vierteljahrhundert gelten. Was sich kurzfristig ändere, seien Planung und Bau eines Spitzenausgleichsbehälters für Schmutzwasser auf dem Gelände des Klärwerks Münchehofe: Mit einem Fassungsvermögen von 10 000 Kubikmetern soll er bei Starkregen die Überschreitung des Einleitstroms abfangen und damit Strafzahlungen vermindern oder verhindern. Immerhin habe der Wasserverband von 2009 bis 2017 auf diese Weise 620 000 Euro netto berappen müssen. Der neue Vertrag sehe vor, dass Einleitungen von 900 Litern pro Sekunde über eine Stunde lang künftig bezahlt werden müssten, bis sie in den Spitzenausgleichsbehälter fließen könnten. An den Kosten für den Bau des Ausgleichsbehälters in Höhe von 8,2 Millionen Euro beteiligt sich der Wasserverband Strausberg-Erkner zu 80 Prozent.
Fredersdorf-Vogelsdorfs Bürgermeister Thomas Krieger formulierte den Einwand, den die Vorstandsmitglieder der Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussees auch schon geäußert hatten: „Wir nehmen also weiterhin das Wasser aus unserer Region weg und leiten es in die Spree. Gibt es denn perspektivisch die Idee, bei uns im Verbandsgebiet eine Kläranlage zu errichten?“ Er erhielt heftigen Beifall aus dem Publikum. „Für die Mengen, die wir als Schmutzwasser im Verbandsgebiet haben, finden wir gar keine Vorflut, wo wir eine Kläranlage anschließen können“, entgegnete Henner Haferkorn. Es gebe in der Spree auch klar definierte Einleitabschnitte für das geklärte Abwasser. „Wir haben gar keine Standortmöglichkeiten für solch eine Kläranlage. Da können wir zu keiner Lösung kommen.“
Der für Dienstleistungen zuständige Chef der Berliner Wasserbetriebe, Joachim Jost, zeigte sich nach dem einstimmigen Beschluss über den Änderungsvertrag erleichtert. „Ich bin froh, dass Sie die Weichen langfristig für gute Zusammenarbeit gestellt haben“, sagte er, an die Mitglieder der Verbandsversammlung gerichtet. Weniger froh zeigten sich die Mitglieder der Bürgerinitiative für die Erhaltung des Straussees: „Das in der Region geförderte Trinkwasser wird also weiterhin nicht in der Region bleiben“, stellt Vorsitzender Frank Weber fest, „so kommt der regionale Wasserhaushalt nicht ins Gleichgewicht.“